Eine Hand nimmt Feuchtigkeitscreme aus einem Cremetiegel.
Bildrechte: IMAGO

Hauptsache Gesund | 26.01.2017 | 21:00 Uhr Winterhaut – Hilfe gegen Jucken, Spannen und Risse

Eisiger Wind draußen und mollige Wärme drinnen: Beides ist Gift für die Haut! Sie spannt, sie juckt und sie schuppt sich. Das sind die ersten Alarmzeichen. Danach platzt unsere Hülle regelrecht auf. Besonders an Fingern, Ellenbogen, Knien und Füßen entstehen kleine Risse. Sie sind offene Tore ins Körperinnere und damit Eintrittspforten für gefährliche Keime. Die richtige Pflege, kann das verhindern.

Eine Hand nimmt Feuchtigkeitscreme aus einem Cremetiegel.
Bildrechte: IMAGO

Was bringt die Haut im Winter aus der Balance? Es ist ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren, das bei den Talgdrüsen anfängt. Sie sitzen überall auf der Hautoberfläche und  produzieren unentwegt ein Gemisch aus Wasser und Fett. Diese "körpereigene Creme" hält die Haut einerseits schön geschmeidig. Andererseits bildet sie aber auch einen Schutzfilm. Er verhindert, dass der Körper Feuchtigkeit verliert und dass sich krankmachende Bakterien und Pilze ansiedeln. Wenn die Temperaturen im Winter jedoch unter acht Grad fallen, arbeiten die Talgdrüsen nicht mehr optimal und der Schutzfilm versiegt. Die Haut wird trocken, und das löst einen Juckreiz aus. Sie ist auch nicht mehr so elastisch und reißt dadurch schneller ein. Weil die Fettschicht fehlt, verdunstet der ganze Körper jetzt auch mehr Wasser. Hinzu kommt, dass sowohl die kalte Winterluft draußen als auch die warme Heizungsluft drinnen selbst extrem trocken sind und zusätzlich Feuchtigkeit entziehen. Die richtige Hautpflege ist deswegen in der kalten Jahreszeit besonders wichtig.

Rezept für selbstgemachte Wetterschutzcreme Besorgen Sie sich 100 Prozent reines Bienenwachs, am besten als kleine Chips. Sie benötigen 25 Gramm. Das gibt’s im Reformhaus, in Apotheken oder im Internet. Zudem brauchen Sie noch 60 Gramm Honig und 100 Gramm hochwertiges Olivenöl. Zuerst wird das Wachs in einem Wasserbad (Temperatur maximal 80 Grad) geschmolzen. Dann das Öl und zuletzt den Honig zugeben und das Gefäß aus dem Wasserbad nehmen. Die Masse nun unter ständigem Rühren abkühlen lassen. Das ist sehr wichtig, denn sonst wird der Honig nicht in die Creme eingebunden. Sobald alles gut gebunden ist, kann die Masse in eine Cremedose abgefüllt werden.  

"Hautärztin aus Leidenschaft"

Dr. Yael Adler nennt sich selbst "Hautärztin aus Leidenschaft" und hat einen Bestseller über das größte Organ des Menschen geschrieben. Sie sagt, wir setzten unsere Haut zu vielen industriellen Kosmetikprodukten aus. Auf Duschgele, Peelings, Deos, Körperlotionen, Öle und vieles mehr sollte man aber lieber verzichten.

Wer zu viel wäscht, stinkt!

Wir modernen Menschen leiden alle mehr oder minder an einem Waschzwang. Viele Duschen mehrmals täglich. Andere baden sogar einmal am Tag. Für unsere Haut ist beides eine Katastrophe. Schon das heiße Wasser allein entfettet. Die Seifen und Duschgele aber setzen noch eins obendrauf. Ist der Säureschutzmantel schließlich "kaputtgeseift", dann ist die Oberfläche fettfrei und trocken. Jetzt können sich leichter Keime einnisten, die einen unangenehmen Körpergeruch erzeugen. Wir fangen an zu stinken!

Dr. Med. Yael Adler - Autorin und Dermatologin
Dr. med. Yael Adler Bildrechte: IMAGO

Wer den natürlichen Schutzmantel der Haut bewahren möchte, sollte also bereits bei der Reinigung einige Regeln beachten. Dr. Yael Adlers rät: "Auf Bäder besser ganz verzichten. Duschen am besten nur mit mäßig warmen Wasser und nicht unbedingt jeden Tag. Zum Waschen eignen sich besonders synthetische Waschsubstanzen mit dem saurem pH-Wert von 5,5  sowie ohne Duftstoffe, Farbstoffe und Konservierungsstoffe. Übrigens braucht man nicht den ganzen Körper einseifen. Reinigen Sie nur die Krisenherde wie Füße, Achseln, Leistengegend und Pofalte mit Waschlotion und nicht den ganzen Körper."

