Hauptsache Gesund | 09.02.2017 | 21:00 Uhr Mit Akupunktur gegen Allergien

Überlieferungen zufolge sollen bereits vor 1.000 Jahren zahlreiche Einwohner Persiens im Frühjahr unter einem "Rosenschnupfen" gelitten haben. Aber erst 1906 verwendete ein Kinderarzt in Wien den Begriff Allergie. Heute wissen wir sehr gut, was dabei im Körper passiert.

Eine Nase mit Taschentuch, im Hintergrund ein Feld.
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Das Problem beginnt auf der Ebene unseres Immunsystems. Normalerweise kann es gut erkennen, dass beispielsweise Baum-, Blüten und Gräserpollen, Hausstaub oder Tierhaare keine Bedrohung darstellen. Bei Allergikern ist diese Funktion jedoch gestört. Bei ihnen markieren die Abwehrzellen harmlose Substanzen als gefährliche Krankheitserreger. In der Folge werden massig Antikörper gegen die vermeintlichen Feinde produziert. Über das Blut erreichen sie die Mastzellen in der Haut, in den Schleimhäuten und in verschiedenen Organen. Diese Zellen erhalten dadurch den Befehl, eine ganze Reihe verschiedener Botenstoffe zu bilden. Der bekannteste ist das Histamin. Diese Botenstoffe lösen dann die typischen allergischen Reaktionen wie Hautrötungen, Schwellungen oder Juckreiz aus. Um diesen Prozess zu stoppen, behandelt man Allergiker auch mit sogenannten Antihistaminika, also Gegenspielern des Histamins. Allergien sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Auf lange Sicht kann sich daraus ein allergisches Asthma entwickeln.

Mit Nadeln gegen die Allergie

Auf dem Rücken einer Frau werden Akupunkturnadeln gesetzt
Akupunktur kann die Symptome lindern. Bildrechte: IMAGO

Der Auslöser aller Allergien, die Fehlreaktion des Immunsystems, ist noch nicht heilbar. Es gibt allerdings eine ganze Reihe Möglichkeiten, die Überreaktion der Abwehr zu dämpfen und damit die lästigen Symptome abzuschwächen. Neben den Antihistminika kommen hier auch Mittel mit Kortison zum Einsatz. Wer jedoch wegen einer Dauerallergie gezwungen ist, diese Medikamente über eine lange Zeit einzunehmen, muss neben ihren Vorzügen leider auch ihre Nebenwirkungen in Kauf nehmen. Vor allem beim weitverbreiteten Heuschnupfen – Mediziner sprechen von einer allergische Rhinitis – belegen eine ganze Reihe Studien positiver Effekte durch Akupunktur. Die Nadelbehandlung lindert demnach spürbar und ganz ohne Medikamente die Schnupfensymptome. Die Stiche mobilisieren ein körpereigenes Regulationssystem, das die allergische Reaktion unterdrückt. Im Durchschnitt werden bei einer Pollenallergie acht bis fünfzehn Behandlungen für eine erfolgreiche Therapie benötigt. In den jeweiligen Sitzungen werden etwa zwanzig Nadeln gestochen.

Die Akupunktur sollte bereits vor dem Beginn der Heuschnupfensaison anfangen. Im darauffolgenden Jahr muss die Serie wiederholt werden, um den Langzeiterfolg zu sichern. Private Krankenkassen bezahlen oftmals Akupunkturbehandlungen gegen Allergien. Bei gesetzlich Versicherten fällt sie unter die "Individuelle Gesundheitsleistung" (IGeL). Es lohnt sich jedoch zu prüfen, ob die Kasse wenigstens einen kleinen Zuschuss zu der Behandlung übernimmt. Die Kosten pro Sitzung liegen zwischen 26 und 50 Euro.

Selbsthilfe bei Allergien

Symbolfoto die Pollen fliegen wieder! Eine Frau schneutzt hinter einem blühenden Haselstrauch.
Ohne Kopfbedeckung können sich Pollen in den Haaren festsetzen. Bildrechte: IMAGO

Mit ein paar Alltagstipps kommen Allergiker besser durch den Frühling. Verlassen Sie zum Beispiel das Haus möglichst nicht mittags, weil dann die Pollenbelastung am höchsten ist. Ein Hut oder eine Mütze halten die Haare pollenfrei. Wenn Sie von draußen wieder reinkommen, legen Sie am besten Kleidung und Kopfbedeckung im Flur ab und schlüpfen Sie in Hauskleidung. So bleiben die Allergene draußen. Stoßlüften der Wohnung möglichst nach Regenschauern, ansonsten Fenster besser geschlossen halten. Wer viel im Freien ist, sollte sich zudem täglich abends die Haare waschen. So wird die Nacht ruhiger und das Kopfkissen bleibt allergenfrei. Ein spezieller und jährlich ausgetauschter Pollenfilter im Auto und im Staubsauger gelten ebenfalls als sehr nützlich. Mediziner raten sehr dazu, schon bei ersten Symptomen Allergiemedikamente, also Antihistaminika, einzunehmen, um Folgeschäden wie Asthma möglichst zu vermeiden.

Was fliegt wann?

Im Fokus der Pollenflug-Vorhersagen stehen vor allem die acht allergologisch wichtigsten Pollen wie Hasel, Erle, Esche, Birke, Süßgräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst misst an vierzig Orten in Deutschland, wie hoch die jeweilige Belastung ist und welche Allergene gerade in der Luft sind. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst entsteht eine tagesaktuelle Pollenflugvorhersage, die im Internet unter www.dwd.de/pollenflug zu finden ist.

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2017, 23:14 Uhr