Hauptsache Gesund | 02.02.2017 | 21:00 Uhr Knochen: Vorsicht Bruchgefahr!

Unsere Knochen sind ein wahres Wunderwerk der Natur. Sie sind kompakt, vergleichsweise leicht und doch extrem stabil. Stabiler als Stahl sogar. Wissenschaftler an der Berliner Charité haben den Vergleich gemacht. Sie wollten wissen, wie viel Druck Holz, Stahl und Knochen aus halten? Das Ergebnis verblüfft: Erwartungsgemäß brach zuerst das Holz, nämlich bei 224 Kilogramm Druck und das Stahlrohr bei 255 Kilogramm. Der Knochen aber hielt unglaubliche 624 Kilogramm Druck aus.

Warum brechen Knochen?

Eine junge Frau sitzt mit einem Gipsbein neben ihren Krücken auf einer Freitreppe.
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Trotzdem brechen sich Menschen immer wieder die Knochen. Warum? Es kommt darauf an, welche Kräfte auf den Knochen wirken und welcher Knochen bricht. Während beim Experiment der Berliner Forscher die reine Druckkraft gemessen wurde, wirken bei einem Sturz verschiedene Kräfte auf den Knochen, nämlich Druck-, Zug- und Biegekräfte gleichermaßen. Besonders häufig brechen Oberschenkelhals- und Unterarmknochen – aus unterschiedlichen Gründen. Während beim Oberschenkelhalsknochen die Anatomie eine Rolle spielt, ist es beim Unterarmknochen ein Schutzmechanismus. Bei jedem Sturz versucht der Mensch automatisch seinen Kopf vor einem Aufprall zu schützen. Das macht er, indem er sich mit den Händen abstützt. Sie dienen quasi als Puffer und durch die volle, ungebremste Wucht des Aufpralls bricht der Unterarm.

Eine Computergrafik zeigt die Hüften eines Menschen.
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Beim Oberschenkel wiederum ist die Form des Knochens schuld. Er sieht aus wie ein "r". Bildlich ist der kleine Haken des Buchstabens am Hüftgelenk eingeklinkt. Genau auf diese Stelle wirken bei einem Sturz die extremsten Kräfte, der Haken bricht ab – ein Oberschenkelhalsbruch.

Andererseits ist auch die Qualität der Knochen wichtig. Je älter wir werden, desto poröser wird auch der Knochen. Allerdings spielen bei besonders brüchigen Knochen oft auch genetische Faktoren eine Rolle.

Wie brechen Knochen? – die wichtigsten Brucharten

geschlossene bzw. offene Fraktur: Der offene Bruch reicht vom Durchstechen der Haut bis zu ausgedehnten Wunden mit Knochenzertrümmerung und Schäden von Nerven und Blutgefäßen.

Quer-, Längs- oder Schrägfraktur: Hier erfolgt die Einteilung gemäß der Bruchachse

Spiralfraktur: Der Bruch ist durch eine Drehung des Knochens entstanden.

Ermüdungsfraktur:Sie entsteht durch Dauerbelastung eines Knochens. Die Diagnostik ist zum Teil schwierig. Beim Mittelfußknochen wird auch von einer "Marschfraktur" gesprochen.

Grünholzfraktur: Es handelt sich um einen "unvollständigen" Knochenbruch: Der Knochen verbiegt sich, die umhüllende Knochenhaut bleibt erhalten. Besonders häufig bei Kindern.

Was passiert nach einem Knochenbruch?

Brechen wir uns einen Knochen, kommt in unserem Körper sofort ein Reparaturmechanismus in Gang. Blut und Gewebeflüssigkeit bauen ein filigranes Gerüst, welches sich allmählich stabilisiert und eine Art Weichknochen bildet.

