Eine Frau liegt mit Kopfschmerzen auf einer Couch
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Hauptsache Gesund | 01.12.2016 | 21:00 Uhr Was hilft gegen Kopfschmerz und Migräne?

Millionen Deutsche plagen sich täglich mit Kopfschmerzen. Die Beschwerden können schmerzhaft und trotzdem harmlos, aber auch Zeichen einer ernsten Erkrankung sein. Von chronischen Kopfschmerzen spricht man erst, wenn sie Beschwerden im Durchschnitt innerhalb eines Vierteljahres an mehr als 15 Tagen im Monat jeweils für mindestens vier Stunden bestehen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Eine Frau liegt mit Kopfschmerzen auf einer Couch
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Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz!

Es gibt mehr als 200 verschiedene Arten dieses Beschwerdebildes. Doch etwa 90 Prozent der Betroffenen leiden entweder unter dem sogenannten Spannungskopfschmerz, dem selteneren Clusterkopfschmerz oder unter Migräne. Aber was macht hier den Unterschied aus? Spannungskopfschmerz kann nur eine halbe Stunde anhalten, aber auch bis zu einer Woche andauern. Er fühlt sich dumpf an und baut sich allmählich auf. Die Betroffenen haben das Gefühl, mit dem Kopf in einem Schraubstock zu stecken oder einen viel zu engen Helm zu tragen. Clusterkopfschmerz hingegen ist eher eine zeitlich begrenzte Schmerzattacke von maximal drei Stunden. Er tritt plötzlich mit sehr hoher Intensität auf, ist auf eine Kopfseite beschränkt und wird von Patienten oft mit spitzen Messerstichen verglichen.

Eine 3D-Grafik stellt Aktivitäten im menschlichen Kopf dar.
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Typischerweise liegt das Schmerzzentrum hinter einem Auge. Bei Migräne kommt neben bis zu zwei Tagen anhaltendem mitunter heftigem Kopfschmerz noch eine Reihe von Begleitsymptomen dazu. Die Betroffenen können sehr lichtempfindlich sein, starke Übelkeit empfinden, unter Sehstörungen, Schwindel und vielem mehr leiden. Neben diesen sogenannten primären Kopfschmerzen gibt es noch eine Vielzahl von Kopfschmerzen, die durch Erkrankungen oder Verletzungen ausgelöst werden. Häufig gehen Infekte, Durchblutungsstörungen, aber auch Probleme mit der Halswirbelsäule mit Kopfschmerzen einher. Ein Hirntumor oder ein drohender Schlaganfall können ebenfalls mit Kopfschmerzen einhergehen.

Häufig übersehen: neuropathischer Kopfschmerz

Eine Form, die erst seit einiger Zeit wirklich ernst genommen wird, ist der neuropathische Kopfschmerz. Ursache kann ein lang zurückliegender Unfall sein. Durch den Unfall verletzte, sehr reizbare Nervenfasern schieben dabei die Migräneattacken an.  Um der Ursache unerklärlicher Kopfschmerzen auf die Spur zu kommen, ist eine NONPain-Unit die richtig Anlaufstelle:  eine Station, wo Experten verschiedener Fachgebiete gezielt Schmerzen bekämpfen.

Was können Auslöser für einen neuropathischen Kopfschmerz sein?

Das muss gar keine schwere Kopfverletzung sein. Schon bei einer leichten Schädelprellung, etwa wenn man mit dem Kopf gegen eine Schrankkante oder den Kofferraumdeckel stößt, kann es zu einer Quetschung von Hautnerven am Schädel kommen. Diese können über Wochen oder Monate eine Überempfindlichkeit entwickeln, die bei manchen Patienten zu Kopfschmerzen führen kann.

Warnzeichen Donnerschlagkopfschmerz Wenn der Schmerz ganz plötzlich und zum ersten Mal regelrecht wie ein Donner in den Kopf einschlägt, dann ist Vorsicht geboten. Der sogenannte Donnerschlagkopfschmerz sollte sofort abgeklärt werden. Möglicherweise ist er die Folge einer Hirnblutung oder eines Schlaganfalls. Weitere Ursachen könnten Verschlüsse von Hirnvenen, stark erhöhter Blutdruck oder eine Hirnhautentzündung sein. Wichtigster Anhaltspunkt ist der schlagartige, explosionsartige Beginn und die meist heftigen Schmerzen. Kommen Begleitsymptome wie plötzliches Schwitzen und Herzklopfen dazu, deutet dies ebenfalls auf ein Hirnproblem hin.

