Seife mit Lavendel
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Hauptsache Gesund | 09.03.2017 | 21:00 Uhr Das Comeback der Seife

Handgemachte Waschstücke mit allerlei wohlklingenden Inhaltsstoffen werden immer beliebter. Seife ist wieder in Mode. Ob nun Schafsmilch, Olivenöl, Zitrusfrüchte oder Kräuter zugesetzt werden, die waschaktiven Substanzen sind immer gleich. Wie wirken sie auf der Haut und was ist besser, Duschgel oder Seife?

Seife mit Lavendel
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Die Basis einer herkömmlichen Toiletten- oder Feinseife sind pflanzliche und tierische Fette. Man verwendet zum Beispiel Kokos- oder Palmkernfett, Öl aus Oliven, Sonnenblumen, Mais oder Sojabohnen und tierische Fette wie Talg, Schmalz oder Fett aus Knochen. Sie werden zusammen mit Natronlauge gekocht. Dadurch werden die Fette zerlegt in Glycerin und Alkalisalze. Dieser Vorgang nennt sich Seifensieden. Allerdings sieht das Produkt an dieser Stelle noch wie eine zähe Masse aus. Man nennt sie auch Seifenleim. Nun wird eine spezielle Salzlösung zugegeben. Sie trennt den Brei in feste und flüssige Bestandteile. Das Feste schwimmt oben und wird die spätere Seife. Ihr werden noch Farb- und Duftstoffe beigemischt, sie wird in Formen gepresst und getrocknet.

Bei Seifen aus dem Bereich der Naturkosmetik läuft die Herstellung etwas anders ab. Zunächst einmal kommen meistens hochwertigere Fette zum Einsatz als bei den Industrieprodukten. Die werden dann nicht erhitzt, sondern im sogenannten Kaltseifungsverfahren verarbeitet. Hier wird die die Natronlauge genauer und so gering wie möglich dosiert. Dadurch wird das Fett nicht vollständig aufgespalten und die Seife ist später fettiger. Zugaben können auch hier Duft- und Farbstoffe sein.

Waschkraft

Seifen gehören zur Gruppe der Tenside. Das sind Substanzen, die die Oberflächenspannung von Wasser herabsetzten können. Und sie können noch etwas anderes: Sie sorgen dafür, dass sich die beiden "Feinde" Fett und Wasser plötzlich mischen lassen, es entsteht eine Emulsion. Dasselbe geschieht beim Waschen. Die Tenside der Seife sorgen dafür, dass sich das Fett auf der Haut mit dem Wasser verbindet und abgespült wird. Damit verschwinden auch abgestorbenen Zellen und Bakterien. Leider entfernt Seife nicht nur vorhandenen Schmutz, sondern auch einen Teil des natürlichen Fettfilmes der Haut. Dies kann, besonders bei zu häufigem Waschen, zu rissiger, rauer Haut führen. Hautneutrale Waschlotionen versprechen den natürlichen Säureschutzmantel nicht anzugreifen.

Duschgel oder Seifenstück?

historische Seifenverpackung
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Nahezu alle flüssigen Dusch- und Schaumbäder, Shampoos oder Waschlotionen enthalten keine klassische Seife mehr, sondern werden aus Tensiden zusammengemischt. Dazu kommen allerdings neben einem hohen Wasseranteil noch eine ganze Reihe anderer Zutaten hinzu, zum Beispiel Antioxidantien und Feuchtigkeitsspender, Konservierungs-, Rückfettungs- und Verdickungsmittel sowie Säuren, um den gewünschten pH-Wert zu erreichen. All diese Chemikalien können Hautreizungen oder Allergien auslösen. Wer handgemachte Seifen benutzt, hat die Inhaltsstoffe im Blick und kann die Allergieauslöser vermeiden. Bei Duschgel verwenden wir übrigens viel mehr vom Produkt als bei einem Seifenstück. Das meiste davon landet leider gleich im Abwasser. Tenside und Zusatzstoffe gelangen von dort in Flüsse und Seen und belasten die Umwelt, da sie im Klärwerk nicht herausgefiltert werden können.

Die älteste Seife der Welt

John Alhaddad führt in Berlin ein kleines Geschäft mit exquisiter Ware aus dem Orient. Feinste Damaszener Teppiche, Seidentücher und orientalische Quasten. Doch sein größter Schatz ist eine Seife, die seit Jahrhunderten in seiner Heimat, dem syrischen Aleppo, hergestellt wird und auch so heißt: "Ich habe mal gelesen, die älteste bekannte Alepposeife sei ungefähr 700 Jahre alt. Das wurde in einem Buch erwähnt, dass man in Aleppo eine Seife aus Olivenöl und Lorbeeröl herstellte", sagt John Alhaddad. Aleppo – heute ein Synonym für den Bürgerkrieg in Syrien – war noch bis vor 20 Jahren eine blühende Metropole. Der einst größte überdachte Markt der Welt ist heute eine Ruine. Es ist schwer geworden für John Alhaddad, echte Alepposeife zu bekommen. Und doch ist es ihm gelungen, einen der wenigen verbliebenen Hersteller zu finden und einen sicheren Transport nach Deutschland zu organisieren: "Also ich kriege meine Seife aus einer kleinen Manufaktur in Alt-Aleppo. Im westlichen Teil von Aleppo. Und es hat drei Jahre gedauert, bis ich diese kleine Manufaktur gefunden habe."

Kisten mit sogenannter Alepposeife
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Und dort wird sie immer noch so wie vor dem Krieg gewonnen. In uralten Kesseln wird der grünliche Sud aus bis zu 5.000 Litern Olivenöl aufgekocht und verseift. Dann kommt noch Lorbeeröl in unterschiedlichen Mengen dazu. Eine Etage höher wird die Masse noch heiß in flache Bassinflächen auf dem Fußboden gespritzt. Hier muss die Seife ruhen und fest werden. Schließlich wird jedes einzelne Stück gestempelt. John Alhaddad erklärt die Besonderheit seines Produkts: "Alepposeife ist berühmt geworden, weil es eine der wenigen rückfettenden Seifen ist. Diese Rückfettung ist abhängig vom Lorbeerölanteil." Das wollen wir uns bestätigen lassen und nehmen die Seife mit zum Dermatologen Andreas Finner. Er soll einschätzen, ob die Alepposeife wirklich hautfreundlich ist. Er schaut sich ein Stück an: "Macht ja schon mal einen guten Eindruck, die sichtbar handgemachte Seife. Der Vorteil gegenüber dem Massenprodukt ist, dass man weiß, was drin ist." Und zwar ausschließlich Olivenöl und Lorbeeröl. Letzteres steht im Verdacht, Allergien auslösen zu können.

 Was sagt der Hautarzt? "Die Seife enthält ausschließlich pflanzliche Stoffe, keine tierischen. Auch keine Konservierungsstoffe, keine Tenside und keine Duftstoffe, bei denen häufig Allergien vorkommen. Der Vorteil ist, dass die Entfettung nicht so stark ist, wie bei einem Tensid, wie es für Flüssigseifen verwendet wird, und dementsprechend auch die Haut weniger austrocknet. Anders ausgedrückt: Bei dieser Seife muss man vielleicht weniger stark nachcremen, als bei einer Flüssigseife", sagt Dr. Finner. Logisch, dass John Alhaddad ausschließlich seine Alepposeife verwendet. Er wäscht sich damit sogar die Haare.

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2017, 22:02 Uhr