EKG-Stab
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Hauptsache Gesund | 21.09.2017 | 21:00 Uhr Hilfe fürs Herz

Herzprobleme fallen oft nicht sofort auf. Wir stellen einen EKG-Stab vor und beschäftigen uns mit drei verbreiteten Irrtümern rund ums Herz. Außerdem erklären wir, warum niemand Angst vor Erster Hilfe haben sollte.

von Claudia Hempel

EKG-Stab
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Mit dem EKG-Stab Leben retten

Es klingt wie ein Märchen: Bei Ihrem nächsten Apothekenbesuch drückt Ihnen der Apotheker einen Stab in die Hand und binnen Sekunden wissen Sie, ob Ihr Herz möglicherweise Anzeichen eines bislang nicht diagnostizierten Vorhofflimmerns zeigt. Rechtzeitig erkannt, rettet der kleine Stab aus Edelstahl vielleicht Ihr Leben. Das Tolle an dieser Geschichte ist: Der vermeintliche Zauberstab existiert wirklich.

EKG-Stab
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Das Universitätsklinikum Aachen hat in einer großen Studie die Werte von 6000 Probanden gesammelt, die in 90 teilnehmenden Apotheken getestet wurden. Für die Teilnehmer war sofort klar, ob es Handlungsbedarf gibt. Sie nehmen den Stab für eine Minute in beide Hände. In dieser Zeit misst er die elektrische Aktivität des Herzens. Ist alles in Ordnung, leuchtet er grün, gibt es Auffälligkeiten, blinkt ein rotes Licht.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung, die zwar nicht heilbar ist, aber mit blutverdünnenden Medikamenten oder einer Operation therapiert werden kann. Oftmals wissen Betroffene aber gar nicht, in welcher Gefahr sie schweben, ein EKG beim Arzt, das Klarheit schafft, wird meist erst nach einem Herz-Vorfall geschrieben. Das kann für manchen zu spät sein.

Bei einer Herzrhythmusstörung bleibt Blut, welches normalerweise zum Herzen gepumpt wird, im Vorhof stehen. Wird es nicht bewegt, kann sich ein Gerinnsel bilden. Löst sich dieses Gerinnsel und gelangt in die Blutbahn, kann es einen Gefäßverschluss im Gehirn verursachen, einen Schlaganfall.

Noch befindet sich der EKG-Stab in der Studienphase. Sollten die Ergebnisse überzeugend sein, könnte ein solcher Stab in der Apotheke die Früherkennung möglicher Herzerkrankungen revolutionieren und zukünftig viele Leben retten.

Herzinfarkt – Keine Angst vorm Helfen!

Eine Frau versucht, einen bewusstlosen Mann mit Herzdruckmassage wiederzubeleben.
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Eine Person bricht auf offener Straße zusammen und keiner hilft. Als Hauptgrund geben Befragte im Nachhinein an, sie hätten nicht gewusst, wie sie Erste Hilfe leisten können und wollten nichts falsch machen. Doch diese Angst ist unbegründet. Unter der Telefonnummer 112 kann man nicht nur professionelle Hilfe anfordern, man wird auch durch medizinisch geschultes Personal über das Telefon angeleitet. Zum Beispiel, wie man die Person lagert und wie man eine Herzdruckmassage durchführt. Denn bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute und je eher mit der Reanimation begonnen wird, umso größer sind die Chancen, dass der Betroffene überlebt.

Drei Herz-Irrtümer

Nahaufnahme der Sportschuhe einer Joggerin im Wald
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Wer eine Herzschwäche hat, sollte sich schonen!
Wer beim Berg- oder Treppensteigen kaum noch Luft bekam, hört oft: Schonen Sie sich! Noch vor ein paar Jahren galt dieser Satz als richtungsweisender Ratschlag für Herzschwächepatienten. Heute weiß man: Auch mit Herzschwäche sollte man Ausdauersport treiben. Studien belegen, dass sich die Herzleistung dadurch um zehn bis 15 Prozent verbessern kann. Die Sterblichkeitsrate sinkt um 30 Prozent.

Rotwein
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Rotwein ist Medizin fürs Herz!
Rotwein soll die Gefäße schützen, weil der Inhaltsstoff Resveratrol das "gute" HDL-Cholesterin erhöht. Doch neuere Studien zweifeln an der Richtigkeit dieser Aussage. So konnte zum Beispiel die tschechische Studie "In Vino Veritas" keine positiven Langzeiteffekte auf das Herz nachweisen. Auch eine Langzeitstudie der Universität Baltimore kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Möglicherweise, so die Forscher, gäbe es aber trotzdem einen positiven Effekt, nämlich für die Personen, welche ihren moderaten Weinkonsum mit zweimal Sport pro Woche kombinieren.

Die Füße eines Paars beim Sex.
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Sex ist nichts für Herzkranke!
Keine Angst, die Herzfrequenz steigt beim normalen Sex nicht über 130 Schläge pro Minute. Daher gilt die schönste Nebensache der Welt heutzutage nicht als zu hohe Belastung für das Herz, sondern ist sogar als moderates Herz-Training zu betrachten.

Partnerschaftliche Treue ist dabei von Vorteil. Eine Studie zeigte, dass Männer dann häufiger eine Herzattacke hatten, wenn sie außerehelichen Geschlechtsverkehr hatten. Insgesamt liegt die Rate der Herzattacken nach oder während Sex bei unter 1 Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 21. September 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2017, 08:58 Uhr