Hände unter einem aus einem Wasserhahn sprudelnden Wasserstrahl
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Hauptsache Gesund | 08.06.2017 | 21:00 Uhr Schadstoffe im Trinkwasser?

In Deutschland wird Trinkwasser streng kontrolliert und gilt als sauber. Doch was ist mit den Giftstoffen, die Wissenschaftler immer wieder in Gewässerproben finden? Können sie ins Trinkwasser gelangen?

von Claudia Hempel

Hände unter einem aus einem Wasserhahn sprudelnden Wasserstrahl
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In Sachsen-Anhalt untersuchen Wissenschaftler seit Jahren ein kleines Flüsschen namens Holtemme. Einer von ihnen ist der Biologe Dr. Helge Noorf vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg. Seit fünf Jahren kennt er die Holtemme genau: "Die Holtemme fängt in einem sehr naturnahen Bereich an. Da sieht der Fluss so aus, wie wir ihn uns vorstellen. Doch je weiter er ins Tiefland kommt, desto stärker sind die Beeinträchtigungen durch den Menschen." Beeinträchtigungen durch den Menschen meint, dass hier Stoffe gefunden werden, die nicht in der Natur vorkommen, zum Beispiel Diuron, ein Pflanzenschutzmittel, das im Verdacht steht krebserregend zu sein und dessen Einsatz in der Landwirtschaft seit Ende der 1990er-Jahre verboten wurde.

Nervengift aus Dämmstoffen

Nationalpark Harz: die Holtemme
Je weiter die Holtemme ins Tiefland fließt, umso stärker ist die Belastung mit Schadstoffen. Bildrechte: MDR/Kathrin Heyer

Nach Angaben der Umweltminsterien von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, werden Spuren von Diuron in vielen Gewässern gefunden. Ebenso von Terbutryn, ein Stoff, der Algen abtöten soll. Terbutryn ist auch ein Nervengift. Sein Einsatz in der Landwirtschaft ist in Deutschland ebenfalls seit Jahren verboten. Wo kommen diese Stoffe aber her?

Möglicherweise von ganz normalen, wärmegedämmten Häusern. Diese werden oft mit einer Fassadenfarbe gestrichen, welche unerwünschten Algen- oder Pilzbelag verhindern soll. Sogenannte Biozide, Algizide oder Fungizide schützen die Häuserfassaden vor hässlichen grünen Flecken. In vielen Anstrichen befinden sich Terbutryn oder Diuron. Diese werden durch den Regen nach und nach aus der Farbe herausgewaschen und landen so im Grundwasser und in offenen Gewässern.

In geringer Konzentration auch im Trinkwasser

Diese Mikroschadstoffe werden momentan bei der Trinkwasseraufbereitung nicht berücksichtigt, wohl aber gemessen. Bislang sind die Konzentrationen sehr gering. Laut Bundesumweltamt finden sich Rückstände von Fassadenfarben, landwirtschaftlichen Pflanzenschutzmitteln oder der Chemieindustrie nur in sehr kleinen Mengen wieder, die nach bisherigem Erkenntnisstand für den Menschen keine Gefahr darstellen. Allerdings untersuchen verschiedene Forschungsvorhaben und laufende Studien, wie man perspektivisch diese Mikroschadstoffe aus dem Wasser filtern kann. Laut Umweltbundesamt könnte eine vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen das Problem lösen.


Das können Sie gegen Schadstoffe im Trinkwasser tun:

  • Entsorgen Sie Medikamente nicht in der Toilette. In den meisten Fällen können Medikamente und Arzneimittel in der Restmülltonne entsorgt werden. Dieser Entsorgungsweg ist mit wenig Aufwand verbunden, gleichzeitig aber umweltbewusst und sicher. Apotheken sind zwar nicht zur Annahme von abgelaufenen Medikamenten verpflichtet, nehmen sie aber trotzdem häufig zurück.
  • Geben Sie Lösungs- und Farbreste in einer Schadstoffsammelstelle ab. Schütten Sie sie nicht ins Waschbecken.
  • Sollten Sie Wasser aus einem Hausbrunnen beziehen, lassen Sie ihn regelmäßig kontrollieren.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 08.06.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2017, 22:38 Uhr