Erkältung
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Hauptsache Gesund | 09.11.2017 | 21:00 Uhr Was tun gegen Grippe und Erkältung?

Schnupfen, Halsschmerzen und Husten sind typische Symptome einer Erkältung. Doch wenn starke Gliederschmerzen und Fieber hinzukommen, kann es sich auch um eine Grippe handeln. Die kann sogar lebensgefährlich werden.

von Raja Kraus

Erkältung
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Influenzaviren schwächen das gesamte Immunsystem und machen die Erkrankten so auch noch anfällig für bakterielle Infektionen. Todesfälle gehen dann oft auf Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung, zurück. Gefährlich ist die Krankheit deshalb vor allem für ältere Menschen und Kinder, aber auch für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen oder einer Abwehrschwäche. Für einen gesunden Erwachsenen besteht normalerweise keine Lebensgefahr.

Wie unterscheiden sich Grippe und Erkältung?

Bei einer einfachen Erkältung spricht man auch von einem "grippalen Infekt". Die Influenzaviren hingegen verursachen eine sogenannte "echte Grippe". Interessant ist, was im Jahr 2014 britische Forscher mit Hilfe einer Studie herausfanden: Viele Menschen, die sich mit Grippeviren anstecken, bekommen weder hohes Fieber noch starke Schmerzen. Bei ihnen verläuft die "echte Grippe" also unbemerkt. Das fand das Team um Andrew Hayward vom University College London raus, indem den Studienteilnehmern zu Beginn und am Ender einer Grippewelle Blut entnommen wurde bzw. sie auch bei leichten Erkältungsanzeichen untersucht wurden.

Wesentliche Unterschiede bei einem klassischen Verlauf der Erkrankungen:
Erkältung Grippe
Entwickelt sich oft allmählich. Bricht oft schnell und heftig aus.
Kann von vielen verschiedenen Viren verursacht werden. Wird nur von Influenzaviren verursacht.
Symptome sind Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Kopfschmerzen. Die Symptome sind ausgeprägter als bei einer Erkältung und von Schmerzen und hohem Fieber begleitet.
Eine jährliche Grippe-Impfung schützt nicht vor Erkältungen. Eine jährliche Grippe-Impfung kann vor Influenzaviren schützen.

Wann muss ich zum Arzt?

Unter normalen Umständen bekämpft der Körper die Erkältungs- und Grippeviren erfolgreich selbst – dazu braucht er in der Regel bis zu einer Woche. Dauern die Beschwerden an oder kommen weitere bakterielle Infektionen wie Bronchitis oder eine Mittelohrentzündung hinzu, sollte der Arzt aufgesucht werden. So lassen sich mögliche Komplikationen vermeiden. Bei älteren Menschen, Kleinkindern oder chronisch Kranken wird ein Arztbesuch in jedem Fall empfohlen.

Welche Medikamente helfen bei Erkältung und Grippe?

Eine junge Frau sitzt, in Decken eingewickelt, auf einem Stuhl und liest von einem Fieberthermometer die Temperatur ab.
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Da es sich bei Erkältung und Grippe um Virusinfektionen handelt, helfen Antibiotika nicht weiter, denn diese Mittel wirken nur gegen bakterielle Infektionen. Gegen Viren wirkende Medikamente, sogenannte antivirale Medikamente, müssen in der Regel nicht eingenommen werden. Außer, der Betroffene leidet unter Vorerkrankungen. Dann gilt: antivirale Medikamente so früh wie möglich einnehmen. Denn sie verhindern die Vermehrung der Viren und sind nur am Anfang der Grippeerkrankung sinnvoll.

Was taugen Erkältungsmittel aus der Apotheke?

Wer sich krank und schlapp fühlt, will vor allem eins: schnell wieder gesund werden. Erkältungsmittel aus der Apotheke, die schnelle Genesung versprechen, sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Im Allgemeinen braucht der Körper Zeit, um die Viren zu bekämpfen. Abgeraten wird deshalb explizit von Medikamenten, die gegen mehrere Symptome gleichzeitig helfen sollen. Denn die Kombination aus verschiedenen Wirkstoffen in den Präparaten ist oft nicht sinnvoll und belastet den Körper zusätzlich. Viele "Wunderpillen" enthalten Antihistaminika, die müde machen. Um diese Wirkung aufzuheben, werden den Präparaten oft aufmunternde Stoffe wie zum Beispiel Koffein zugesetzt. Das wiederum kann bei manchen Erkrankten zu Herzrasen oder erhöhtem Blutdruck führen. Eine Erkältung oder Grippe muss auskuriert werden. Da hilft vor allem, sich auszuruhen und körperliche Belastung zu vermeiden. Aber es gibt auch wirksame Mittel, die über die Zeit der Erkrankung hinweghelfen und die Symptome lindern:

Tipps von Apothekerin Dr. Anne-Kathrin Habermann

Bei Kopf- und Gliederschmerzen kann man ein gut verträgliches Schmerzmittel wie Paracetamol einnehmen. Außerdem wirkt es fiebersenkend. Mehr als drei Tage sollte man allerdings nicht zu den Tabletten greifen.

Eine Frau fasst sich an den schmerzenden Hals.
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Wer Halsschmerzen hat, kann es zunächst mit Hausmitteln versuchen. Man kann zum Beispiel. Honig lutschen, denn der wirkt  desinfizierend und beruhigend. Gleiches gilt für Eiswürfel und Salbeitee. Hilft das nicht weiter, gibt es in der Apotheke verschiedene Lutschtabletten, die den Schmerz betäuben.

Bei Husten gilt es in erster Linie den Schleim zu lösen. Das wird durch warme Getränke unterstützt. Zusätzlich kann man einen Hustensaft auf Thymian- oder Efeubasis anwenden. Trockener Reizhusten hingegen muss vor allem befeuchtet werden; auch hier kann Honig beruhigend wirken. Zu Hustenstillern sollte man, wenn überhaupt, dann möglichst nur zu welchen auf pflanzlicher Basis greifen. Denn chemische Mittel machen oft zusätzlich müde.

Junges Mädchen putzt sich die Nase.
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Der verstopften Nase tut frische Luft gut. Aber meist ist auch ein abschwellendes Nasenspray nötig. Es hilft vor allem nachts, die Atemwege freizuhalten. Ein Nasenspray sollte nicht länger als sieben Tage benutzt werden.

Trockene Schleimhäute können befeuchtet werden, indem mit Kamille oder leicht ätherischen Ölen inhaliert wird. Auch das Lutschen von zuckerfreie Bonbons oder Panthenoltabletten hilft, denn sie regen den Speichelfluss an.

Ist die jährliche Grippe-Impfung sinnvoll?

Impfung
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Die Ständige Impfkommission empfiehlt die jährliche Grippeimpfung allen, die aufgrund ihres Alters, Schwangerschaft oder Vorerkrankungen besonders gefährdet für einen schweren Verlauf sind. Die Impfung sollte jedes Jahr im Herbst – möglichst im Oktober/November – durchgeführt werden. In der Vergangenheit begannen die Grippewellen oft in den Monaten Januar und Februar. Der Schutz hält in der Regel über die Zeit der gesamten Grippesaison. Standard ist in der Regel ein Dreifach-Impfstoff, der drei Virusarten bekämpft. Gegen Aufpreis gibt es auch einen Vierfach-Impfstoff. Die Ständige Impfkommission hat bisher allerdings keine bevorzugte Verwendung von Vierfach-Impfstoffen empfohlen. Um sich zusätzlich vor Ansteckung zu schützen, wird das regelmäßige Händewaschen mit Seife empfohlen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 09. November 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 22:10 Uhr