Elektroden auf dem Rücken einer Frau
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Hauptsache Gesund | 23.03.2017 | 21:00 Uhr Hüftbeschwerden: Therapien ohne Skalpell

Hüftschmerzen werden oft mit Arthrose gleichgesetzt. Die Ursachen dafür liegen manchmal jedoch ganz woanders: Bei den Muskeln und Sehnen rund um die Hüfte, manchmal machen Narben oder die Schleimbeutel Probleme. Welche Therapien helfen dann, auch ohne Operation wieder schmerzfrei zu werden?

Elektroden auf dem Rücken einer Frau
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In Deutschland wird zu viel operiert, kritisieren Experten immer wieder. Besonders Hüftoperationen stehen im Fokus, denn in kaum einem anderen europäischen Land liegt die Zahl dieser Operationen so hoch wie bei uns. Doch was kann man tun, um seine Hüften möglichst lange schmerzfrei zu halten? Den besten Behandlungserfolg erreicht man, wenn man das Problem von mehreren Seiten gleichzeitig angeht.

Wärme- und Kälteanwendungen

Bei Muskelverspannungen im Hüftbereich lindern ein Heizkissen, Moorpackungen oder wärmende Salben die Schmerzen. Allerdings empfindet nicht jeder Patient Wärmeanwendungen als hilfreich. Kommt es durch eine Arthrose zu einer Entzündung im Gelenk, bringen eher Kälteanwendungen Besserung.

Ernährung

Auf einem Tisch steht ein Teller, auf dem Scheiben aus verschiedenen Früchten übereinandergestapelt wurden.
Eine ausgewogene Ernährung hilft, Gewichtprobleme in den Griff zu bekommen. Denn jedes Kilo zuviel belastet die Gelenke. Bildrechte: IMAGO

Du bist, was du isst, sagt der Volksmund. Auch für Patienten mit Hüftschmerzen spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle. Zum einen belastet jedes Kilogramm zu viel die Gelenke und verstärkt die Schmerzen. Zum anderen kann eine einseitige Ernährung mit viel Fleisch und Fett Entzündungsprozesse im Körper beschleunigen. Die meisten Krankenkassen unterstützen ihre Mitglieder beim Besuch eines Ernährungsberaters oder Kurses.

Krankengymnastik

Eine Frau trainiert auf einer Matte.
Mit Krankengymnastik lassen sich Fehlhaltungen korrigieren und die Beweglichkeit fürdern. Bildrechte: IMAGO

Mit physiotherapeutischen Übungen kann der Verlauf einer Hüftarthrose positiv beeinflusst und die Schmerzen gelindert werden. Regelmäßige krankengymnastische Übungen korrigieren Fehlhaltungen, verbessern die Beweglichkeit der Gelenke und fördern den Muskelaufbau. Nachdem die Übungen einige Zeit unter Aufsicht des Physiotherapeuten durchgeführt wurden, kann der Patient diese auch zu Hause allein weiter üben. Krankengymnastik verschreibt der Arzt auf Rezept, der Patient muss eine kleine Zuzahlung leisten.

Physikalische Therapien

Elektroden auf dem Rücken einer Frau
Die TENS-Therapie lindert Schmerzen. Bildrechte: IMAGO

Besonders in der akuten Schmerzphase zählen physikalische Therapien zu den Behandlungsbausteinen einer umfassenden Schmerztherapie. Ein bekanntes Verfahren ist die TENS-Therapie, die Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation. Dabei werden am Hüftgelenk über aufgeklebte Elektroden niederfrequente Ströme verabreicht. Sie wirken auf die schmerzleitenden Nerven und führen zu einer Schmerzlinderung. Auch eine Behandlung mit Ultraschall kann hilfreich sein.

Bewegung

Elvis Presley in Hüftschwung-Pose
Um die Hüften zu trainieren, kann man es Elvis nachmachen. Aber auch einfachere Bewegungsabläufe tun den Gelenken gut. Bildrechte: IMAGO

Spazieren, Schwimmen, Gymnastik: Jede Art von Bewegung fördert die Durchblutung der gelenkumgebenden Muskeln und die Ernährung des Knorpels. Bewegung ist so etwas wie das natürlichste Medikament für gesunde Gelenke. Schonung dagegen ist Gift. Studien haben gezeigt, dass die Muskeln auch im höheren Alter noch aufgebaut werden können – vorausgesetzt man trainiert regelmäßig. In einigen Städten gibt es sogar spezielle Hüftsportgruppen.

Orthopädische Einlagen

Prüfen Sie Ihr Schuhwerk. Sind die Absätze einseitig abgetreten? Dann weg damit, denn Fehlhaltungen können sich bis in die Hüfte ziehen. Bei Fehlstellungen in den Füßen ist es sinnvoll, sich Einlagen oder gegebenenfalls orthopädische Schuhe verschreiben zu lassen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.

