Computeranimation zeigt Abwehrzellen, die einen Virus attakieren
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Hauptsache Gesund | 16.03.2017 | 21:00 Uhr Hilfe, mein Immunsystem spinnt!

Müde, schlapp, antriebslos? Dahinter kann eine geschwächte Immunabwehr stecken. Unser Immunsystem verteidigt uns gegen Krankheitserreger und Keime wie Viren, Bakterien oder Pilze. Spezielle Abwehrzellen erkennen "Feinde" und bekämpfen sie. So sind wir vor Infektionen geschützt. Doch manchmal gerät das Immunsystem außer Kontrolle. Die Folge können dann Allergien oder Autoimmunerkrankungen sein.

Computeranimation zeigt Abwehrzellen, die einen Virus attakieren
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Das hilft dem Immunsystem

Ausreichend Schlaf
Wenn wir dauerhaft müde sind und zu wenig schlafen, funktioniert unser Immunsystem nur auf Sparflamme. Viren und Bakterien haben ein leichtes Spiel, wir sind anfälliger für Infektionen.

Eine junge blonde Frau in Sportkleidung und mit Kopfhörern steht mit einer Getränkeflasche in der Hand an einem Strand
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Körperliche Fitness
Bewegung bringt unsere Abwehrzellen und wichtige Botenstoffe auf Trab. Es fördert die Durchblutung und regt Herz und Kreislauf an. Das trainiert auch unsere körpereigenen Abwehrsysteme.

Regelmäßig entspannen
Auch andauernder Stress kann die Immunabwehr lahm legen. Schuld daran ist das Stresshormon Cortisol. Ist es ständig erhöht, sind wir anfälliger für Krankheiten. Deshalb sollte man immer mal eine Auszeit nehmen.

Küssen im Feld
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Küssen erlaubt!
Je mehr Erreger unser Immunsystem kennenlernt, umso besser kann es sie erkennen und bekämpfen. Und weil beim Küssen bekanntlich einiges übertragen wird, ist es auch ein gutes Training für unser Abwehrsystem. Das Gleiche gilt, wenn Kinder im Schmutz spielen. Weil sie dabei ebenfalls mit Keimen in Kontakt kommen, wird die Abwehr frischgehalten.

Bitte lachen!
Auch Lachen stimuliert das Immunsystem, weil dabei Botenstoffe und Antikörper aktiviert werden. Außerdem wirkt das Lachen entspannend auf unser Nervensystem.

Wenn der Körper sich selbst bekämpft

Bei sogenannten Autoimmunerkrankungen richten sich die Abwehrzellen fälschlicherweise gegen körpereigene Zellen. Überaktive Killerzellen zerstören Gewebe und lösen Entzündungen aus. Obwohl intensiv daran geforscht wird, ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt, warum das Immunsystem manchmal "überschießt". Mediziner vermuten Risikofaktoren wie eine genetische Veranlagung, Umwelteinflüsse oder auch Stress. Ca. 60 verschiedene Krankheitsbilder können sich dahinter verbergen. Wegen der unterschiedlichen Symptome werden die Erkrankungen häufig erst sehr spät oder auch gar nicht erkannt. Es können Gelenke, aber auch Organe oder das Nervensystem davon betroffen sein.

Patientengeschichte

Bei Sibylle Nowak fing es ganz harmlos mit einem verspannten Nacken an. Sie bekommt Physiotherapie, doch die Schmerzen werden immer schlimmer. Die 64-Jährige fühlt sich abgeschlagen, ihr ganzes Immunsystem liegt am Boden. Es beginnt eine Ärzte-Odyssee, die viele Monate dauern wird. Mehrfach durchläuft Sibylle Nowak fast alles, was die moderne Diagnostik zu bieten hat: Sie geht zu MRT und CT, zur Magenspiegelung, auch eine Darmspiegelung bleibt ihr nicht erspart. Selbst nach Herzuntersuchung und Bauch-Ultraschall findet niemand heraus, was ihr fehlt. Wegen ihrer starken Schmerzen kann sie bald die Arme kaum noch heben, auch das Bücken fällt ihr schwer.

Drei weiße Tabletten liegen neben einem Glas Wasser, in dem eine weitere Tablette aufgelöst wird
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Dann endlich untersucht ein Arzt ihr Blut und findet einen entscheidenden Hinweis: Die Entzündungswerte von Sybille Nowak sind stark erhöht. Nach eineinhalb Jahren voll schmerzhafter Ungewissheit wird sie schließlich Patientin von Professor Christoph Baerwald in der Uniklinik Leipzig. Der erfahrene Rheumatologe findet bald die Ursache für die Beschwerden: Die Patientin leidet unter einer Vaskulitis, einer Gefäßentzündung. Sie gehört zu den entzündlich rheumatischen Erkrankungen. Sibylle Nowak bekommt ein Medikament mit dem Wirkstoff Prednisolon. Schon die erste Tablette hilft und verschafft ihr Linderung. Zwei Jahre ist das inzwischen her, Schmerzen hat sie keine mehr. Und auch ihre Entzündungswerte sind wieder im gesunden Bereich, ihr Immunsystem ist wieder intakt. Heute kann sie ihr Leben wieder in vollen Zügen genießen.

Immundefekt Wenn die Körperabwehr Krankheitserregern gegenüber nur eingeschränkt oder gar nicht funktioniert, spricht man von einem Immundefekt. Dann ist der Körper nicht in der Lage, sich zu verteidigen. Meist sind wichtige Abwehrzellen zerstört, wie bei der Viruserkrankung Aids.

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2017, 13:11 Uhr