Hauptsache Gesund | 21.09.2017 | 21:00 Uhr "Fragen Sie Ihre Kinder!"

Seit 1. Juni 2017 ist Professor Dr. Michael A. Borger Direktor der Universitätsklinik für Herzchirurgie am Herzzentrum Leipzig. Der gebürtige Kanadier hat bereits von 2006 bis 2014 am Herzzentrum gearbeitet, danach ging er an die Columbia University nach New York. Jetzt ist er zurück und hat große Pläne. Wir haben mit ihm gesprochen.

Professor Michael A. Borger, Direktor Herzchirurgie-Herzzentrum
Bildrechte: Herzzentrum Leipzig/Dominik Wolf

Sie wollen das Herzzentrum zur Nummer eins in Europa machen. Was haben Sie konkret vor?

Schon jetzt kommt jeder dritte Patient aus den alten Bundesländern oder Berlin nach Leipzig und fünf bis zehn Prozent aus dem Ausland: aus Neuseeland, Australien, Nord- und Südamerika, aus den arabischen Ländern, den EU-Ländern und Russland etwa. Wir sind auf einem guten Weg.

Warum ist die Anzahl der Patienten ein Kriterium für Qualität?

Je mehr herzkranke Menschen wir in Leipzig behandeln, desto mehr Routine bekommen unsere Ärzte. Ich möchte, dass meine Kollegen große und komplizierte Operationen nicht einmal im Monat machen, sondern vielleicht einmal am Tag. Das nützt vor allem den Patienten.

Gibt es Unterschiede zwischen amerikanischen und deutschen Patienten?

Grundsätzlich haben alle Patienten die gleichen Voraussetzungen, was die Gesundheit des Herzens betrifft. Auch die Empfehlungen, für ein starkes und gesundes Herz unterscheiden sich in keiner Weise. Trotzdem unterscheidet sich meine Arbeit mit den Patienten sehr. Da merke ich schon, ob wir in den USA oder Deutschland sind.

Inwiefern?

In den USA kommen die Patienten vor einer anstehenden Operation wesentlich informierter in das Arztgespräch. Man merkt deutlich, sie haben sich vorher detailliert im Internet informiert. Da fallen oft Sätze, wie: "Ach, auf der Webseite sehen Sie ja doch ein bisschen anders aus." Da weiß ich, dass die Patienten mich vorher gegoogelt haben.

Wenn wir dann über die verschiedenen Operationsmethoden sprechen, merke ich, sie wissen viel, haben sich selbst schon Fragen notiert und Vor- und Nachteile abgewogen.

Das ist interessant, denn hierzulande gibt es viele Ärzte, die es gar nicht gern sehen, wenn Patienten sich im Internet informieren und dann möglicherweise auch viele Dinge falsch interpretieren. Sie scheinen da anderer Meinung zu sein?

Auf jeden Fall. Ich habe es selten erlebt, dass Patienten sich falsches Wissen angeeignet hatten. Natürlich muss man auch schauen, auf welcher Webseite man sich informiert. Das sollte schon seriös und fundiert sein.

Aber woher wissen die Patienten, welche Seiten seriös sind?

Die deutsche Herzstiftung unterhält zum Beispiel eine sehr informative Seite. Und ein wichtiges Projekt des Herzzentrums ist die Neugestaltung unserer Webseite, um für Patienten verständliche und seriöse Informationen zu bündeln. Und neuerdings gibt es die auch in Englisch. Fragen Sie einfach Ihren Kardiologen oder auch den Hausarzt, nach einer vertrauensvollen Webseite.

Viele Herzpatienten sind aber in einem Alter, in dem sie keinerlei Interneterfahrung haben. Was raten Sie denen?

Fragen Sie Ihre Kinder! In den USA kommen ältere Patienten oft mit ihren Kindern zum Arztgespräch. Und die Kinder haben sich vorher ausführlich im Internet informiert.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 21. September 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2017, 08:58 Uhr