Ein Mann sitzt vor einem Laptop und hält sich vor Schmerzen den Nacken.
Bildrechte: IMAGO

Hauptsache Gesund | 09.11.2017 | 21:00 Uhr Kopf hoch! Aufrecht gegen Nackenschmerzen

Wer ausgiebig aufs Handy schaut, wird über kurz oder lang einen schmerzhaften "Smartphonenacken" bekommen. Bei Frauen kann auch ein falscher BH zu Nackenschmerzen führen. Wir zeigen, was hilft, wenn es zwischen Kopf und Rücken schmerzt.

von Raja Kraus

Ein Mann sitzt vor einem Laptop und hält sich vor Schmerzen den Nacken.
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Seit einiger Zeit gibt es ein neues Krankheitsbild, den sogenannten "Smartphonenacken". Was lustig klingt, ist in Wahrheit eine schmerzhafte Angelegenheit, die immer mehr Menschen betrifft.  Weil viele von uns ständig nach unten schauen – vor allem auf ihr Handy – wird die Halswirbelsäule unnatürlich gebeugt. Das führt zu Kopf- und Nackenschmerzen. Aber auch der falsche BH kann für manche Frauen zum Auslöser für Dauerschmerzen im Hals- und Schulterbereich werden.

Zwei junge Männer sitzen vornübergebeugt auf einer Bank und schauen auf ihr Smartphone.
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Im Laufe der Evolution hat sich der Mensch aus dem Vierfüßlergang immer weiter aufgerichtet, bis er schließlich erhobenen Hauptes durchs Leben gehen konnte. Sind diese Zeiten wieder vorbei? Immer mehr Menschen sieht man mit vorgebeugtem Kopf und Oberkörper herumlaufen, -stehen oder -sitzen. Ihr Blick geht dabei nach unten – auf das Smartphone. Es wird bereits von der "Head-down-generation", also der "Kopf-runter-Generation" gesprochen. Diese Körperhaltung ist alles andere als gesund. Als Folge spüren viele brettharte Muskeln, Verspannungen und chronische  Nackenschmerzen.

Wenn der Kopf am Rücken zieht

Eine Computergrafik stellt den Verlauf der Halswirbelsäule im menschlichen Körper dar.
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Fünf bis sechs Kilogramm wiegt der Kopf eines erwachsenen Menschen. Ein stolzes Gewicht, das von der Halswirbelsäule und der Halsmuskulatur getragen und ausbalanciert werden muss. Doch je weiter wir den Kopf nach vorne beugen, desto mehr Kraft wirkt auf den oberen Rücken. Neigen wir den Kopf um 45 Grad, ziehen anstatt der fünf nun über 22 Kilogramm Gewicht an der Nackenmuskulatur. Auf Dauer ist das eine große Überlastung, die zu Überdehnungen, Verspannungen und Durchblutungsstörungen führen kann. Dann schmerzt der Nacken, der Kopf tut weh und es können Taubheitsgefühle im Schulter- und Armbereich auftreten. Kehren die Symptome immer wieder, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen.

Diagnose "Smartphonenacken"

Als Grund für die Zunahme dieser Beschwerden wird vor allem das Handy genannt. Ob in der Straßenbahn, beim Kaffeetrinken oder beim Laufen: Viele Menschen schauen permanent auf das Display ihres Smartphones. Aber nicht nur das führt zu einer ungesunden Körperhaltung. Auch der nach unten gesenkte Kopf mit Blickrichtung Computertastatur oder das Arbeiten an einem Laptopbildschirm, der nicht auf Augenhöhe ist sowie langes Lesen im Sitzen, bei dem ebenfalls der Kopf gesenkt wird, strapaziert die Nackenmuskulatur unnötig.

Wussten Sie, … … dass die gebeugte Körperhaltung auch unserer Psyche nicht gut tut? Denn der ständige Blick nach unten beeinflusst auch unsere Hormone und macht uns traurig. Eine aufrechte Haltung hingegen bewirkt, dass wir uns selbstsicher fühlen.