Wann mit Kopfschmerzen zum Arzt?

Kopfschmerz und Schwindel
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Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) gibt zusammen mit anderen Fachgesellschaften hierzu folgenden Rat: Wenn …

  • Kopfschmerzen an mehr als zehn Tagen pro Monat auftreten.
  • Kopfschmerzen mit weiteren Symptomen wie Lähmungen, Gefühls-, Seh-, Gleichgewichtsstörungen, Augentränen oder starkem Schwindel einhergehen.
  • Kopfschmerzen mit psychischen Veränderungen wie Störungen des Kurzzeitgedächtnisses oder Störungen der Orientierung zu Zeit, Ort und Person einhergehen.
  • Kopfschmerzen erstmals im Alter von über 40 Jahren auftreten
  • Kopfschmerzen in ihrer Intensität, Dauer und/oder Lokalisation unüblich sind.
  • Kopfschmerzen erstmals während oder nach körperlicher Anstrengung auftreten und/oder sehr stark sind und in den Nacken ausstrahlen.
  • Kopfschmerzen von hohem Fieber begleitet sind.
  • Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung, zum Beispiel einem Sturz auftreten.
  • Kopfschmerzen trotz Behandlung an Häufigkeit, Stärke und Dauer zunehmen.
  • Kopfschmerzen zusammen mit einem epileptischen Anfall und Bewusstlosigkeit auftreten.
  • Kopfschmerzen nicht mehr auf die bisher wirksamen Medikamente ansprechen.

Hilfe bei Clusterkopfschmerz Clusterkopfschmerz ist zwar nicht heilbar, kann aber in den meisten Fällen medikamentös behandelt werden. Normale Kopfschmerzmittel wirken bei ihm kaum. Die Behandlung gehört in die Hand von Neurologen. Sie haben ein Spektrum an Wirkstoffen zur Verfügung, was fein auf Patient und Beschwerden abgestimmt werden kann. Auch eine dazu parallel verlaufende psychosoziale Therapie hilft vielen Patienten wieder Freude am Alltag zu finden und sich von der Angst vor den Attacken nicht einschüchtern zu lassen. 

Behandlung von Migräne

Der Begriff Migräne stammt aus dem Griechischen und heißt so viel wie „halber Schädel“. Zehn Prozent unserer Bevölkerung, zumeist Frauen, leiden an dieser neurologischen Erkrankung. Die anfallsartigen starken und zumeist einseitigen Kopfschmerzen gehen häufig einher mit Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Bei etwa 15-20 Prozent der Migränepatienten bildet sich neben der Attacke eine sogenannte Aura aus. Sie zeigt sich durch Einschränkungen und Veränderungen des Sehens und des Gesichtsfeldes sowie Störungen des Geruchssinns, des Gleichgewichts oder der Sprache.

weiße und bunte Tabletten und Kapseln
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Migräne ist wie der Spannungskopfschmerz und der Clusterkopfschmerz eine primäre Kopfschmerzerkrankung. Das heißt, sie ist nicht die Folge anderer Erkrankungen wie Hirntumoren, -traumata oder -blutungen oder Entzündungen. Nach Empfehlung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) können zur Akutbehandlung der Migräne Schmerz- und Entzündungsprozesse hemmende Schmerzmittel wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen einerseits und andererseits spezifische Migränetherapeutika aus den Gruppen der Triptane (zum Beispiel Sumatriptan, Naratriptan und Eletriptan) eingesetzt werden. Wer häufig unter Migräne leidet, sollte Dosis und Menge der Medikamente von einem Arzt kontrollieren und optimieren lassen.

Neben den Schmerzmitteln brauchen die Betroffenen Ruhe und Dunkelheit. Etwas Linderung kann auch die Einreibung mit Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen und Autogenes Training verschaffen. Wer häufigen Migräneattacken vorbeugen möchte, erzielt gute Effekte mit Progressiver Muskelentspannung, mit Biofeedback, autogenem Training, leichtem Ausdauersport, Akupunktur und dem Abbau von Übergewicht. Mit dem Arzt kann auch die Einnahme eines Antidepressivums (Amitriptylin) besprochen werden. Studien haben gezeigt, dass der Wirkstoff Migräne vorbeugt.

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2016, 10:47 Uhr