Auf dem Rücken einer Frau werden Akupunkturnadeln gesetzt
Bildrechte: IMAGO

Hauptsache Gesund | 11.05.2017 | 21:00 Uhr Krebs: Was lässt sich dagegen tun?

Diese Frage stellen viele Patienten ihrem Arzt, wenn sie mit der Diagnose Krebs konfrontiert werden. Etwa die Hälfte der Patienten wendet im Laufe ihrer Therapie komplementäre oder alternative Methoden an. Doch wann nützen pflanzliche Wirkstoffe, Akupunktur oder Nahrungsergänzungsmittel? Und wann schaden sie?

von Jana Olsen

Auf dem Rücken einer Frau werden Akupunkturnadeln gesetzt
Bildrechte: IMAGO

Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Seit Jahren steigt nach Angaben des deutschen Krebsregisters die Zahl der Neuerkrankungen. Im Vergleich zu 1970 hat sie sich sogar verdoppelt. Doch es gibt auch gute Nachrichten. Die Lebensqualität der Betroffenen ist stark gestiegen. Und mehr als die Hälfte der Patienten kann heute auf dauerhafte Heilung hoffen.

Frau bei Akupunkturbehandlung
Bildrechte: IMAGO

Ein Grund dafür liegt sicherlich bei immer besseren Therapien, die individueller auf den Patienten abgestimmt werden können. Und was vor einigen Jahren noch undenkbar war: An vielen Kliniken arbeiten mittlerweile Onkologen, Ärzte für Naturheilverfahren und Psychologen Hand in Hand. Doch in der Kombination von schulmedizinischen und naturheilkundlichen Therapien liegen Chance und Gefahr zugleich. "Die komplementäre Medizin hat durchaus das Potential, den Patienten zu helfen", erklärt Professorin Jutta Hübner, Studiogast bei Hauptsache Gesund. "Sie lindern Nebenwirkungen, stärken Körper und Psyche und geben dem Patienten etwas aktiv in die Hand." Die Onkologin beschäftigt sich seit Jahren mit der Problematik und hat derzeit eine Stiftungsprofessur für Integrative Onkologie am Uniklinikum Jena inne. "Für die Wirksamkeit der ergänzenden Mittel oder Methoden gibt es aber oft nur minimale Nachweise", warnt die Expertin. Bei etlichen alternativen Behandlungen ist daher Vorsicht geboten. 

Vorsicht vor Scharlatanen!

So starben im vergangenen Sommer mindestens drei Menschen, nachdem sie bei einem Heilpraktiker im "Biologischen Krebszentrum Bracht" in Nordrhein-Westfalen Infusionen mit einem Mittel erhalten haben, das angeblich das Tumorwachstum hemmen soll. Dessen Wirksamkeit und Verträglichkeit wurde jedoch nicht in Studien untersucht. Laut Staatsanwaltschaft Krefeld dauern die Ermittlungen zu den genauen Umständen bis heute an. "Wir haben in der Onkologie eigentlich gute Zentren und Praxen", sagt Jutta Hübner. "Deswegen sollte man hellhörig werden, wenn etwas außerhalb dieses Systems läuft. Auch wenn das versprochene Mittel alle Krebsarten in jedem Stadium heilen soll, ist Vorsicht geboten." Misstrauisch sollten Patienten auch werden, wenn die angebotene Therapie gar keine Nebenwirkungen haben soll. Und auch bei freiverkäuflichen Mitteln aus dem Internet sollte man wachsam sein. Aprikosenextrakt beispielsweise klingt völlig harmlos, ist es aber nicht. "Es enthält Amygdalin, das ist aus meiner Sicht mit das Gefährlichste, dass wir derzeit haben. Letztlich setzt die Substanz Blausäure frei, man muss davor warnen das einzunehmen", so Professor Hübner.

Nebenwirkungen lindern

Ingver
Bildrechte: Colourbox.com

In Absprache mit dem behandelnden Arzt können ergänzende Therapien jedoch vor allem dazu dienen, Nebenwirkungen zu verringern. So kann etwa Ingwer die Übelkeit bei einer Chemotherapie lindern. Leichter Sport und Bewegung mildern Schwäche und chronische Müdigkeit, das sogenannte Fatigue-Syndrom. Bei Bestrahlung im Gesicht helfen gefrorene Ananasstücke sowie Spülungen mit Kamille gegen unangenehme Entzündungen der Mundschleimhaut. Zudem gibt es gute Belege für die Wirksamkeit von Selen und Vitamin D. "Die ergänzende Therapie muss aber immer auf die schulmedizinische Therapie abgestimmt sein. Vor allem Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Nebenwirkungen müssen bedacht werden, sonst kann eine komplementäre Therapie dem Patienten schaden", betont die Expertin für komplementäre Medizin und Naturheilkunde. Das gilt beispielsweise auch für pflanzliche Wirkstoffe, durch die es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen kann. So können beispielsweise Johanniskraut oder Ginkgo die Wirkung einer Chemotherapie verändern.

Die Macht der Selbstheilungskräfte

Spa- und Wellnessutensilien wie Kerzen, Handtuch, Kräuter etc.
Bildrechte: Colourbox.de

Wenn eine regelmäßige Rücksprache mit dem Arzt erfolgt, dann ist es gut, sich nicht nur behandeln zu lassen, sondern auch selbst zu handeln. Sport, Wickel, Güsse, Bäder oder andere Behandlungen haben alle das gleiche Ziel: Sie sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren und die Lebensqualität verbessern. So sind die Betroffenen der oft langwierigen Therapie besser gewachsen. Und der positive Einfluss der seelischen Balance auf den Krankheitsverlauf ist auch tatsächlich nachgewiesen.

Ultraschall und Bestrahlung als Therapie der Zukunft

Junge Ärztin mit Patient in Kernspintomograf
Bildrechte: IMAGO

Fokussierter Ultraschall sowie  präzise MRT-Bildgebung und punktgenaue Bestrahlung: Diese Kombination soll die Krebsbehandlung revolutionieren. Einer der Revolutionäre ist Andreas Melzer vom Innovationszentrum für computerassistierte Chirurgie der Uni Leipzig. Im Kampf gegen den Krebs will er Ultraschall und MRT vereinen: "Der Ultraschall selber lässt sich im MRT anwenden, weil diese Systeme für die Magnetfelder geeignet sind und man dann ganz gezielt therapieren kann."

Das Verfahren soll folgendermaßen funktionieren: Der Patient befindet sich in einem MRT-Gerät, das genau die Lage der Tumore aufzeigt. Der Ultraschall wird darauf fokussiert und kann ganz gezielt die Geschwulst erhitzen. Bei Temperaturen über 60 Grad sterben die Tumorzellen ab. Ein solches MRT-Ultraschall-Gerät soll demnächst an der Uniklinik Leipzig eingesetzt werden, zum Beispiel bei Tumoren der Gebärmutter und bei Knochenmetastasen. 

Schon die Kombination aus Ultraschall und MRT bedeutet einen großen Fortschritt bei der Behandlung einiger Krebsarten. Einen regelrechten Durchbruch erhoffen sich die Forscher, wenn man beides noch mit der Bestrahlung kombiniert. Deren Wirksamkeit ließe sich aus Sicht der Experten am Dresdner OncoRay-Zentrum deutlich verbessern.  "Da scheint uns der fokussierte Ultraschall recht vielversprechend", sagt Professor  Mechthild Krause, die Direktorin des Forschungszentrums. "Weil er biologische Effekte hat, die Sauerstoffversorgung im Tumor ändert und es ganz gezielt bestimmte Areale angreifen kann."  Die Erwartungen der Forscher an das sogenannte Sono-Ray, also das Schall-Strahl-Verfahren, sind sehr hoch.  In drei Jahren soll die Kombination aus MRT, Ultraschall und Bestrahlung erstmals an Patienten ausprobiert werden.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 11.05.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2017, 23:57 Uhr

Rat und Hilfe