Hautöl ist Körperverletzung

Die wichtigste Botschaft der Hautspezialistin voran: "Nicht zu viel! Geben Sie Ihrer Haut die Chance, in ein natürliches Gleichgewicht zu kommen."  Doch welches Produkt für welche Körperregion? Dr. Adler empfiehlt fürs Gesicht Cremes, die die Poren nicht verstopfen, keine Mineralöle enthalten und aus hautverwandten Fetten bestehen. Noch ein persönlicher Tipp der Medizinerin: "Man sollte nicht das ganze Gesicht einschmieren, sondern nur die trockenen Zonen wie die Jochbeine und die Lippen."  Beim Körper rät Dr. Adler zu Lotionen, die den Harnstoff Urea enthalten. Er wirkt rückfettend. Besonders Füße, Beine und Arme sollten damit häufig gepflegt werden: "In alten Zeiten haben die Menschen sich direkt Urin auf die Haut aufgetragen, um von seinem Bestandteil Urea zu profitieren. Das roch aber streng. Harnstoff alleine ist dagegen geruchsfrei und auch nicht keimhaltig. Lotionen mit Urea werden heute synthetisch hergestellt." Von Einreibungen mit Öl-, Argan- oder Kümmelöl usw. hält die Dermatologin übrigens gar nichts: "Es vermischt sich mit dem natürlichen Hautfett und löst es aus der Haut heraus. Das trocknet sie aus. Wer sein Baby mit Babyöl einreibt, begeht damit im Grunde Körperverletzung."


Krebsgefahr durch Lippenfettstift

Alles, womit wir unsere Lippen pflegen oder verschönern, "essen" wir durch Ablecken von den Lippen auch. Das bedeutet, bei durchschnittlichem Gebrauch, "futtern" Nutzer vier Lippen- oder Lippenpflegestifte pro Jahr. Doch Erzeugnisse zur Lippenpflege enthalten oft Mineralölprodukte. Das dürfen sie auch, aber nur, wenn diese speziell gereinigt sind.

Lippen einer frau
Bildrechte: IMAGO

Wenn nicht, dann können sie sogenannte MOAH enthalten, Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons. Das ist eine Gruppe chemischer Verbindungen, die auch aromatische Kohlenwasserstoffe genannt werden. Einige Vertreter von ihnen haben sich zumindest im Tierversuch mit Mäusen in hoher Konzentration als krebserregend herausgestellt. Experten haben festgestellt, solche MOAH kommen immer wieder auch in Pflegemitteln vor. In fünf von 25 untersuchten Produkten waren bis zu 3000 Mal so viele MOAH enthalten, wie in Lebensmitteln erlaubt sind.

Entwarnung gab es bei klassischen Lippenstiften. Alle untersuchten waren frei von MOAH. Die Hälfte der Pflegestifte fiel hingegen durch. Es empfiehlt sich, das Kleingedruckte auf den Lippenpflegestiften lesen. Finden sich unter den Inhaltstoffen Paraffin, Paraffinum Liquidum, Ceresin, Petrolatum, Mineral Oil oder Mikrokristallines Wachs, dann sollte man diese Produkte sicherheitshalber meiden.


Geheimtipp Sheabutter

Teller mit Sheabutter
Bildrechte: IMAGO

Auch die Lippen und Hände sind im Winter besonders trocken und rissig. Ein Naturprodukt kann hier bestens Abhilfe schaffen: Sheabutter. Sie wird aus den Nüssen des Karitébaums gewonnen und idealerweise in Handarbeit mit heißem Wasser ausgelöst. Reine Sheabutter ist in Afrikaläden und im Internet erhältlich. Auch eine Bestellung über Apotheken ist möglich. Sheabutter enthält nicht nur Fette, die die Hautbarriere wieder aufbauen, weiß Dr. Yael Adler: "Zudem ist viel Vitamin E enthalten. Daher hat Sheabutter auch Anti-Aging- Eigenschaften." Der Clou: Einmal eingecremt bleibt die Butter gut haften und wird selbst durch häufiges Händewaschen nicht abgespült. Sie mildert den Juckreiz und bildet einen tollen Kälteschutz.

Angaben zum Buch

Angaben zum Buch

Dr. med. Yael Adler: "Haut nah. Alles über unser größtes Organ."
Droemer Verlag 2016
ISBN 978-3-426-27699-0
16,99 Euro

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2017, 12:46 Uhr

Illustration Winterhaut - Frauengesicht mit rissiger Gesichtshaut.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau benutzt einen Lippenbalsamstift.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Psoriasis-Patient nimmt ein Bad beim Arzt.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK