ein Stethoskop lioegt auf einer Röntgenaufnahme
Bildrechte: Colourbox.de

Hauptsache Gesund | 11.05.2017 | 21:00 Uhr Medizinische Vorsorgeuntersuchungen: Welche sind sinnvoll?

Mit Vorsorgeuntersuchungen sollen Krankheiten früh erkannt und dadurch besser behandelt werden. Doch was gut klingt, ist nach Meinung der Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Ingrid Mühlhauser oft nicht sinnvoll. Vielmehr gaukelt Vorsorge den Menschen einen Schutz vor, den es nicht gibt.

von Michel Kästner

ein Stethoskop lioegt auf einer Röntgenaufnahme
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Ist es denn nicht richtig, dass die Medizin Risiken möglichst früh erkennt?

Die meisten Menschen denken: Früher untersuchen lassen ist besser! Und noch besser sei es, wenn man etwas gefunden hat. Dabei kann es auch schlecht sein, wenn man etwas findet. Denn oft werden in erheblichem Ausmaß Dinge behandelt, die niemals eine Krankheit geworden wären. Zum Beispiel ist die vaginale Ultraschalluntersuchung auf Eierstockkrebs eine der häufigsten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), für die die Frauen selber bezahlen müssen. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe Studien,  die gezeigt haben, dass trotz dieser Untersuchungen nicht weniger Frauen an Eierstockkrebs sterben. Dagegen gibt es eine ganze Reihe unerwünschter Nebeneffekte der Untersuchungen, also falsche Verdachtsbefunde, die dann weiter abgeklärt werden. Dann wird operiert, was wieder Risiken mit sich bringt. Das heißt: Die Menschen werden durch solche Untersuchungen eher krank, als gesund!

Taugen die Vorsorgetests aus der Apotheke etwas?

Der Großteil der Vorsorgeprodukte aus der Apotheke ist für den Laien gut handhabbar. Doch die Aussagekraft ist nicht bei allen gleich hoch. Die meisten dieser Tests zeigen zu schnell ein positives Ergebnis. Auch wenn man bei solch einem Produkt ein positives Ergebnis hat, sollte man nicht gleich in Panik ausbrechen. Den Gang zum Arzt oder zum fachkundigen Apotheker können die Heimtests nicht ersetzen.

Gibt es Vorsorgeuntersuchungen, die man auf jeden Fall machen sollte?

Sinnvoll sind die Vorsorgeuntersuchungen, zu denen man eingeladen wird. Bei Frauen ist das das Brustkrebsscreening ab 50 Jahren. Auch zur Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung wird eingeladen. Zum  Darmkrebsscreening sollen ab 2018 Einladungen verschickt werden. Das sind die drei Früherkennungsuntersuchungen, die im Rahmen eines strukturellen Qualitätssicherungsprogramms angeboten werden.

Wie lässt sich herausfinden, welchen Nutzen und welche Risiken eine Untersuchung mit sich bringt?

Vor wenigen Wochen erst hat das Gesundheitsministerium das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beauftragt, eine Internetplattform zur Patienteninformation auszubauen  – sie wird www.gesundheitsinformation.de heißen. Am 17. Mai ist das erweiterte Angebot online. Dort findet der Patient unabhängige, wissenschaftsbasierte und verständliche Informationen. Es ist jedem Patienten zu raten, sich auf diesen Seiten zunächst zu informieren, bevor er einer Vorsorgeuntersuchung zustimmt.

Das Interview führte Michael Kästner.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 11.05.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2017, 23:58 Uhr