Eine Frau macht Klimmzüge in einem Fitnessstudio
Bildrechte: IMAGO

Hauptsache Gesund | 10.08.2017 | 21:00 Uhr Schluss mit Schulterschmerzen!

Zehn bis zwölf Prozent der Deutschen klagen über Schulterprobleme. Viele leben jahrelang mit chronischen Schmerzen. Häufig betroffen: ein Bündel aus Muskeln und Sehnen um das Gelenk, die sogenannte Rotatorenmanschette.

von Jörg Simon

 Eine Frau macht Klimmzüge in einem Fitnessstudio
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Einen Apfel vom Baum pflücken, eine Jacke anziehen, dem Hund einen Stock zuwerfen: Ohne das freie Spiel unseres Schultergelenks wäre keine dieser alltäglichen Tätigkeiten möglich. Anders als bei Hüft- oder Kniegelenk ist die Schulter nicht dafür gebaut, die Last unseres Körpergewichts zu tragen. Deshalb ist das Gelenk beweglicher, aber auch deutlich weniger robust. Eine Kombination aus Muskeln und Bändern soll sichern, dass sich der Oberarmkopf in der Gelenkpfanne drehen kann, aber auch zuverlässig an seinem Platz gehalten wird. Probleme entstehen oft in dem engen Raum zwischen Gelenkkopf und Schulterdach. Verkalkungen oder klemmende Sehnen werden zum Auslöser von Schmerzen. Diese treten bei vielen Bewegungen auf, aber auch oft beim Liegen im Bett. Viele Schulterpatienten fühlen sich am Morgen wie gerädert.

Problemfall Rotatorenmanschette

Grafische Darstellung der Anatomie eines Schultergelenks
Viele Schulterprobleme haben ihren Ursprung in der Rotatorenmanschette, einem Bündel aus Muskeln und Sehnen. Bildrechte: IMAGO

Die Rotatorenmanschette ist ein Bündel aus Muskeln und Sehnen, welches das Gelenk wie eine Kappe umschließt. Heftige Stoßbelastungen, wie sie zum Beispiel bei einem Sturz auftreten, fängt die Rotatorenmanschette meist problemlos ab. Der Riss einer gesunden, intakten Sehne aufgrund eines Unfalls ist also eher selten. Mit zunehmendem Lebensalter hinterlässt aber der Verschleiß seine Spuren an dem Muskel-Sehnen-Bündel. Länger andauernde oder plötzliche Belastungen verkraften die Sehnen dann nicht mehr so wie bei einem jungen Menschen, wie Prof. Dr. Géza Pap vom HELIOS Park-Klinikum Leipzig erklärt: "Menschen, die heute 60 oder 70 sind, sind viel aktiver als die Generation ihrer Eltern. Da wird Tennis gespielt, Rad gefahren. Wenn dann ein Unfall passiert, ist häufig die Rotatorenmanschette betroffen." Forschungen zeigen, dass jeder zweite über 70 einen Riss an der Rotatorenmanschette hat. Nicht alle leiden dann unter starken Beschwerden, doch für viele werden vor allem die nächtlichen Schmerzen zur Qual.

Ist eine Sehne der Rotatorenmanschette gerissen, kann der Oberarmknochen nach oben rutschen. Vor allem das seitliche Heben des Arms ist dann kaum noch ohne Schmerzen möglich. Besonders ältere Menschen sind betroffen, unter ihnen viele, die zeit ihres Lebens in einem Beruf mit häufigen Überkopftätigkeiten gearbeitet haben.

Eine frisch gerissene Sehne lässt sich in einer OP oft wieder annähen. Schwieriger wird es, wenn die Verletzung länger zurückliegt oder wenn Verschleißerscheinungen Grund der Beschwerden sind.

Ein Ballon für die Schulter

Ein neues Operationsverfahren soll Patienten helfen, für die sonst nur noch ein künstliches Schultergelenk infrage kam. Dabei kommt ein Ballon, der sogenannte "InSpace Balloon", zum Einsatz. Das Verfahren für Patienten, bei denen sich die Rotatorenmanschette mit anderen Methoden nicht wieder herrichten lässt, wird in etlichen Kliniken angeboten. Allerdings werden die Kosten dafür derzeit noch nicht ohne Weiteres von den Kassen übernommen.

zwei Hände massieren eine Schulter
Nach der Operation hilft gezielte Physiotherapie . Bildrechte: IMAGO

