Eine geöffnete Dose Spaghetti mit Tomatensoße und vier geschlossene Konservendosen
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Hauptsache Gesund | 07.09.2017 | 21:00 Uhr Fertiggerichte - So schlecht wie ihr Ruf?

Das Angebot an Fertiggerichten wird immer größer. Doch die servierfertigen zeitsparenden Suppen, Pizza und Co. sind oft stark verarbeitet und enthalten meist nur noch wenige gesunde Inhaltsstoffe.

Eine geöffnete Dose Spaghetti mit Tomatensoße und vier geschlossene Konservendosen
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Fertiggerichte sind ganze Mahlzeiten, die meist nur noch erwärmt werden müssen. Sie werden unterschieden in Instantgerichte, Konserven wie Dosensuppen, Mikrowellen-Essen oder Tiefkühlprodukte. Viele Menschen sind auf Fertiggerichte angewiesen. Vor allem ältere Menschen, die meist nicht mehr lange in der Küche stehen können, um aufwändige Mahlzeiten zu kochen oder ihre Hände nur eingeschränkt benutzen.

Fertiggerichte werden auch Convenience-Produkte genannt. Der englische Name verspricht übrigens, dass sie die Küchenarbeit "annehmlicher" machen. Das Check-Ergebnis: viele enthalten wenig Nährstoffe, dafür aber viel Salz, Aromen und Geschmacksverstärker. Eine Alternative sind dagegen Tiefkühlprodukte.

Fertiggerichte im Überblick

Instantgerichte: Dazu zählen vor allem Tütensuppen, die meist aus Pulver bestehen. Sie müssen nur noch mit heißem Wasser aufgegossen werden und sind in nur wenigen Minuten verzehrfertig. Sie haben den geringsten Nährwert. Getrocknetes Gemüse oder Fleisch kommen oft nur in sehr kleinen Mengen vor. Damit es überhaupt nach etwas schmeckt, sind viele, meist künstliche Aromen und hohe Mengen an Salz und Geschmacksverstärkern zugesetzt.  

Konserven: Linsen-, Erbsen, Bohnensuppe - all das gibt es schon fix und fertig gekocht in der Dose. Da sie besonders lange haltbar sind, sind in Dosensuppen oft Konservierungsmittel und hohe Mengen an Salz enthalten. Auch hier ist der Gehalt an  Nährstoffen ziemlich gering, da das Gemüse meist lange erhitzt wurde und dabei den Großteil seiner gesunden Inhaltsstoffe verloren hat.

Mikrowellen-Essen: Auch Lasagne oder Kartoffelauflauf gibt es schon als fertige Mahlzeiten. Sie müssen vor dem Verzehr nur noch wenige Minuten in der Mikrowelle erhitzt werden. Da sie bereits vorgekocht sind, enthalten sie nur noch wenige Nährstoffe.

Tiefkühlprodukte: Von der Salami-Pizza bis zur Asiatischen Gemüsepfanne ist hier alles zu haben. Während die Pizzen hauptsächlich aus gefrorenem Teig und nur wenig Gemüse bestehen, haben viele andere Tiefkühlgerichte einen hohen Anteil an Gemüse - und damit an gesunden Nährstoffen und Vitaminen. Da sie nicht vorgekocht sind, sondern erntefrisch eingefroren werden, brauchen sie keine Konservierungsmittel.

Stabilisator, Emulgator & Co.: Die (geheime) Wissenschaft von den Zutaten

Junge isst Dosenfutter
Fertiggerichte sind schnell verzehrfertig. Es lohnt die Mühe, sie mit gesunden Zutaten aufzuwerten - vor dem Essen. Bildrechte: IMAGO

Fotos von buntem Gemüse versprechen gesunden Inhalt. Doch nicht nur bei der Verpackung wird getrickst. Damit Aussehen, Geschmack und Haltbarkeit der Produkte beim Kunden gut ankommen, greift die Lebensmittelindustrie bei der Herstellung auf eine ganze Palette von natürlichen und künstlichen Zusätzen zurück. Stabilisatoren, modifizierte Stärke, Emulgatoren, Verdickungsmittel, Farbstoffe - mit natürlichen Zutaten haben viele Angaben auf Tüten oder Dosen nichts gemeinsam.

Die wichtigsten Zusätze im Überblick:

Stabilisatoren

Dabei handelt es sich um eine ganze Gruppe an Zusatzstoffen. Sie sind dafür verantwortlich, dass eine Suppe schön cremig bleibt oder ihre Farbe nicht verliert. Nicht alle dieser Zusätze sind unbedenklich. E 250, bekannt als Nitritpökelsalz, verursacht unter anderem hohen Blutdruck.

