Eine Haarbürste mit Haaren.
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Hauptsache Gesund | 09.02.2017 | 21:00 Uhr Wenn die kahlen Stellen auf dem Kopf größer werden

Seit jeher machen nicht nur Kleider, sondern auch Haare Leute. Von der Elvis-Tolle über die Punkfrisur: Haare sind Ausdruck unserer Persönlichkeit. Umso schlimmer ist es häufig für Betroffene, wenn sie die geliebte Pracht verlieren. Fast 80 Prozent der Männer und jede zweite Frau kommen irgendwann einmal mit dem Thema Haarausfall in Berührung.

Eine Haarbürste mit Haaren.
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Ab wann spricht man von Haarausfall?

Ein einzelnes Haar auf dem Kopfkissen, drei weitere im Waschbecken und fünf in der Haarbürste: Das ist noch kein Haarausfall, sondern völlig normal.

Computergrafik: Haarmodell mit Haarfollikel, Talgdrüsen, Schweißdrüsen und Haarbalgmuskel.
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Der natürliche Lebenszyklus eines Haares dauert ungefähr sieben Jahre. Das führt dazu, dass jeden Tag auch bei gesunden Menschen etwa 60 bis 100 Haare ausfallen. Dann wächst ein neues Haar aus derselben Haarzwiebel (auch Haarfollikel genannt) nach. Von Haarausfall wird erst gesprochen, wenn täglich mehr als 100 Haare ausfallen und wenn es einen deutlichen Unterschied zwischen der Zahl der abgestoßenen und nachgewachsenen Haare gibt. Die Grenzen zwischen normalem und übermäßigem Haarausfall sind fließend. Es kann durchaus unbedenklich sein, 100 Haare am Tag zu verlieren, wenn sie gleichmäßig über den ganzen Kopf ausfallen. Fehlen aber an einer Stelle oder in einem bestimmten Gebiet des Kopfes über 60 Prozent der Haare, so spricht man von Alopezie. Haarausfall kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken oder auch akut auftreten. Im Alter schreitet der Haarausfall kontinuierlich fort. Als Faustformel gilt: pro Jahr  ein Prozent Haare weniger.

Welche Arten und Verlaufsformen gibt es?

Mann untersucht seinen Haaransatz vor enem Spiegel
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Anlagebedingter Haarausfall:
Bei Männern ist der Haarausfall in den allermeisten Fällen anlagebedingt (androgenetische Alopezie). Sie bekommen "Geheimratsecken" an den Schläfen und/oder dünnes Haar im Tonsurbereich. Dies kann sich im Laufe der Zeit zu einer Glatze an Stirn und Hinterkopf ausweiten, bis nur noch ein Haarkranz übrig ist.

Auch Frauen sind von diesem androgenetischen Haarausfall betroffen, bekommen üblicherweise aber keine Glatze. Ihr Haar wird verstärkt im Scheitelbereich dünner, während es zur Stirn hin meist erhalten bleibt. Bei vielen Betroffenen macht sich diese Alopezie erstmals in den Wechseljahren bemerkbar.

Örtlicher Haarausfall:
Bei einem örtlichen Haarausfall (Alopecia areata) sind meist kreisrunde Bereiche nicht mehr mit Haaren bedeckt. Diese Form setzt oft akut und plötzlich ein. Die Ursache dieser Erkrankung ist nicht bekannt. Da diese Form des Haarausfalles jedoch häufig von einer Entzündung begleitet ist, steht eine Störung des Immunsystems im Verdacht.

Diffuser Haarausfall:
Bei diffusem Haarausfall handelt es sich um die am häufigsten auftretende Form des Haarausfalls. Dabei wird das Haar in seiner Gesamtheit immer lichter. Besonders Frauen sind von dieser Art Haarausfall betroffen und ihre Zahl wächst stetig. Ursache hierfür können eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse oder auch ein Eisenmangel sein. Auch Medikamente und Infektionskrankheiten können das Haar dünner werden lassen. Strahlen- oder Chemotherapien lassen es nicht selten gänzlich ausfallen, meist beginnt es aber nach der Therapie wieder zu wachsen. Nicht zuletzt wird der Einfluss von Stress auf den diffusen Haarausfall diskutiert.

