Kurkuma
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Hauptsache Gesund | 08.12.2016 | 21:00 Uhr Heilen mit Gewürzen

Kurkuma, Ingwer und Koriander - es klingt ein bisschen wie Hokuspokus, und doch wirken sie augenscheinlich gegen Gelenkschmerzen. Aber warum? Naturheilkundler des Immanuel Krankenhauses Berlin, dem akademischen Lehrkrankenhaus der Charité, suchten in einer Studie nach Antworten auf diese Frage.

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Marianne Zirkel ist eine der Studienteilnehmerinnen. Die 68-Jährige hat schwere Arthrose im Knie. "Ich hätte 2010 ein neues Knie bekommen müssen und jetzt habe ich immer noch mein altes und kann besser laufen als vorher." Ein Effekt der indischen Ayurvedamedizin? Zu dieser Therapie gehören spezielle Massagen, Yogaübungen, eine Ernährungsumstellung und eben auch Gewürze. Sie spielen bei der ayurvedischen Ernährung und Medizin eine sehr große Rolle und sind viel mehr als nur Geschmacksträger. Elmar Stapelfeldt ist Heilpraktiker am Immanuel Krankenhaus und setzt sie fast schon wie eine Arznei ein: "Bestimmte Gewürze eignen sich für Atemwegserkrankungen, andere eher für Gelenkbeschwerden. Wir nutzen die Küche als unser eigenes Labor oder eigenen Medikamentenschrank."

Zu Kurkuma und Ingwer gibt es bereits wissenschaftliche Studien. Ihre Wirkung verdanken sie sekundären Pflanzenstoffen. "Diese Moleküle, die wir als scharfe, pikante oder auch als bunte, farbige Substanzen wahrnehmen, haben eine Vielzahl von gesundheitsfördernden Wirkungen. In der Regel sind sie alle entzündungshemmend, antioxidativ, manche sind auch direkt schmerzstillend", sagt Professor Andreas Michalsen, Internist und Naturheilmediziner. Auch Arthrosepatient Harald Möser ist nach einem Bericht im Fernsehen auf Gewürze als Therapie gestoßen. Der Rostocker nimmt jeden Tag eine Messerspitze einer Mischung aus Koriander, Kreuzkümmel und Muskat gegen seine Fingerarthrose ein. Er ist begeistert vom Effekt: "Ich habe gemerkt, dass Stück für Stück alles besser geworden ist. Nach 14 Tagen hatte ich keine Schmerzen mehr." Auch seine Ärztin, Dr. Doreen Lankow, ist erstaunt, denn Harald Möser ist jetzt bereits seit einem halben Jahr schmerzfrei. Die Rheumatologin aus Rostock hat ihn genau untersucht: "Ich konnte keine entzündliche Gelenkaktivität mehr feststellen. Ich habe mich bereit erklärt, diesen Weg mit ihm zu gehen. Wir werden schauen, was die Zeit bringt." Denn Heilen lässt sich die Arthrose mit den Gewürzen nicht. Aber eine tägliche Dosis kann Gelenkschmerzen lindern.

Auf Güte und Lagerung kommt es an

Gewürzpulver werden in großen Mengen aus aller Welt nach Deutschland importiert. Dabei gibt es im Wesentlichen zwei Probleme. Zum einen kann es auf diesem langen Produktions- und Transportweg zu gefährlichen Verunreinigungen kommen, durch Bakterien oder Schimmel beispielsweise. Zum anderen passiert es immer wieder, dass Gewürze im Ausland mit gesundheitsschädlichen Farbstoffen vermischt werden, um sie für uns attraktiver zu machen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung beobachtet den Gewürzhandel deshalb genau und erarbeitet Regelungen, die den Verbraucher künftig davor schützen können. Bis dahin sollte man sich beim Kauf nicht vom Preis leiten lassen. Biogewürze mit genauen Inhaltsangaben und Herkunftsnachweisen kosten zwar etwas mehr, sind dafür aber unbedenklicher. Und oft haben sie auch einen viel aromatischeren Geschmack. Der hält sich übrigens am besten, wenn man Gewürze richtig und nicht zu lange lagert. In Pulverform halten sie sich circa sechs Monate, im Ganzen rund ein Jahr. Die Döschen sollten möglichst luftdicht, kühl, dunkel und trocken verstaut werden. Was viele nicht wissen: Das Gewürzregal direkt über den Herd zu hängen, ist keine optimale Lösung, denn der Dunst des Kochens dringt in die Gewürze und befeuchtet sie. Das raubt ihnen schnell Aroma und Farbe. Sollte man Gewürze sogar besser im Ganzen kaufen und selbst mahlen? Ja, sagen die Kenner. Der Unterschied in der Würzkraft sei enorm. Den besonderen Kick erzielt man, wenn die Gewürze in der Pfanne angeröstet werden und erst dann in Mörser oder Mühle kommen.

Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2016, 07:58 Uhr