Drei verkleidete Frauen mit Hexenmasken
Bildrechte: IMAGO

Hauptsache Gesund | 15.06.2017 | 21:00 Uhr Hexenschuss: Schmerzhaft, aber meist harmlos

Der Hexenschuss gehört zu den häufigsten Rückenbeschwerden. Oft kommt plötzlich und tut höllisch weh. So schmerzhaft der Hexenschuss auch sein kann: Meist ist er harmlos und verschwindet nach wenigen Tagen wieder.

von Beate Splett

Drei verkleidete Frauen mit Hexenmasken
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Was ist ein Hexenschuss?

Der Hexenschuss, medizinisch Lumbago, ist keine Krankheit, sondern nur ein Symptom, das verschiedene Krankheitsbilder umfasst. Fast jeder Mensch wird einmal im Leben von der "Hexe geschossen", meist im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Hinter den heftigen, stechenden Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule am unteren Rücken können ein Bandscheibenvorfall, eine Einengung des Wirbelkanals, eine Reizung der Spinalnerven oder stark verspannte Rückenmuskeln stecken.

Auch die Auslöser der starken Beschwerden können verschieden sein: Meist sind es ruckartige Bewegungen wie Bücken oder schnelles Aufstehen, zum Beispiel aus dem Bett, aber auch Fehlbelastungen durch falsches Heben schwerer Lasten. Oft führt der Hexenschuss zu Bewegungseinschränkungen und Schonhaltungen aufgrund stark verspannter Muskeln. Die Anspannung der Muskulatur ist aber ein wichtiger Schutzmechanismus: Sie unterstützt die Wirbelsäule in ihrer Haltefunktion. Dadurch kann zum Beispiel verhindert werden, dass Wirbelkörper oder Bandscheiben verrutschen und Schaden am Rückenmark anrichten.

Woher kommt der Name?

Im Mittelalter kannte man noch keine medizinische Erklärung für den plötzlich auftretenden Schmerz. Man glaubte, es ginge nicht mit rechten Dingen zu und machte überirdische Mächte dafür verantwortlich. Es herrschte die Meinung, Hexen würden mit unsichtbaren Pfeilen auf Menschen schießen und so für die starken Schmerzen verantwortlich sein. Auch wenn die wirklichen Ursachen heute bekannt sind, hat sich der Name im Volksmund bis in unsere Zeit gehalten.

Wie wird man den Hexenschuss wieder los?

Mit einem Hexenschuss muss man nicht sofort zum Arzt gehen. Mit einer kurzzeitigen Schonhaltung, Schmerz- und Wärmebehandlungen bessern sich die Schmerzen oft schon nach nur ein bis zwei Tagen. Halten sie länger an, kann der Hausarzt eine Schmerzspritze geben. Nur in seltenen Fällen ist es nötig, sich einem Orthopäden vorzustellen. Tritt ein Hexenschuss häufiger auf, sollte man die Ursache jedoch abklären lassen.

Die besten Soforthilfe-Maßnahmen bei einem Hexenschuss

Eine Frau liegt rücklings auf dem Boden und lagert ihre Beine auf einem gelben Gymnastikball
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Stufenlagerung
Bei einem akuten Hexenschuss ist es wichtig, die verspannten Muskeln im unteren Rücken so gut wie möglich zu entspannen, damit eine eventuell verrutsche Bandscheibe wieder zurück in ihre richtige Position finden kann. Dazu mit dem Rücken auf den Fußboden oder das Sofa legen und die Beine im rechten Winkel auf einem Stuhl, Hocker oder der Lehne des Sofas ablegen. Die Unterschenkel sollten dabei möglichst komplett aufliegen, um die Wirbelsäule zu entlasten und Druck und Gewicht vom unteren Rücken zu nehmen.

Schmerztherapie
Schmerztabletten: Die meisten Menschen, die die Hexe schmerzhaft erwischt hat, suchen zuerst Rat in einer Apotheke. Beim Griff zur Tablette sind am besten Wirkstoffe geeignet, die den Schmerz unterdrücken, entzündungshemmend wirken und die Muskulatur entspannen – zum Beispiel das Antirheumatikum Ibuprofen. Doch Vorsicht: Die Einnahme kann über eine längere Zeit Nebenwirkungen haben und zum Beispiel zu Magengeschwüren führen.

Akupunktur: Dass Akupunktur gegen Rückenschmerzen helfen kann, hat eine großangelegte Studie deutscher Wissenschaftler bereits vor zehn Jahren bewiesen. Der Therapeut sticht Nadeln in den schmerzenden Bereich – aber auch in entfernte Punkte. Das beeinflusst die Energieströme im Körper, lindert die Schmerzen und beruhigt die angespannten Muskeln.  

Apitherapie: Als Alternative zu Schmerzspritzen bietet sich die heilende Kraft der Bienen an. Dass ihr Gift gegen Gliederschmerzen hilft, wurde schon vor mehr als 150 Jahren entdeckt. Daraus entwickelte sich die sogenannte Apitherapie: Bienengift wirkt entzündungs-hemmend, schmerzstillend und stärkt außerdem das Immunsystem. Besonders angenehm ist diese Behandlungsart jedoch nicht, denn es wird mit lebenden Bienen gearbeitet, die zum Stechen animiert werden.

Eine Frau liegt bäuchlings mit einer Wärmflasche auf dem Rücken auf einem Bett
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Wärmebehandlung
Auch Wärme ist ein gutes Mittel zur Behandlung eines Hexenschusses. Sie fördert die Durchblutung und lockert so die verspannte Muskulatur. Wer es nicht in die heiße Wanne oder unter die Dusche schafft, dem helfen Wärmepflaster, Wärmepacks, Heizkissen oder die Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe. Auch Heilschlamm, eine sogenannte Fangopackung, kann die Beschwerden lindern. Dazu wird der Fango-Schlamm auf 50 Grad erhitzt und als Umschlag, Packung oder Bad angewendet.

Viele Wärmesalben oder -pflaster enthalten den Wirkstoff Capsaicin. Dabei handelt es sich um ein Alkaloid aus scharfen Paprika- oder Chilischoten. Der Schärfe- und Hitzereiz regt die Durchblutung an, wird aber nicht von jedem gut vertragen, da er auf der Haut stark brennen kann. Eine gute Alternative ist ein Kartoffelwickel. Dazu Kartoffeln kochen, mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken und den heißen Kartoffelbrei in ein Tuch wickeln. Als Wärmeauflage auf den Rücken legen, bis sie abgekühlt ist.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 15.06.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2017, 22:43 Uhr

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