grafische Darstellung von Herpesviren
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Hauptsache Gesund | 24.08.2017 | 21:00 Uhr Lippenbläschen, Genitalherpes, Gürtelrose

Fast jeder trägt Herpesviren in sich – oft unbemerkt. Sie werden aktiv, wenn das Immunsystem schwächelt. Je nach Art äußern sie sich in Form von Bläschen an der Lippe oder im Genitalbereich oder rufen eine Gürtelrose hervor. Was lässt sich den Erregern Herr werden?

von Michael Kästner

grafische Darstellung von Herpesviren
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Um Herpes ranken sich einige Gerüchte und Mythen. Manche behaupten zum Beispiel, am Herpes ließe sich erkennen, dass der Partner fremdgegangen ist. Andere glauben, wer Bläschen am Mund habe, sei auch im Genitalbereich infiziert. Verbreitet ist auch die Annahme, dass man stirbt, wenn sich eine Gürtelrose schließt. "Alles Quatsch", sagt die Leipziger Hautärztin Dr. Marion Krakor.

Unterschiedliche Typen

ein Mund mit einem Herpesbläschen
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Es gibt unterschiedliche Herpesviren, die unterschiedliche Krankheiten hervorrufen. Am häufigsten kommen die folgenden drei vor:

Herpes-Simplex Typ 1 (HSV1)
90 Prozent aller Mitteleuropäer tragen diesen Erreger in sich. Im Blut fast jedes Menschen sind Antikörper nachweisbar, die die Existenz des Virus belegen. Es führt zu der bekanntesten Herpes-Erkrankung, dem Lippenherpes.

Eine Computergrafik zeigt einen Penis mit Herpesbläschen.
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Herpes-Simplex-Virus 2 (HSV2)
Dieser Virus wird durch sexuelle Kontakte übertragen. Die Infektion wird zumeist im Genitalbereich sichtbar, seltener hingegen in anderen Körperregionen. Genau wie der Lippenherpes ist Genitalherpes nicht heilbar: Wer sich infiziert hat, bleibt es sein Leben lang. Genaue Zahlen lassen sich nicht ermitteln, aber Schätzungen sprechen von zehn bis 30 Prozent der Erwachsenen, die den Herpes-Virus 2 in sich tragen.

eine Grürtelrose im Brustbereich eines Mannes
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Varizella-Zoster-Virus (VZV)
Bei der Gürtelrose handelt es sich um eine Erkrankung, die durch das Windpocken-Virus (Varizella-Zoster-Virus VZV) verursacht wird. Auch dieser Erreger gehört zu den Herpesviren. Bei Gürtelrose – früher auch als Wundrose bezeichnet – kommt es zu einem Hautausschlag mit Rötungen und Bläschen, die unterschiedliche Entwicklungsstadien durchläuft. In vielen Fällen verursacht die Gürtelrose Schmerzen, die zum Teil sehr stark werden können. Ihren Namen hat die Gürtelrose bekommen, weil der Ausschlag oft streifenförmig entlang des Rückens und bzw. oder der Brustwand auftritt, sich also wie ein Gürtel ausbreitet.

Einheitliche Therapien

In der Therapie setzt man bei allen Herpeserkrankungen immer auf virenhemmende Medikamente in Form von Tabletten, Salben oder Cremes. Sie enthalten meist die Wirkstoffe Aciclovir oder Valaciclovir. Behandelt werden immer nur die Symptome, denn den Herpesviren selbst ist nicht beizukommen.

Ganz vielfältig sind die Hausmittel, die angeblich gegen Herpes helfen sollen. So schmieren sich viele Patienten Zahnpasta oder Essig auf die Bläschen. Laut Hautärztin Marion Krakor trocknen diese Mittel aber die Haut so stark aus, dass dadurch die Krusten immer wieder aufplatzen und der Heilungsverlauf dadurch sogar verlängert werden kann. Bei ätherischen Ölen wie zum Beispiel Teebaumöl rät die Dermatologin zur Vorsicht, denn sie haben ein hohes allergisches Potenzial und können in hohen Konzentrationen die Haut reizen. Und für relativ teure Verfahren wie "Elektrostifte" gebe es keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis.

Marion Krakor hat aber eine andere Empfehlung: Eis! Sie rät, die Infektionsstelle mit einem Eiswürfel einzureiben, denn die Kälte wirkt lindernd, weil die Viren wahrscheinlich kälteempfindlich sind. Die hinterher einsetzende verstärkte Durchblutung bringt außerdem das Immunsystem in Schwung.

Hoffnung auf neuen Gürtelrose-Impfstoff

Schon lange suchen Forscher nach einem Impfstoff gegen Herpes. Vor Jahren wurde auch einer gegen die Gürtelrose gefunden, doch der schützt nur einen Teil der Geimpften und hat erhebliche Risiken.

Jetzt scheint tatsächlich der Durchbruch geschafft zu sein: Wissenschaftler haben einen Impfstoff entwickelt, der sicherer ist und Gürtelrose bei fast jedem Menschen verhindert - nämlich bei 97,2 Prozent aller Testpersonen, auch bei älteren und geschwächten Menschen.

Für den neuen Impfstoff haben die Forscher zunächst ein Antigen aus dem Virus entnommen und isoliert. Anschließend kombinierten sie es mit einem Wirkverstärker - einem kleinen Fettkügelchen. Unser Immunsystem reagiert oft nämlich nur sehr schwach auf das Herpes-Virus.

Der Wirkverstärker aber zieht im Blut die Abwehrzellen an wie ein Magnet. Durch den Kontakt mit dem Antigen erinnert sich das Immunsystem wieder an Herpes Zoster. Sollte jetzt das Virus  aktiv werden, wird es sofort ausgeschaltet.

Die Wissenschaftler sind optimistisch: in zwei bis drei Jahren könnte der neue Impfstoff auf den Markt kommen. Dann besteht die Chance, sich im Vorfeld gegen einen Ausbruch und seine langwierigen Folgen zu  schützen. Fraglich, aber nicht unmöglich ist, ob die Zoster-Impfung auch gegen HSV 1 und 2 hilft.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 24. August 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2017, 22:40 Uhr