Der Schlauch eines Stethoskops bildet ein Herz
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Hauptsache Gesund | 12.01.2017 | 21:00 Uhr Herzschwäche

Das Wort "Herzschwäche" klingt zunächst einmal nicht besonders dramatisch. Viele nehmen an, die nachlassende Pumpkraft des Herzens sei eine normale Alterserscheinung. Doch unter einer chronischen Herzinsuffizienz, so der Fachausdruck, leiden keineswegs nur alte Menschen. Und ihre Folgen können die Betroffenen in ihrem Alltag schwer beeinträchtigen. Schon einfachste Dinge wie Treppensteigen werden dann zur unüberwindlichen Aufgabe.

Der Schlauch eines Stethoskops bildet ein Herz
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Die Statistik ist erschreckend: Herzschwäche ist in Deutschland der häufigste Anlass zur Einweisung in ein Krankenhaus. Der jährliche "Herzbericht" der Deutschen Herzstiftung hält fest: Jedes Jahr werden 396.000 Menschen wegen Komplikationen aufgrund einer chronischen Herzinsuffizienz in eine Klinik eingeliefert. Insgesamt leiden 1,8 Millionen Menschen darunter. Eine enorme Belastung auch für die Krankenkassen.

Was genau ist eigentlich eine Herzschwäche?

Bei einer Herzinsuffizienz ist die Pumpfunktion des Herzens vermindert. Das Herz schafft es also nicht mehr, genügend Blut durch den Kreislauf zu pumpen. Mediziner unterscheiden dabei zwischen einem "Vorwärtsversagen" und einem "Rückwärtsversagen" des Herzens. Bei einem "Vorwärtsversagen" reicht die Kraft des Herzmuskels nicht mehr, um den Körper mit ausreichend sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Folge: Unsere körperliche Leistung sinkt drastisch, fast jede Aktivität wird von Atemnot begleitet. Bei einem "Rückwärtsversagen" wird das in den Körper gepumpte Blut nicht wieder richtig abtransportiert. Es kommt zum Rückstau. Dadurch herrscht mehr Druck in den Blutgefäßen, Wasser wird in das Gewebe gepresst und kann sich in der Lunge oder in den Beinen einlagern.

Woran merke ich, dass ich an einer Herzschwäche leide?

Die häufigsten Symptome sind Atemnot auch bei eher banalen körperlichen Belastungen, insgesamt verminderte Leistungsfähigkeit, Müdigkeit. Durch Wassereinlagerungen im Gewebe kann es zu Schwellungen (Ödemen) kommen, vor allem in den Beinen, und dadurch auch zur Gewichtszunahme.

Wodurch kann eine Herzschwäche ausgelöst werden?

Blutdruckmesser, 2009
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Eine der häufigsten Ursachen ist ein unbehandelter Bluthochdruck. Weil das Herz dann ständig gegen diesen hohen Druck anpumpen muss, wird es auf Dauer überlastet. Sehr oft ist auch eine Arteriosklerose, also eine Gefäßverkalkung, verantwortlich und in diesem Zusammenhang natürlich ein Herzinfarkt. All diese Faktoren können zu einer Schwächung und Schädigung des Herzmuskels führen, der dann nicht mehr kräftig genug pumpen kann. Solch eine Schädigung kann auch durch eine Entzündung verursacht werden, die etwa infolge einer Infektion mit Krankheitserregern eintreten kann. Dadurch kann zum Beispiel eine simple Erkältung auch auf den Herzmuskel schlagen. Eine weitere Ursache sind mitunter Bestrahlungen im Rahmen einer Krebstherapie. Auch hier kann als Nebenwirkung leider eine Schädigung des Herzmuskels eintreten. Außerdem spielen manchmal auch angeborene Herzfehler eine Rolle bei einer Herzinsuffizienz.

Warum kann es dadurch zu bedrohlichen Situationen kommen?

Gefürchtet sind zum Beispiel Wassereinlagerungen in der Lunge, die durch eine Herzinsuffizienz verursacht werden. Das so genannte Lungenödem kann lebensgefährlich sein, weil der Patient dann nicht mehr genügend Luft bekommt. Unmittelbar lebensbedrohlich sind auch ein Kreislaufversagen infolge einer Herzschwäche sowie dadurch ausgelöste Rhythmusstörungen.

Eine Herzschwäche kann auch die Niere stark in Mitleidenschaft ziehen und zu einer Nierenschwäche führen. Viele Patienten mit Herzinsuffizienz müssen zur Dialyse.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

 Eine Computergrafik zeigt die Lage des Herzes im menschlichen Körper.
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Eine Herzinsuffizienz ist prinzipiell nicht heilbar. Ärzte und Patienten müssen gemeinsam daran arbeiten, dass sich die Krankheit nicht verschlimmert und die körperliche Leistungskraft wieder ansteigt.

Meist ist eine Kombination aus verschiedenen Therapien erforderlich. Dabei werden die Grunderkrankungen, z. B. Bluthochdruck, behandelt. Liegt ein Herzklappenfehler vor, wird mitunter eine Operation nötig. Auch Durchblutungsstörungen in den Herzkranzgefäßen können mit einem Eingriff versorgt werden, damit sich die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels wieder verbessert. Manchen Patienten hilft ein spezieller Schrittmacher.

Bei vielen Patienten kann die chronische Herzinsuffizienz nur mit einer Vielzahl von Medikamenten kontrolliert werden. Diese müssen in enger ärztlicher Absprache mit großer Disziplin eingenommen werden. Akute Verschlechterungen des Zustandes rühren oft daher, dass Patienten wegen empfundener Nebenwirkungen die empfohlenen Medikamente absetzen. Die Mitarbeit der Betroffenen ist bei der Behandlung der Herzschwäche also besonders wichtig.

Hoffnungen verbinden sich mit einem neuen Wirkstoff bei der Therapie der Herzschwäche: Sacubitril. Studien haben gezeigt, dass damit behandelte Patienten deutlich länger lebten. Allerdings kommt das Medikament, auch aufgrund seiner Nebenwirkungen, längst nicht für jeden in Frage. Arzt und Patient müssen sorgfältig prüfen, ob jemand tatsächlich von dem Mittel profitiert.

Ist bei Herzschwäche Schonung angezeigt?

Im Gegenteil! Zwar haben Ärzte bei Herzschwäche lange Jahre absolute Schonung verordnet. Doch davon ist die Medizin inzwischen komplett abgerückt. Wichtig – für das Training sollten Übungen ausgewählt werden, die keinen großen Kraftaufwand verlangen. Die Durchblutungssituation im Körper verbessert sich, das Herz wird entlastet und gestärkt. Unbedingt jedoch vorher mit dem Arzt sprechen!

Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2017, 10:42 Uhr