Eine öffentliche Toilette.
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Hauptsache Gesund | 16.02.2017 | 21:00 Uhr Hilfe bei Blasenschwäche

Eine öffentliche Toilette.
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800 Milliliter kann eine gefüllte Blase halten, das ist ein bisschen mehr als eine Flasche Wein. Wann Menschen allerdings den Drang verspüren, auf die Toilette zu gehen, ist individuell höchst unterschiedlich. Manchmal reichen schon 300 bis 400 Milliliter, manchmal sind es auch mehr. Unangenehm wird es aber, wenn die Kontrolle über den Toilettengang abhanden kommt, und man ungewollt regelmäßig ein paar Tröpfchen Urin verliert.

Das ist schambesetzt und kann das Sozialleben belasten. Aus Angst vor unangenehmen Gerüchen ziehen sich die Betroffenen völlig aus dem Alltag zurück. Sie trauen sich nicht mehr ins Theater oder ins Kino - aus Sorge beim nächsten Schritt, beim nächsten Husten oder Lachen wieder ungewollt Urin zu verlieren. Inkontinenz ist ein großes Tabuthema, über das weder Ärzte noch Patienten gern reden. Dabei gibt es mittlerweile bewährte Hilfsmittel. Nach einem kleinen Eingriff können die Patienten ihr Leben wieder genießen. So unterschiedlich die Ursachen der Inkontinenz bei Männern und Frauen sind, so unterschiedlich sind auch die verfügbaren Hilfsmittel.

Eine Urologin erklärt einem Patienten die Funktionsweise eines Kondom-Urinals.
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Implantate für den Mann

Die große Mehrheit der Männer leidet aufgrund einer Prostataoperation unter Inkontinenz. Wird die Prostata entfernt, entsteht gewissermaßen eine Leerstelle. Dadurch kann es zu einer Verlagerung des Schließmuskels kommen, mit der Folge, dass fortan Urin aus der Blase tröpfelt.

Das Band für den Mann

Ein Band kann hier implantiert weden. Es wird um den Harnleiter gelegt und hält den Schließmuskel in seiner ursprünglichen Position. Dieses Band ist für Männer mit einer leichten bis mittleren Inkontinenz geeignet, bei denen der Schließmuskel noch intakt ist.

Das ATOMS-Modell

Ist auch der Schließmuskel selbst betroffen, hilft das sogennnte ATOMS-Modell. Ein einstellbares Kissen unterhalb der Harnröhre erzeugt durch Kompressionsdruck einen künstlichen Verschluss der Harnröhre. Durch einen kleinen Zugang kann der Sitz des Kissens auch nach der Operation optimal angepasst werden, indem nach Bedarf eine Kochsalzlösung eingefüllt wird. Darüber lässt sich der Blasendruck regulieren. Ein möglicher Nachteil ist, manche Männer spüren das Kissen im Sitzen.

Der künstliche Schließmuskel

Bei einer ausgeprägten Inkontinenz mit erheblicher Einschränkung der Schließmuskelfunktion hilft ein künstlicher Schließmuskel aus Silikon. Davon gibt es verschiedene Modelle, welche oft aus mehreren Komponenten bestehen: einem Reservoirballon, einer Pumpe und einer Manschette. Die Manschette wird um die Harnröhre gelegt, die Pumpe kommt in den Hodensack. Der Anwender kann zum Wasserlassen die Manschette lockern oder den Druck erhöhen, um den Urinfluss zu stoppen.

Hinweis Alle drei Modelle für den Mann arbeiten über Druckausgleich, daher brauchen sie keine Batterie und sind quasi wartungsfrei.

Hilfsmittel für die Frau

Bei Frauen liegt die Ursache für eine Inkontinenz fast immer in einer Veränderung des Beckenbodens durch Schwangerschaften, Geburten, Alter oder Übergewicht. Künstliche Schließmuskelsysteme für Frauen haben daher einen anderen Ansatzpunkt. Sie dienen der Stabilisierung des vorderen Scheidengewölbes - und zwar mithilfe eines ähnlichen Bandes wie beim Mann.

Wärmestab statt Operation

Neu ist ein Wärmestab, der durch eine Erwärmung auf 42 bis 45 Grad das Scheidengewebe strafft. Der Leipziger Gynäkologe Dr. Marwan Nuwahid wendet den Stab bei einer leichten Harninkontinenz bereits mit. Der große Vorteil: Eine Operation wie beim Band ist nicht nötig. Die Wärme wird durch Radiofrequenzwellen erzeugt. Sie dringen maximal vier Millimeter ins Gewebe ein, erwärmen es und verursachen kleine Entzündungen. Dies regt die Produktion von  Kollagen an, einem natürlichen Bestandteil des Bindegewebes,  der dafür sorgt, dass das Scheidengewebe wieder elastischer und straffer wird.  Die Wirkung setzt sofort ein. Allerdings müssen Frauen die Behandlung selbst bezahlen. Eine Behandlung kostet etwa 800 Euro, drei sind erforderlich. Die Wirkung hält ungefähr ein Jahr, danach müssen die Behandlungen wiederholt werden.

Beckenbodentraining gegen Inkontinenz

Neben den verschiedenen Hilfsmitteln ist bei Inkontinenz gezieltes Beckenbodentraining sehr wirksam. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Hausarzt oder Urologen nach entsprechenden Trainingsgruppen in Ihrer Nähe, denn je öfter man trainiert, desto nachhaltiger ist der Erfolg. Viele Übungen kann man auch zu Hause machen.

Für den Anfang eine ganz einfache aber sehr effektive Übung: Versuchen Sie beim Wasser lassen, den Urinstrahl zu stoppen. Halten Sie den Strahl ein paar Sekunden an. Danach leeren Sie die Blase wie gewohnt. Anfangs mag die Übung schwer erscheinen, doch je öfter man übt, desto besser werden die Muskeln trainiert.

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2017, 12:25 Uhr