Hauptsache Gesund | 14.09.2017 | 21:00 Uhr Rosazea: Von wegen Säufernase!

Der Volksmund nennt sie "Fluch der Kelten", weil sie besonders häufig im Gesicht nordischer, also hellhäutiger, Menschen zu finden ist. Andere nennen sie eine "Gesichtsrose", weil die Nasenspitze oft feuerrot aufblüht, wie die Blütenblätter der Blume. Medizinisch heißt sie Rosazea. Eine Erkrankung, die mit Alkoholmissbrauch nur wenig zu tun hat.

von Matthias Toying

"Warum habe ich so eine rote Knollennase?", klagt eine ältere Dame, "Ich trinke doch gar keinen Alkohol!" Prof. Dr. med. Jan Simon, Dermatologe an der Uniklinik Leipzig, versucht, seine Patientin zu trösten: "Dass Rosazea häufig mit einer Säufernase verwechselt wird, ist gemein.

Mikroskopische Aufnahme einer an Rosazea erkrankten Haut.
Mikroskopische Aufnahme einer an Rosazea erkrankten Haut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Denn in Wirklichkeit handelt es sich um eine erblich bedingte, chronische Erkrankung der Talgdrüsen." Die Wissenschaft ist den Ursachen von Rosazea in jüngster Zeit ein Stück näher gekommen. Angeborene Immunstörungen scheinen die Entzündungen auszulösen, wobei fast ausschließlich das Gesicht betroffen ist. Junge Menschen bleiben davon meist verschont. Die Erkrankung beginnt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und verstärkt sich dann im höheren Alter. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer.

Es beginnt mit leichter Gesichtsröte

Grafische Darstellung einer Rosazea-Erkrankung in der Haut, bei der sich winzig kleine Haarbalgmilben entlang des Haars bewegen.
In die schutzlose Haut dringen Haarbalgmilben und andere Erreger ein und lösen Entzündungen aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rosazea tritt in Phasen unterschiedlicher Intensität auf. Zunächst spüren die Betroffenen ein Wärmegefühl, während sich ihre Gesichtshaut deutlich sichtbar rötet. Ausgelöst wird das meist durch sehr unterschiedliche und zum Teil widersprüchliche Faktoren: zum Beispiel Sonnenlicht, ein Saunabesuch, aber auch Kälte im Winter, scharf gewürztes Essen, kosmetische Produkte und sogar Sport oder Stress. Zum Auslöser wird kurz gesagt alles, was den Blutkreislauf in den Kapillargefäßen der Gesichtshaut anregt, was sie erweitert und zum Platzen bringen kann. Insofern zählt auch Alkohol zu den Auslösern oder er verstärkt die Symptome, wenn sie bereits da sind. Bei vielen Erkrankten bilden sich zusätzlich Knötchen (Papeln) und Eiterbläschen (Pusteln), nicht nur auf der Nase, sondern auch auf der Stirn, den Wangen, am Kinn und um den Mund herum. Das ist bereits das zweite Stadium. Rosazea kann man nicht verstecken. Darum schämen sich viele Betroffene. Manche wagen sich nicht ungeschminkt aus dem Haus oder meiden sogar die Öffentlichkeit.

Wieso sich die Erkrankung derart verschlimmern kann, zeigt sich unter dem Mikroskop: Die Oberfläche der Gesichtshaut weist Risse auf, Spalten und sogar tiefe Krater. Derart zerstört ist die Haut ohne Schutz. In die offenen Poren dringen winzig kleine Haarbalgmilben ein und lösen Entzündungen aus. Auch Pilze und Bakterien können sich ansiedeln. Wird Rosazea nicht behandelt, tritt sie ins dritte Stadium ein. Jetzt sieht man deutliche Schwellungen, die Haut eitert, die Nase verformt sich, sie "erblüht" geradezu zu einer Knolle.

Anzeichen an den Augen Leiden Sie unter trockenen, brennenden, geröteten oder tränenden Augen? Dann könnte es sein, dass auch Sie an Rosazea leiden. Die genannten Anzeichen an den Augen können allein oder zusammen mit den Rosazea-Symptomen der Haut auftreten.