Wirken die Haarwuchsmittel aus Drogerie und Apotheke?

Auf dem Markt sind zahlreiche Mittel erhältlich, die das Haarwachstum anregen oder den Haarausfall stoppen sollen. Nur die wenigsten sind jedoch in guten klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit hin getestet worden. Prinzipiell sollte man erst einmal fachkundig von einem Dermatologen abklären lassen, ob man überhaupt Haarausfall hat und welcher Art dieser ist. Dies ist wichtig, da es nicht das Haarwuchsmittel schlechthin gibt, sondern jede Alopezie gesondert behandelt wird.

Wie behandelt der Arzt den Haarausfall?

Die Behandlung des Haarausfalls richtet sich natürlich nach der Art und Ursache.

Ein Mann trägt eine Creme gegen Haarausfall auf.
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Eine äußerliche Behandlung mit hormonhaltigen Kopftinkturen ist möglich. Frauen kann mit einer Behandlung mit Hormontabletten (ähnlich der "Pille") geholfen werden, mit der die Wirkung der männlichen Hormone an der Haarwurzel unterdrückt wird. Das Medikament Finasterid kann Männern bei Haarausfall helfen, dämpft aber das sexuelle Verlangen. Äußerlich aufgetragen hilft bei Männern und Frauen auch Minoxidil-Lösung. Als Begleitbehandlung für schönes, widerstandsfähiges und langlebiges Haar eigenen sich verschiedene Mineralstoffe, Vitaminpräparate, Gelatine-Kapseln, Kieselerde oder Hefetabletten. Auch naturheilkundliche Behandlungen können den Haarausfall manchmal verlangsamen, ohne die Erbanlage natürlich heilen zu können.

Blutplättchen gegen Haarausfall Fabiola Biene hat den Schritt in die Haarsprechstunde von Dr. Andreas Finner aus Berlin gewagt. Im vergangenen August hatte sie bemerkt, dass ihr bis zu 400 Haare am Tag ausfallen. Die Mittel aus Drogerie und Apotheke brachten keinen Erfolg. Also hat sich die 26-Jährige für die sogenannte PRP-Therapie entschieden.

PRP ist eine Abkürzung und heißt "Plättchenreiches Plasma". Alles, was man dafür braucht, sind die körpereigenen Blutplättchen. Diese sogenannten Thrombozyten werden unter die Kopfhaut gespritzt. Die Idee dahinter ist die, dass die Plättchen denken, es handele sich bei der beschädigten Haarwurzel um eine Wunde und dass sie dann ihre Wachstums- und Wundheilungsfaktoren freisetzen und dabei die Haare stimulieren.

Um das PRP zu gewinnen, kommt ein Röhrchen mit Blut für vier Minuten in eine Zentrifuge. Durch die Fliehkräfte wird das Plasma von den restlichen Bestandteilen getrennt. Mit feinsten Mikronadeln wird das PRP dann ungefähr vier Millimeter unter die Kopfhaut direkt an die Haarwurzeln gespritzt. Die Patienten bemerken davon gar nichts, denn die Kopfhaut wurde betäubt.

Auch Fabiola Biene hat ihre PRP-Behandlung  schmerzfrei überstanden. "Es war wie Sandknirschen. Als hätte man Sand unter den Fingernägeln. Aber an sich: ok! Und diese zehn Minuten gegen schöne Haare!", sagt die Berlinerin nach der ersten Sitzung. Innerhalb von kurzen Abständen wird die Prozedur jetzt noch zweimal wiederholt, um den Wachstumseffekt zu bestärken und langfristig anzuheizen.

Aus der Sportmedizin oder beim Gesichtslifting kennt man so eine Behandlung mit Eigenblutplättchen schon lange. Im Kampf gegen den Haarausfall ist die Waffe "PRP" aber noch relativ unbekannt.  Sie wird nicht von der Krankenkasse übernommen und ist mit 200 bis 500 Euro pro Sitzung nicht gerade preiswert.