Hauptsache Gesund | 17.08.2017 | 21:00 Uhr Gefahr für die Nieren

Die Nieren arbeiten wir ein Klärwerk: Tagtäglich reinigen sie 1.800 Liter Blut, ohne dass wir es merken. Genauso wenig wird oft bemerkt, wenn sie krank werden. Wir erklären, was die erstaunlichen Organe in Gefahr bringt.

von Jana Olsen

Plastinat von einem menschlichen Nierenpaar
Die Nieren sind von einem feinen Röhrensystem durchzogen. Bildrechte: IMAGO

Die Nieren sind nur etwa neun bis zwölf Zentimeter lang und wiegen zusammen gerade einmal 300 Gramm. Aber das Tubulussystem – ein dichtes Netz aus feinen Nierenkanälchen – hat es ins sich. Aneinandergereiht würde es eine Länge von 80 Kilometern ergeben!

Die Nieren liegen gut geschützt unter dem Zwerchfell und den untersten Rippen. Bei einem gesunden Menschen lassen sie sich nur schwer bis gar nicht ertasten. Erst bei einer Vergrößerung, zum Beispiel durch die Entstehung vieler Zysten, nehmen die Nieren eine Größe an, durch die sie sich im Mittelbauch fühlbar werden.

Unspezifische Symptome

Ein Arzt in Gummihandschuhen tastet den Bauch einer Patientin ab.
Nieren lassen sich höchstens ertasten, wenn sie vergößert sind. Bildrechte: IMAGO

Während Nierensteine schmerzhafte Koliken hervorrufen können, verursacht eine chronische Nierenschwäche anfangs gar keine Beschwerden. Die Leistung der Niere nimmt einfach ab, ohne dass sich Symptome zeigen. "Man merkt eine Vergiftung erst ganz zum Schluss, wenn es meist zu spät ist", gibt Professor Joachim Beige zu bedenken. Er leitet das KfH Nierenzentrum am Klinikum Sankt Georg in Leipzig und hat schon viele solche schweren Fälle gesehen. Häufig sind die Symptome dann auch zunächst völlig unspezifisch.  Appetitlosigkeit, Übelkeit, Antriebsschwäche oder Schwindel-Beschwerden, bei denen man in der Regel nicht zuallererst an die Niere denkt.

Gefahren für die Nieren

Prof. Joachim Beige
Prof. Dr. Joachim Beige Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Viele Faktoren, die zu einem lebensbedrohlichen Nierenversagen führen, sind vermeidbar. Einer der häufigsten Risikofaktoren ist Bluthochdruck."Das ist nicht so sehr eine Frage der absoluten Höhe, sondern der Dauer des Hochdrucks.  Über 160 mmHG sind für die Niere, aber auch für Herz und Gehirn immer gefährlich. Bei Werten zwischen 130 und 160 kommt es auf die schon vorliegenden Organschäden an und ob ein Diabetes vorliegt", erklärt Professor Beige.  Diabetes ist ein hoher Risikofaktor für eine Nierenschwäche, unabhängig davon, ob die Blutzuckerwerte gut oder schlecht eingestellt sind. Problematisch ist zudem die häufige Einnahme von Schmerzmitteln. "Das sind insbesondere die sogenannten nicht steroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen und Diclofenac.  Aber auch modernere Wirkstoffe, die angeblich besser verträglich sind, wie Celecoxib sind gefährlich", warnt Professor Beige. Die Einnahme sollte daher nicht ohne ärztliche Rücksprache und Kontrolle erfolgen.

