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Hauptsache Gesund | 20.04.2017 | 21:00 Uhr Was hilft gegen Sodbrennen?

Fast jeder dritte Deutsche leidet regelmäßig oder gelegentlich an Sodbrennen. Wann muss es behandelt werden und vor allem: womit? Die oft eingesetzten Säureblocker sind in die Kritik geraten, weil sie unerwünschte Nebenwirkungen haben. Doch was sind die Alternativen?

von Jana Olsen

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Computergrafik: Darstellung des menschlichen Verdauungssystems
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Alles was wir schlucken, empfängt  unser Magen mit einem hochkonzentrierten Säurebad. Nur so kann unser Essen verdaut werden. Ein kleiner  Schließmuskel am Übergang zur Speiseröhre verhindert, dass der saure Mageninhalt wieder nach oben wandert. Versagt dieses köpereigene Ventil, steigt der Magensaft in die Speiseröhre und es kommt zum Sodbrennen. Wer ständig darunter leidet, für den ist die Erkrankung eine Tortur. Ob nach dem Essen, beim Bücken oder beim Schlafen:  Ständig haben sie dieses unangenehme Brennen im Hals. Besonders nachts kann die Magensäure leicht in die Speiseröhre zurückfließen und auch länger dort bleiben. Ganz ungefährlich ist das nicht.

Verursacht Sodbrennen Krebs?

Die aufsteigende Magensäure kann die Speiseröhre dauerhaft verändern. Sie führt zunächst zu einer Entzündung der Schleimhaut. Und diese wiederum kann dazu führen, dass sich Zellen verändern und Krebs entstehen kann. Nach Angaben des deutschen Krebsregisters erkranken rund 7.000 Deutsche pro Jahr an Speiseröhrenkrebs.

Was kann ich selbst tun?

Mandeln
Ein Hausmittel gegen Sodbrennen: Mandeln kauen. Bildrechte: IMAGO

Bei gelegentlichem Sodbrennen kann man sich gut selbst helfen. Sparen Sie mit üppigen und fettreichen Mahlzeiten. Süßes, Alkohol, Kaffee und Kohlensäure befeuern das Sodbrennen. Milch dagegen bindet Säure. Manchen hilft ein altes Hausmittel: Mandeln kauen. Tee mit Kamille, Fenchel oder Kümmel beruhigt den Magen. Ein gesundes Körpergewicht reduziert zudem den Druck auf den Magen und verringert somit auch das Risiko für Sodbrennen. Wer Probleme beim Schlafen hat, kann den Oberkörper etwas höher lagern und sollte zwei Stunden vor dem Schlafen nichts mehr essen.

Medikamente ja oder nein?

Säureblocker verhindern die Bildung von Säure im Magen und verhindern somit auch das Sodbrennen. "Es sind sehr effektive Medikamente, die eigentlich im klinischen Alltag völlig unverzichtbar sind", sagt Professor Patrick Michl, Gastroenterologe am Uniklinikum Halle. Doch nach Angaben des aktuellen Arzneimittelverordnungs-Reports hat sich die Zahl der Verordnungen in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht. Seit einiger Zeit sind sie auch nicht mehr verschreibungspflichtig und werden vermutlich deswegen oft bedenkenlos geschluckt.

Kritiker warnen deshalb, dass die sogenannten Protonenpumpeninhibitoren, kurz PPI, gar nicht so harmlos sind. Besonders wenn sie über Jahre eingenommen werden, können sie negative Auswirkungen haben. So besteht etwa ein höheres Risiko für Osteoporose, weil die Calcium-Aufnahme gestört wird. Auch über vermehrte Darminfektionen und ein erhöhtes Demenzrisiko wird berichtet. Doch dafür liefern die aktuellen Studien keinen tragenden Beweis. "Man muss sicherlich Nutzen und potentielles Risiko abwägen. Das Risiko auch bei einer Langzeiteinnahme scheint grundsätzlich eher gering zu sein", gibt Professor Michl Entwarnung.

Fakt ist aber: Säureblocker werden oft unkritisch und zu lange eingenommen. Auch bei Beschwerden, die gar nichts mit der Magensäure zu tun haben, wie einem Reizmagen oder harmlosem Bauchdrücken. Wer solche Mittel schon lange einnimmt, der sollte mit dem Arzt sprechen, ob er die Säureblocker tatsächlich noch braucht. Professor Michl empfiehlt, die Medikamente dann jedoch nicht abrupt abzusetzen: "Wenn man den Blocker plötzlich weglässt, dann überschießt die Säure wieder, und die Patienten haben wieder Beschwerden. Das heißt, man sollte die Medikamente immer ausschleichen, also langsam versuchen, die Dosis zu reduzieren. Dann klappt es oft."

Operative Möglichkeiten

OP-Instrumente
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Wenn eine Umstellung der Ernährung und Medikamente gar nicht hilft, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Hier gibt es mittlerweile neben einer Standardtherapie  auch zwei neue Verfahren:

Manschetten-OP: Das ist die häufigste angewendete Methode. Dabei formen die Chirurgen aus Magengewebe eine Art Manschette, die sie um die Speiseröhre legen – ähnlich wie eine Serviette um eine Sektflasche. Dadurch wird der Schließmuskel verstärkt, sodass die Magensäure nicht mehr aufsteigen kann. Langzeitdaten belegen, dass die Methode bei 90 Prozent der Patienten zum Erfolg führt. Allerdings sind die Veränderungen nicht rückgängig zu machen, was manche von einer Operation abhält.

Magnetband: Bei dieser neuen Methode wird ein Ring aus Magnetperlen um den Mageneingang gelegt. Sie sollen den Schließmuskel bei seiner Arbeit stützen. Die Nahrung gelangt zwar weiter in den Magen, die Magensäure kommt aber nicht mehr hoch. Für das Verfahren gibt es bislang allerdings keine Langzeiterfahrungen und manche Patienten klagten nach der OP über Schluckbeschwerden.

Schrittmacher: Bei diesem neuen Verfahren werden zwei Elektroden an den Schließmuskel des Mageneingangs angeschlossen und ein Schrittmacher eingesetzt. Dieser sendet Impulse an den Schließmuskel, der sich daraufhin zusammenzieht und den Mageneingang wieder abdichtet. In Mitteldeutschland wird dieses Verfahren unter anderem am Uniklinikum Magdeburg, am Krankenhaus Martha-Maria in Halle und am Wald-Klinikum Gera durchgeführt. Aber auch bei dieser Methode fehlen noch ausreichende Langzeiterfahrungen.

Mit "Dreck" gegen Sodbrennen? Ein Versuch ist es vielleicht wert! Heilerde hat natürlich nichts mit Schmutz zu tun, sondern ist ein zugelassenes, hoch gereinigtes Naturarzneimittel. Es basiert auf einem einfachen Grundprinzip: Kommt Heilerde mit Flüssigkeit in Verbindung, quillt sie auf. Im Magen-Darm-Trakt saugt sie wie ein Schwamm überschüssige Säure auf und transportiert sie ab. Dazu wird ein Esslöffel Heilerde in warmem Wasser aufgelöst und in kleinen Schlucken getrunken. Allerdings braucht man Geduld. Die Wirkung tritt erst nach einigen Wochen ein.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" in der Sendung vom 20.04.2017, 21:00 Uhr, im MDR FERNSEHEN.

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017, 11:11 Uhr