Dem Vorbeugen vorbeugen

Die Halswirbelsäule und die Schulter-Nackenmuskulatur lassen sich vor Verspannungen schützen, indem man auf die Körperhaltung achtet. Für den Umgang mit dem Smartphone, aber auch für das lange Lesen in Büchern heißt das, den Gegenstand auf Augenhöhe zu bringen. Oder, am Beispiel der PC-Tastatur, nur den Blick nach unten senken, nicht den Kopf. Wer viel sitzt, sollte seine Körperhaltung regelmäßig überprüfen und korrigieren – nur allzu leicht sackt man wieder nach vorne. Mit Hilfe kleiner Dehnungsübungen kann der Schulter-Nacken-Bereich gelockert werden. Dazu reicht ein Blick über die linke Schulter, gefolgt von einem Blick über die rechte. Anschließend das Ohr zur jeweiligen Schulter ziehen. Zum Schluss den Kopf in die Höhe strecken, während die Schultern nach unten gezogen werden.

Diagnose "falscher BH"

bunte BHs auf einem Marktstand
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Ein weiterer Grund für Nackenschmerzen bei Frauen kann auch ein schlecht sitzender Büstenhalter sein. Vor allem, wenn bei einer großen Oberweite ein BH mit zu schmalen Trägern angezogen wird, die mit hohem Druck in die Schultermuskulatur einschneiden. Kommen dann noch ausgeleierte Verschlüsse und Körbchen dazu, wird die die Brust nicht mehr richtig gestützt. In der Folge zieht die Brust den Oberkörper nach vorne. Auf Dauer verkürzt sich so die Brustmuskulatur und der Nacken wird überdehnt.

Der BH im Labor

Der BH und seine Auswirkungen auf die Gesundheit sind auch Gegenstand der Forschung. Am Hohenstein Institut für Textilinnovation in Bönnigheim wollen Experten die optimalen BH-Träger entwickeln. Ziel ist es, dass sich die Last der Brust gleichmäßig über die ganze Trägerfläche verteilt. Dabei berücksichtigen die Forscher auch das Material des BHs hinsichtlich Elastizität oder Nahtbeschaffenheit.

Wie muss der ideale Büstenhalter sitzen?

Die Brust verändert sich im Laufe des Lebens. Den Brustumfang sollte frau deshalb vor jedem Kauf von Dessous neu messen.

Eine Schneiderin misst den Unterbrustumfang einer jungen Frau.
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Mit einem Maßband misst man zunächst sehr straff den Umfang unterhalb der Brust. Anschließend nimmt man an der höchsten Erhebung des Busens Maß, um so den Brustumfang herauszufinden. In sogenannten "BH-Größentabellen" kann man mit den beiden Werten die BH-Größe ermitteln. Der Buchstabe steht für den Brustumfang, die Zahl für den Unterbrustumfang. Außerdem gilt: Kein BH-Kauf ohne Anprobe, denn jedes Modell fällt anders aus. Am Anfang sollte das Band an den äußersten Häkchen geschlossen werden, sodass zwei Finger zwischen Verschluss und Rücken passen. Leiert der Stoff mit der Zeit aus, kann der BH enger gestellt werden. Das Verschlussband sollte gerade über den Rücken verlaufen und nicht hochrutschen. Die Träger dürfen dementsprechend nicht zu straff sitzen – trotzdem sollen sie der Brust aber auch Halt geben und nicht von der Schulter rutschen. Bei Dessous mit Bügel gilt: Der Bügel muss die Brust komplett umschließen und sollte nirgends ins Fleisch drücken.

Stärkung der Schulter-Nackenmuskulatur

Die Schulter-Nackenmuskulatur kann man zu Hause stärken. Zum Beispiel indem man sich im Abstand von ungefähr einem Meter mit gestecktem Körper gegen eine Wand "fallen lässt" und sich dynamisch immer wieder mit den Händen von ihr abstößt. Außerdem fördert intensives Schulterkreisen die Beweglichkeit. Dabei hängen die Arme längs am Körper, die Schultern ziehen bewusst in die Höhe und Tiefe. Zehn Einheiten von vorne nach hinten und zehn Einheiten von hinten nach vorne. Intensiver wird die Übung, wenn man die Schultern im Wechsel kreist.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 09. November 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 22:11 Uhr