Der Eingriff wird minimalinvasiv im Rahmen einer Gelenkspiegelung durchgeführt. Durch ein dünnes Rohr kann der Arzt zunächst Instrumente ins Schultergelenk einführen. Mit ihnen säubert er den Raum unter dem Schulterdach und entfernt Reste der gerissenen Sehne. Dann wird der zusammengerollte Ballon eingeschoben und anschließend mit einer Salzlösung gefüllt. Dadurch bildet sich ein Polster zwischen Oberarmkopf und Schulterdach. Das schmerzende Reiben zwischen den Strukturen hört auf. Binnen eines Jahres bildet der Körper das Kunststoffpolster zu eigenem Bindegewebe um. Die gewonnene Schmerzfreiheit kann zusätzlich genutzt werden, um mit gezielter Physiotherapie andere Muskeln aufzubauen, die eine Stützfunktion übernehmen können. Der Schulterballon ist keine ursächliche Therapie, kann also nicht die volle Funktion der Rotatorenmanschette wiederherstellen. Für einen Erfolg des Verfahrens ist entscheidend, ob die verbliebene Muskulatur trainierbar ist. Momentan ist von Erfolgsraten von 50 bis 60 Prozent die Rede.

Weitere Schulterbeschwerden im Überblick

Eine Junge Frau hält sich ein Wärmekissen auf den Schultern
Kalkablagerungen in der Schulter können Beschwerden verursachen. Bildrechte: IMAGO

Eines der häufigsten Krankheitsbilder ist die sogenannte Kalkschulter. Dabei bilden sich tatsächlich Kalkablagerungen – allerdings nicht im eigentlichen Schultergelenk, sondern zwischen den umgebenden Sehnen. Häufig betroffen ist auch hier die Rotatorenmanschette. Solche Kalkablagerungen gibt es bei vielen Menschen, nicht bei allen jedoch verursachen sie Beschwerden. Bei einigen allerdings reizen die Kalkdepots die Sehnen, wodurch diese sich verdicken. Dadurch kommt es zu Verengungen. Bewegungen können nur noch unter Schmerzen ausgeführt werden. Was genau zur Bildung der Kalkablagerungen führt, ist bisher noch nicht geklärt. In vielen Fällen bilden sich diese Ablagerungen von allein zurück.

Bei einer Arthrose im Schultergelenk ist die schützende Knorpelschicht zwischen den Knochen angegriffen. In der Folge reiben die Knochen aneinander und schleifen sich ab. Der Arzt sieht den Befund auf dem Röntgenbild. Zwischen Oberarmkopf und Schulterpfanne ist oft kaum noch Platz. Manchmal ist der Knorpel bereits fast vollständig abgerieben und auch der Knochen selbst schon geschädigt. Ursache sind meist starke Beanspruchungen des Gelenks im Beruf oder beim Sport. Die Folgen werden dann aber oft erst im höheren Alter spürbar. Bei Schulterpatienten über 60  ist in zwanzig Prozent der Fälle eine Arthrose die Ursache.

Ein Impingement-Syndrom, bekannt auch als Engpass-Syndrom, schmerzt vor allem dann, wenn der Arm seitlich angehoben wird. Problem ist eine Engstelle unter dem Schulterdach. Verletzungen oder Fehlbelastungen führen hier zu Schwellungen. Die Sehnen werden eingeklemmt und können nicht frei gleiten. Mitunter verschlimmert ein Knochensporn den Engpass weiter und schränkt die Beweglichkeit noch mehr ein. Das Engpass-Syndrom quält meist Menschen mittleren Alters, also die in der Gruppe zwischen 30 und 50 Jahren.

Eine Frau hält sich vor Schmerzen die Schulter
Frauen sind häufiger von Schultersteife betroffen als Männer. Bildrechte: IMAGO

Schultersteife, auch Frozen Shoulder genannt, ist Folge einer schmerzhaften Entzündung der Gelenkkapsel. "Frozen" bedeutet "eingefroren". Die entzündete Gelenkkapsel schrumpft und verklebt. Nach einiger Zeit lassen zwar die Schmerzen nach, dafür wird das Gelenk immer steifer. So fällt besonders das Heben des Armes schwer. Betroffen sind besonders oft Diabetiker. Außerdem leiden Frauen häufiger als Männer unter einer versteiften Schulter.

Was tun für eine gesunde Schulter?

Gegen die normalen Verschleißerscheinungen im Schultergelenk können wir kaum etwas unternehmen. Eine wichtige Empfehlung  hat Professor Dr. Pap dennoch: "Am besten ist moderater Sport, mit dem sich die schulterführende Muskulatur kräftigen lässt. Die Muskeln halten den Oberarmkopf an seinem Platz, und das ist die halbe Miete für Schmerzfreiheit." Zwei bis drei Mal in der Woche können leichte Ruder- oder Drehbewegungen trainiert werden. Ein Zuviel sollte dabei aber vermieden werden, um die Muskeln nicht zu überlasten.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 10.08.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2017, 22:50 Uhr