Schon gewusst? Die Hüftgelenke sind nach den Knien die zweitgrößten Gelenke unseres Körpers. Es ist schier unglaublich, was ein Hüftgelenk an Gewicht, Stößen und drehenden Bewegungen aushalten muss. Ein Mensch, der sich viel bewegt, läuft mehrere Millionen Schritte im Jahr. Selbst Bewegungsmuffel kommen noch auf einige Hunderttausend. Bei jedem Schritt sind unsere Hüftgelenke im Spiel. Sie sichern die Beweglichkeit der Beine und fangen jedes Mal Belastungen ab, die zum Teil einem Mehrfachen des Körpergewichts entsprechen.

Traditionelle Chinesische Medizin

Auf dem Rücken einer Frau werden Akupunkturnadeln gesetzt
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Die Heilkunst aus Fernost bietet verschiedene Möglichkeiten gegen Hüftschmerzen. Sie betrachtet eine Erkrankung nicht isoliert, sondern mit Blick auf den ganzen Körper und die Lebensumstände eines Patienten. Die Palette der Therapien ist groß und wird je nach individueller Diagnose eingesetzt. Spezielle Massagetechniken wie die Tuina-Massage helfen bei muskulären Problemen. Atem- und Bewegungsübungen wie Qi Gong und Tai Chi bringen Entspannung. Akupunktur und Moxibustion gleichen nach der chinesischen Lehre einen gestörten Energiefluss im Körper wieder aus. Zentren für Traditionelle Chinesische Medizin gibt es mittlerweile in allen größeren Städten. Die meisten Behandlungen müssen die Patienten allerdings selbst zahlen.

Osteopathie

Ostheopathische Behandlung
Bei der Osteopatie werden Verspannungen, Blockaden oder Dysbalancen aufgespürt und gelöst. Bildrechte: IMAGO

Osteopathische Behandlungen gehören zum Bereich der manuellen Therapie. Nach eingehender Befragung über den "medizinischen" Lebenslauf des Patienten (frühere Verletzungen, Stürze, Operation usw.) beginnt der Osteopath mit der Therapie, die mit den Händen erfolgt. Er spürt Verspannungen, Blockaden oder Dysbalancen auf und löst sie durch spezielle Handgriffe. Grundlage der Osteopathie ist wie in der klassischen Medizin eine präzise Kenntnis von Anatomie und Physiologie. Viele Krankenkassen bezuschussen mittlerweile einen Teil der osteopathischen Behandlung. Eine Therapeutenliste findet man auf der Internetseite des Verbands der Osteopathen Deutschland e.V.

Medikamente

Drei weiße Tabletten liegen neben einem Glas Wasser, in dem eine weitere Tablette aufgelöst wird
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Bei starken Schmerzengeht es oft nicht ohne Medikamente. Sie ermöglichen, dass der Patient trotz Schmerzen in Bewegung bleiben kann. Es gibt verschiedene Gruppen von Medikamenten, die der Arzt entsprechend der genauen Diagnose verschreiben wird. Manche Schmerzmittel wie Opioide wirken ausschließlich schmerzlindernd. Sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) helfen auch, die Entzündungsreaktion im Gelenk zu hemmen.

Gefährliche Nebenwirkungen von freiverkäuflichen Schmerzmitteln

Paracetamol
Paracetamol Paracetamol kann lebensgefährliche Nebenwirkungen wie Leberversagen und Bluthochdruck haben. Das ist inzwischen weitgehend bekannt und aus diesem Grund wurden die Packungsgrößen begrenzt. Bildrechte: IMAGO
Paracetamol
Paracetamol Paracetamol kann lebensgefährliche Nebenwirkungen wie Leberversagen und Bluthochdruck haben. Das ist inzwischen weitgehend bekannt und aus diesem Grund wurden die Packungsgrößen begrenzt. Bildrechte: IMAGO
Aspirin plus C Brausetablette Brausetabletten Packung quer ASS-ratiopharm 500, 2002
Acetylsalicylsäure (ASS) Dieses Mittel wirkt blutverdünnend und kann unter anderem Magen-Darm-Blutungen, Hirnblutungen, Atemnot und Nierenversagen als unerwünschte Nebenwirkungen nach sich ziehen. Herzpatienten erhalten das Mittel oft in geringer Dosierung, um das Risiko eines Infarkts zu verringern. Die bei Schmerzen eingenommene Dosis ist jedoch deutlich größer. Bildrechte: IMAGO
Tabletten Ibuprofen USP, 200 mg der Marke Kirkland
Ibuprofen Als mögliche Nebenwirkungen können bei diesem Mittel zum Beispiel Asthma-Anfälle, Nierenversagen sowie Herzinfarkt auftreten. Außerdem besteht das Risiko eines Magen-Darm-Durchbruchs. Bildrechte: IMAGO
Diclofenac
Diclofenac Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, aber auch zu Magen-Darm-Blutungen und Nieren- und Leberversagen, Herzinfarkt oder Schlaganfall zählen zu den lebensbedrohlichen Nebenwirkungen, die mit diesem Wirkstoff auftreten können. Bildrechte: IMAGO
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Zuletzt aktualisiert: 24. März 2017, 09:33 Uhr

Röntgenbild einer Hüfte mit künstlichem Gelenk
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Ein Frau steht an einem Teich
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Sportgruppe
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