Ist Rosazea eine Zivilisationskrankheit?

Domenico Ghirlandaio - Alter Mann mit Enkel
Die Nase des alten Mannes auf Domenico Ghirlandaios Gemälde weist typische Symptome einer Rosazea-Erkrankung auf. Bildrechte: IMAGO

"Nein, Rosazea gibt es seit Jahrhunderten", erklärt Dr. med. Gunhild Kratzsch, Hautärztin aus Leipzig: "Wir finden Abbildungen der Erkrankung bereits im Mittelalter." Sie verweist auf ein Bild des Malers Domenico Ghirlandaio, entstanden um 1490, das im Pariser Louvre hängt: "Das Bild heißt 'Alter Mann mit Enkel'. Da sehen Sie diese Knollennase. Sie ist ein deutliches Symptom der Rosazea im fortgeschrittenen Stadium."

Unser modernes Leben, mit seinem Stress und vielen Produkten, deren Inhaltstoffe wir nicht kennen, könnten aber durchaus zur Verschlimmerung beitragen, meint die Ärztin und erklärt: "Ich rate Patienten dringend, zur Gesichtspflege grundsätzlich keine Seife zu verwenden, auch kein konventionelles Duschbad. Verwenden Sie Reinigungsgels, die keinen Alkohol enthalten, ohne Duft- und Konservierungsstoffe sind, ohne Fett und keine anderen unnötigen irritierenden Inhaltstoffe enthalten. Das sind natürlich hohe Ansprüche, aber es gibt in Apotheken inzwischen Pflegeserien verschiedener Hersteller, die speziell für die hochsensible Haut der Rosazea-Patienten entwickelt wurden." Ergänzend dazu könne man auch kühlende und beruhigende Packungen mit Quark machen. Wichtig sei aber, meint Frau Dr. Kratzsch, dass sich Betroffene von einem Facharzt behandeln lassen: "Heutzutage kann man bei jeder Form der Rosazea medizinisch und kosmetisch etwas tun. Heilung ist allerdings nicht möglich."

Hausmittel gegen Rosazea

Im Internet finden sich zahlreiche Empfehlungen für Gesichtsmasken. Was davon wirklich hilft, müssen Betroffene letztlich selbst ausprobieren. Wegen der entzündungshemmenden Inhaltstoffe werden Gesichtsmasken aus Haferflockenmehl, erkalteten Kamillenteeblüten und Aloe Vera empfohlen. Es wird auch geraten, mit einem in erkaltetem grünen Tee getauchten Tuch das Gesicht abzutupfen. Laut einer Studie der American Academy of Dermatology, könne Süßholzpulver dabei helfen, Hautschädigungen durch UV-Einstrahlung sowie Rötungen der Haut zu vermindern.

Rezept für eine Gesichtsmaske Einen Esslöffel Süßholzpulver sowie einen Teelöffel Wasser und einen Teelöffel Aloe-Vera-Gel vermischen. Die Maske anschließend sanft auf die gerötete Haut auftragen und bis zu 15 Minuten lang einwirken lassen. Danach mit lauwarmem Wasser vorsichtig abtragen.

Das tägliche Reinigungsritual

Wer unter Rosazea leidet, sollte sein Gesicht zweimal täglich selbst behandeln. Als erstes wird das Reinigungsgel ganz vorsichtig in die Haut einmassiert, ohne zu rubbeln oder zu quetschen. Mit einem lauwarm feuchten Tuch das Gel wieder abnehmen. Um Reste zu beseitigen, wenden viele Betroffene darauf sogenanntes "hermalwasser an, eine Flüssigkeit aus einer Pump-Spraydose, das die Haut beruhigt und in Apotheken zu erhalten ist. Danach tragen sie ihr vom Hautarzt verordnetes Medikament auf. Bei der morgendlichen Behandlung folgt noch eine Lichtschutzlotion, die ebenfalls den Anforderungen der Rosazea-Haut entsprechen muss.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. September 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2017, 06:55 Uhr