Gefährliche Nebenwirkungen von freiverkäuflichen Schmerzmitteln

Paracetamol
Paracetamol Paracetamol kann lebensgefährliche Nebenwirkungen wie Leberversagen und Bluthochdruck haben. Das ist inzwischen weitgehend bekannt und aus diesem Grund wurden die Packungsgrößen begrenzt. Bildrechte: IMAGO
Paracetamol
Paracetamol Paracetamol kann lebensgefährliche Nebenwirkungen wie Leberversagen und Bluthochdruck haben. Das ist inzwischen weitgehend bekannt und aus diesem Grund wurden die Packungsgrößen begrenzt. Bildrechte: IMAGO
Aspirin plus C Brausetablette Brausetabletten Packung quer ASS-ratiopharm 500, 2002
Acetylsalicylsäure (ASS) Dieses Mittel wirkt blutverdünnend und kann unter anderem Magen-Darm-Blutungen, Hirnblutungen, Atemnot und Nierenversagen als unerwünschte Nebenwirkungen nach sich ziehen. Herzpatienten erhalten das Mittel oft in geringer Dosierung, um das Risiko eines Infarkts zu verringern. Die bei Schmerzen eingenommene Dosis ist jedoch deutlich größer. Bildrechte: IMAGO
Tabletten Ibuprofen USP, 200 mg der Marke Kirkland
Ibuprofen Als mögliche Nebenwirkungen können bei diesem Mittel zum Beispiel Asthma-Anfälle, Nierenversagen sowie Herzinfarkt auftreten. Außerdem besteht das Risiko eines Magen-Darm-Durchbruchs. Bildrechte: IMAGO
Diclofenac
Diclofenac Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, aber auch zu Magen-Darm-Blutungen und Nieren- und Leberversagen, Herzinfarkt oder Schlaganfall zählen zu den lebensbedrohlichen Nebenwirkungen, die mit diesem Wirkstoff auftreten können. Bildrechte: IMAGO
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Früherkennung schützt

Computergrafik menschlicher Nieren.
Bildrechte: IMAGO

Besonders Risikopatienten mit Diabetes, Bluthochdruck und familiärer Vorbelastung sollten sich daher regelmäßig einem Nierencheck unterziehen. Aber auch nicht so häufige, dafür aber meist dramatisch verlaufende immunologische Nierenkrankheiten sind besser behandelbar, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Alle zwei Jahre hat jeder gesetzlich Versicherte ab 35 Jahre Anspruch auf den von den Krankenkassen bezahlten Gesundheitscheck. Dabei wird auch auf eine mögliche Erkrankung der Nieren untersucht. Ein Urinschnelltest gibt Aufschluss über den Eiweißgehalt im Urin. Ist der Wert erhöht, kann das auf eine Nierenschädigung hinweisen. Bei der Kontrolle der Blutwerte kann festgestellt werden, ob sich Kreatinin im Blut angereichert hat. Je höher der Wert ist, desto schlechter ist die Filterfunktion der Nieren. Wenn Auffälligkeiten vorliegen, können mittels einer Ultraschalluntersuchung die Nierengröße und die Beschaffenheit des Nierengewebes bestimmt werden. All diese Maßnahmen helfen, eine Nierenschwäche frühzeitig zu erkennen und langfristige Schäden zu vermeiden.

Weitere Infos

Selbsthilfegruppen
Viele Informationen zu Nierenerkrankungen und Kontakt zu anderen Betroffenen bietet der Bundesverband Niere e.V. unter: www.bundesverband-niere.de

Deutsche Nierenstiftung
Umfangreiches Informationsmaterial und neue Forschungsergebnisse zu Nierenerkrankungen unter: www.nierenstiftung.de

KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentranplantation e.V.
Der gemeinnützige Verein betreut über 200 Dialysezentren in Deutschland:
www.kfh.de

Informationsfilme
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie zeigt auf ihrer Website anschauliche Informationsfilme für Patienten: www.dgfn.eu

Nierentelefon: 0800 248 48 48
Das gebührenfreie Beratungstelefon ist eine Gemeinschaftsaktion des Verbandes Deutsche Nierenzentren e.V. und des Bundesverbandes Niere. Immer mittwochs von 16 bis 18 Uhr beantworten Experten medizinische und sozialrechtliche Fragen (Reha-Bewilligungen, Fahrtkosten, Zuzahlungen).

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 17.08.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2017, 23:10 Uhr