Geschmacksverstärker

Kein Zusatzstoff, aber eine Zutat und damit laut Gesetz erlaubt - so einfach lässt sich zusammenfassen, warum der Geschmacksverstärker Hefeextrakt enthalten sein darf. Auch wenn auf der Verpackung groß beworben wird: "Ohne künstliche Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker". Ganz klar eine Mogelpackung. Verbraucherschützer sehen darin eine bewusste Irreführung durch die Lebensmittelindustrie, sind aber machtlos.

Der Einsatz von chemisch hergestelltem Glutamat muss gekennzeichnet werden, da er gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder unangenehmes Kribbeln im Hals auslösen kann. Da es den Appetit anregt, trägt Glutamat außerdem zu Übergewicht bei. Diese Kennzeichnungspflicht gilt jedoch nicht für Hefeextrakt. Der Hefeextrakt wird aus frischer Hefe hergestellt und hat einen würzigen Geschmack. Er enthält zu etwa fünf Prozent natürliches Glutamat. Sogenannte Clean Label auf Tütensuppen oder -soßen werben mit Aufschriften wie "natürlich ohne" oder "100% Geschmack, da ohne Zusatzstoff Geschmacksverstärker". Doch sie enthalten meist Hefeextrakt, der sich in den Angaben auf der Zutatenliste findet. Um sicher zu sein, hilft nur ein genauer Blick auf die Zutatenliste.

Aromen

Sie benebeln die Geschmackssinne und gewöhnen uns unseren "natürlichen" Geschmack regelrecht ab. Die falsche Prägung kann soweit gehen, dass wir eine Abneigung gegenüber natürlichen Lebensmitteln mit ihrem natürlichen Geschmack entwickeln können. Oft wird geworben mit der Aufschrift "ohne künstliche Aromen". Doch auch natürliche Aromen stammen aus dem Reagenzglas und haben mit den ursprünglichen Lebensmitteln nicht immer etwas zu tun. So muss ein Pilzaroma nicht aus Pilzen stammen und ein Rindfleisch-Aroma lässt sich zum Beispiel aus Bohnen herstellen.

Gesetzesregelung zu Zusatzstoffen in Lebensmitteln In der EU ist es gesetzlich geregelt, welche Zusatzstoffe Lebensmittel enthalten dürfen und in welchen Mengen. Mehr als 300 dieser Zusätze sind zugelassen, doch bei ungefähr der Hälfte davon raten Verbraucherschützer von regelmäßigem Verzehr ab.

Tipps von Hauptsache Gesund-Ernährungsexpertin Nicole Lins:

Nicole Lins, Ernährungsberaterin, Magdeburg
Ernährungsberaterin Nicole Lins Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Generell gilt: Je weniger Zutaten auf der Packung stehen, umso gesünder ist das Produkt. Und Tiefkühlkost ist gesünder als Tütensuppen oder Konserven, da sie am wenigsten verarbeitet wird. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich! Am Anfang der Liste stehen die Zutaten mit dem höchsten prozentualen Anteil. Steht dort viel Gemüse, kann man sicher sein, dass auch wirklich viel Gemüse enthalten ist.

Seit Kurzem muss auch der Salzgehalt bei Lebensmitteln angegeben werden. Da viele Fertigmahlzeiten mehr als die Hälfte der empfohlenen Tagesmenge an Salz enthalten, lohnt auch da ein Blick auf das Kleingedruckte. Das Gleiche gilt für Zuckerarten. Sie regen den Appetit an und verstecken sich hinter Bezeichnungen wie Dextrose, Glukose, Isomaltulose oder Fructose.

"Pimp your Fertiggericht!"

Fehlt das Gemüse, kann man leicht Abhilfe schaffen: Nährstoffarme Fertigprodukte lassen sich mit frischen Zutaten schnell und unkompliziert ergänzen und so zu einer vollwertigen, nährstoffreichen Mahlzeit aufwerten.

So funktioniert's: Eine Salami-Pizza kann je nach Vorlieben und Geschmack zum Beispiel mit frischen Tomaten, frischen Pilzen und Rucola-Blättern belegt werden. Auch fertiges Frikassee aus der Dose wird in nur wenigen Minuten zu einer gesünderen Mahlzeit, wenn es mit frisch gekochten Kartoffeln und frischem Kohlrabi ergänzt wird. In einer vorgekochten Nudelsuppe lässt sich Gemüse wie Brokkoli, Lauchzwiebeln oder Möhren mit garen, um Nährstoffe und Vitamine zu ergänzen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 07. September 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. September 2017, 09:56 Uhr