Röntgenaufnahme von einer Hand.
Bildrechte: Colourbox.de

Hauptsache Gesund | 18.05.2017 | 21:00 Uhr Rheuma: Der Schmerz in den Gelenken

Millionen Deutsche leiden an Rheuma. Die Krankheit kann jeden treffen, sogar Kinder. Unter dem Begriff werden mehr als 100 Krankheitsbilder zusammengefasst. Eins haben sie alle gemeinsam: starke Schmerzen. Neue Medikamente sollen noch besser helfen, mit der Krankheit zu leben.

von Claudia Hempel

Röntgenaufnahme von einer Hand.
Bildrechte: Colourbox.de

Rheumaerkrankungen lassen sich in zwei große Gebiete einteilen: die nichtentzündlichen und die entzündlichen. Die nichtentzündlichen Formen entstehen vor allem durch Abnutzung. Darunter fallen zum Beispiel Arthrose, Spondylose und Osteoporose. Entzündliche Formen entstehen, wenn das Immunsystem fälschlicherweise den eigenen Körper angreift. Hiervon kann entweder der Bewegungsapparat betroffen sein, zum Beispiel bei rheumatoider Arthritis, oder der ganze Körper, wie etwa bei Fibromyalgie.

Erhöhte Gefahr ab 50

Schätzungsweise 600.000 Menschen leiden in Deutschland an entzündlichem Gelenkrheuma. Frauen sind dabei dreimal häufiger davon betroffen als Männer. Meist beginnt die Krankheit nach dem 50. Lebensjahr, bei Frauen aber oft auch schon in jüngeren Jahren. Warum sie entsteht, weiß die Wissenschaft noch nicht genau. Diskutiert wird, ob die Krankheit durch Bakterien und Viren ausgelöst wird. Allerdings ist diese Annahme bislang nicht belegt. Ziemlich sicher ist aber, dass eine Veranlagung zu Rheuma auch vererbt werden kann. Und noch etwas ist sicher: Rauchen und Übergewicht erhöhen das Risiko, daran zu erkranken.

Schmerzen in den Gelenken

Eine weibliche Hand umfasst das Gelenk der anderen Hand. Die Stelle ist rot eingefärbt.
Bildrechte: Colourbox.de

Es sind anfangs vor allem Finger und Zehen, in denen die entzündlichen Prozesse beginnen. Plötzlich schwellen die kleinen Gelenke an, werden heiß und schmerzen. In der Nacht und am Morgen sind die die betroffenen Bereiche unbeweglich und steif. Diese Morgensteifigkeit dauert mitunter Stunden an. Manchmal beginnt die Erkrankung aber auch in den Knie-, Sprung oder Schultergelenken. Über Wochen und Monate kann sich dann die Entzündung nach und nach auf nahezu alle Gelenke des Körpers ausbreiten. Mitunter befällt sie darüber hinaus auch Sehnenscheiden und Schleimbeutel und führt neben den sehr dominanten Schmerzen auch zu Müdigkeit, Leistungsschwäche, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsabnahme. Das rechtzeitige Erkennen einer rheumatoiden Arthritis ist wichtig, um den Verlauf frühzeitig verlangsamen zu können und schwere Gelenkschäden zu vermeiden.

Wie rheumatoide Arthritis behandelt wird

Da die Krankheit nicht geheilt werden kann, zielt die Behandlung von rheumatoider Arthritis darauf ab, ihre Aktivität zu dämpfen und die mit ihr verbundenen Beschwerden zu lindern. Dazu steht ein breites Spektrum an medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungen zur Verfügung. Die Einstellung mit den richtigen Tabletten erfordert viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung, denn es gibt eine Vielzahl von Präparaten, die es individuell und optimal für den Patienten zu kombinieren gilt.

Erfolgreiche nichtmedikamentöse Maßnahmen bestehen vor allem in gezielter Krankengymnastik und der sogenannten "physikalische Therapie". Dazu gehören Anwendungen mit Kälte oder Wärme, Bäder, Massagen sowie Elektrotherapie. Sie alle haben das Ziel, den Schmerz zu lindern, Überwärmung und Steifigkeit abzubauen sowie die Muskeln zu entspannen und zu durchbluten. 

Am wichtigsten ist die Einstellung mit den sogenannten "Basismedikamenten", einer Kombination verschiedener Arzneien, die die Krankheitsaktivität abmildern. Sie werden auch "langfristig wirksame Antirheumatika", kurz LWAR, genannt. Es gibt die klassischen, synthetisch hergestellten Wirkstoffe, zum Beispiel Methotrexat, und die neueren, mit modernster Biotechnologie hergestellten sogenannten  "Biologika" bzw "Biologicals".

Wie wirken die Biologicals?

Eine Spritze vor einem blauen Hintergrund.
Bildrechte: Hoferichter & Jacobs

Biologicals sind große, künstlich hergestellte Eiweißmoleküle, welche in Form einer Spritze verabreicht werden. Je nach Präparat muss sich der Patient alle ein oder zwei Wochen oder einmal im Monat spritzen. Die Eiweißmoleküle blockieren direkt die Entzündungssignale oder aber die Rezeptoren, also die Andockstellen an der Zellwand. Dadurch können die Entzündungsbotenstoffe nicht mehr andocken und die Entzündungsreaktion wird unterbrochen.

Das Immunsystem hält die fremden Eiweiße anfangs für körpereigene Stoffe. Doch irgendwann enttarnt der Körper die Biologicals als körperfremde Stoffe, sodass sie dann ihre Wirkung verlieren. Vorstellen kann man sich das ähnlich wie beim Impfschutz. Auch er verliert nach und nach seine Wirkung und muss in bestimmten Zyklen aufgefrischt werden.

Neue Medikamente – neue Hoffnung

Nun gibt es erstmals Rheuma-Medikamente, die in Tablettenform verabreicht werden. Ihre Wirkstoffe sind Baricitinib oder Tofazitinib. Im Gegensatz zu den bisherigen Biologicals blockiert die neuen Wirkstoffe die Rezeptoren nicht von außen, sondern von innen. Da sie circa 300 Mal kleiner sind, gelangen über die Blutbahn direkt ins Innere der Zellen. Dadurch, so hoffen Ärzte, erkennt der Körper diese nicht mehr als Fremdstoffe und sie behalten ihre Wirkung.

Da die Medikamente das Immunsystem "ausbremsen", zeigen sich hier auch ihre Nebenwirkungen, denn ein geschwächtes Immunsystem bietet Angriffsflächen für Infektionskrankheiten. Außerdem kann der LDL-Cholesterinspiegel erhöht sein.

In drei Studien mit circa 2.500 Patienten wurde die Wirksamkeit von Baricitinib nachgewiesen. Patienten, welche vorher unter Gelenkschwellungen und Spannungsgefühlen litten, spürten eine deutliche Linderung, nachdem vorherige Medikamente nicht gewirkt hatten. Langzeitbeobachtungen stehen allerdings noch aus.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 18.05.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 10:33 Uhr