Ein älterer Mann sitzt mit einem Gipsarm im Wartebereich eines Krankenhauses.
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Kurz darauf werden Reparaturzellen aktiviert, sogenannte Osteoblasten. Diese transportieren wichtige Nähr- und Aufbaustoffe zum weichen Knochen, der sich daraufhin allmählich verfestigt und stabilisiert. Allerdings bilden die Osteoblasten eine sehr dicke Schicht, sodass der Knochen förmlich wuchert. Daher kommen andere Reparaturzellen ins Spiel, die sogenannten Osteoklasten, welche die Wucherungen wieder beseitigen. Durch diesen permanenten Ab- und Aufbau gerät der Knochen allmählich wieder in seine ursprüngliche Form. Allerdings kann es passieren, dass er schief zusammenwächst. Dies ist auch der Grund, warum manch gebrochener Knochen ein zweites Mal gebrochen werden muss, damit er dann gerade zusammenwächst.

Gutes für den Knochen

Eine kalzium-, vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung fördert die Festigkeit des Knochens. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt beispielsweise 1.000 Milligramm Kalzium pro Tag für Erwachsene. Das entspricht 150 Millilitern fettarmer Milch oder einem 150-Gramm-Becher Quark, zwei Scheiben Käse oder einer Portion Brokkoli. Verteilt über den Tag gegessen wird die Wirkung gesteigert.

Unter den Vitaminen sind besonders Vitamin D und K für die Knochen wichtig. Während Vitamin D durch das Sonnenlicht von unserem Körper selbst gebildet wird, kann man Vitamin K durch eine gezielte Ernährung beeinflussen. Kohl- und grünes Blattgemüse enthalten besonders viel davon. Spinat beispielsweise ist ein guter Vitamin-K-Spender.

Gerade ältere Menschen sollten regelmäßig ihren Vitamin-D-Spiegel überprüfen lassen. Gerade im Winter sollte eine zusätzliche Einnahme von Vitamin D in Tablettenform mit dem Hausarzt abgeklärt werden. Regelmäßige Bewegung tut dem Knochen gut. Gezieltes Krafttraining ist dabei wirkungsvoller als Ausdauersport.

Kurioses: Warum nicht alle die gleiche Anzahl Knochen haben Wie viele Knochen hat der Mensch? Ungefähr 206. Ungefähr? Ein Neugeborenes kommt mit knapp 300 Knochen auf die Welt. Woran das liegt? Im Laufe des Lebens wachsen bestimmte Knochen zusammen. Aus zwei Knochen wird dann einer. Da aber nicht immer gleich viele Knochen zusammenwachsen, ist selbst beim Erwachsenen Menschen die Anzahl der Knochen unterschiedlich.

Bei Glätte: Gehen Sie wie ein Pinguin!

Was schützt vor Knochenbrüchen? Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) empfiehlt, es den Pinguinen nachzumachen. Diese gehen leicht nach vorn gebeugt. Das sorgt für Stabilität. Parallel setzen ihre Füße ganz auf dem Boden auf und zeigen leicht nach außen.

Eine Grafik zeigt richtiges und falsches Bewegen bei Glätte und rät zum sogenannten
Bildrechte: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)

Fünf Tipps der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) für einen sicheren Gang im Winter

Ein Mann rutsch auf Glatteis aus.
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  1. Halt suchen: Mit einer Person eingehakt gehen oder sich an der Häuserwand bzw. einem Geländer entlang tasten.
  2. Im Winter nur Schuhe mit Profil tragen: Wer im Arbeitsleben elegante Schuhe tragen muss, sollte diese am besten erst im Büro wechseln.
  3. Schuh-Spikes tragen: Durch die Nutzung von Spikes lässt sich auch normales Schuhwerk wintertauglich machen. Die Spikes, auch als Anti-Rutsch-Sohlen bezeichnet, lassen sich schnell und unkompliziert am Schuh befestigen und schützen so vor dem Ausrutschen.
  4. Fahrrad stehen lassen: Das Fahrrad sollte im Winter keine Saison haben. Da es keine Winterreifen besitzt, rutschen die Räder beim Bremsen auf Schnee und bei Glätte schnell zur Seite weg – eine hohe Unfallgefahr.
  5. Für gangunsichere ältere Menschen: Keine unnötigen Gefahren eingehen und bei starker Glätte möglichst zu Hause bleiben.

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2017, 22:19 Uhr

Experte im Studio

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Prof. Dr. med. Felix Bonnaire,
Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Städtisches Klinikum Dresden-Friedrichstadt