Eine Frau hält einen sogenannten Kräuterbuschen, einen Straß aus verschiedenen Sommerkräutern, in der Hand
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Hauptsache Gesund | 17.08.2017 | 21:00 Uhr Die Heilkraft der Sommerkräuter

Von Mariä Himmelfahrt Mitte August bis in den September hinein ist genau die richtige Zeit, um Heilkräuter zu sammeln. Dann entfalten die Pflanzen dank der warmen Sonnenstrahlen ihre ganz besondere gesundheitsfördernde Wirkung. Das alte Wissen um die Heilkraft der Pflanzen war lange Zeit in Vergessenheit geraten. Doch die Nachfrage nach natürlichen Gesundmachern steigt wieder, und viele gesunde Inhaltsstoffe sind inzwischen wissenschaftlich erforscht.

von Beate Splett

Eine Frau hält einen sogenannten Kräuterbuschen, einen Straß aus verschiedenen Sommerkräutern, in der Hand
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Kräuterbuschen

Der sogenannte Kräuterbuschen ist ein bunter Strauß aus Heilpflanzen. Er sieht nicht nur schön aus, sondern kann auch auf vielfältige Weise unsere Gesundheit unterstützen. Traditionell besteht ein Kräuterbuschen aus sieben bis 77 verschiedenen Heilkräutern. Die Auswahl bleibt jedem selbst überlassen. Die Inhaltsstoffe der Pflanzen wirken entspannend, desinfizierend oder schmerzlindernd und können so gegen unzählige Beschwerden helfen.

Die wichtigsten Sommerkräuter und ihre Wirkung

Königskerze
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Königskerze
Wichtigster Bestandteil des Kräuterstraußes ist die Königskerze. Sie ist ein wahrer Alleskönner unter den Heilpflanzen. Als Hustenstiller ist sie besonders geeignet, da sie beruhigend wirkt, viele Schleimstoffe enthält und sich wie ein Balsam auf die Schleimhaut im Hals legt. Außerdem hilft sie bei Entzündungen der oberen Luftwege, bei der Wundheilung und bei Magen-Darm-Problemen.

Dalmatiner Salbei - Hellgrüne Salbeipflanze mit rauhen Blättern.
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Salbei
Wie der Name schon sagt, legt sich der Salbei wie eine Salbe auf jede Wunde. Viele kennen Salbei als Tee oder Spülung gegen Halsschmerzen. Doch er kann noch viel mehr: Er hilft bei  eigentlich allen Entzündungen. Die ätherischen Öle wirken desinfizierend und entzündungshemmend. Er kommt bei der  Behandlung von Mund- und Rachenraum-Entzündungen und bei Schweißausbrüchen zum Einsatz. Die Gerbstoffe im Salbei regen die Verdauung an. Auch als klassisches Küchengewürz ist Salbei beliebt.

Spitzwegerichblätter und -blüte
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Spitzwegerich
Da Spitzwegerich-Saft lange haltbar ist und nicht schimmelt, hat man entdeckt, dass Spitzwegerich besondere antibakterielle und pilztötende Eigenschaften besitzt. Als Saft oder Sirup hilft er gegen zahlreiche Hautkrankheiten und ist zudem ein hervorragendes Mittel gegen Verbrennungen. Seine frisch zerdrückten Blätter lindern den Juckreiz bei Insektenstichen und wirken antibakteriell bei kleinen Verletzungen. Darüber hinaus hat die Pflanze schleimlösende Inhaltsstoffe und wird daher bei der Behandlung von Atemwegserkrankungen eingesetzt. Außerdem helfen die Blätter der Pflanze als Teeaufguss oder in Form von Sirup getrunken gut gegen Magen-Darm-Beschwerden.

Echtes Johanniskraut
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Johanniskraut
Johanniskraut sollte in keiner natürlichen Hausapotheke fehlen. Es gilt als effektivstes pflanzliches Mittel gegen Depressionen. Es beeinflusst die Lichtaufnahme des Körpers und therapiert dadurch Verstimmungen. Bei Schlafstörungen kann eine Massage mit sogenanntem Rotöl helfen. Seinen Namen hat das Öl wegen seiner satten roten Farbe. Regelmäßig angewendet, hilft es auch bei Gürtelrose,  trockener, rissiger oder schuppiger Haut, Prellungen, Stauchungen, Blutergüssen, rheumatischen Beschwerden oder Gicht. Es kann Narben geschmeidig machen und sogar Schmerzen nach einem Bandscheibenvorfall lindern. Frauenleiden in den Wechseljahren können mit Extrakten der Pflanze ausgeglichen werden. Doch Vorsicht: Johanniskraut kann die Wirkung einiger Medikamente beeinflussen. Daher sollte man es sicherheitshalber immer in Absprache mit dem Arzt anwenden.

Echte oder Gemeine Goldrute
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Echte Goldrute
Die Echte Goldrute ist nicht so bekannt, aber sehr wirksam bei Blasenentzündungen sowie Leber- und Nierenbeschwerden. Als Tee zubereitet ist sie ein wirksames Mittel für den Verdauungstrakt. Sie regt die Nierenfunktion an und hilft bei Ödemen, Wasser auszuschwemmen. Der Tee lindert Krämpfe und hilft als natürliches Antibiotikum gegen Entzündungen.

Ringelblumen
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Ringelblume
Ringelblumen sind ein sanftes Allheilmittel. Ihre gelb-orangenen Blütenblätter enthalten viele Saponine (Schleimstoffe). Sie sind gesund für die Haut und die Schleimhäute und wirken wundheilend. Bitterstoffe und Gerbstoffe hemmen zudem Entzündungen.  

Drei Ringelblumen-Rezepturen Zubereitung als Tee oder Sud: Dazu die Blüten mit Wasser aufkochen. Das löst Krämpfe, hilft bei gereiztem Magen oder empfindlichem Darm. Als Spülung regeneriert der Sud entzündete Mundschleimhaut.

Zubereitung als Pflege-Öl bei trockener oder entzündlicher Haut: Dazu die getrockneten Blüten komplett mit Oliven- oder Sonnenblumenöl übergießen und vier Wochen an einem hellen, aber nicht sonnigen Standort ziehen lassen, täglich schütteln und anschließend durch ein Sieb abgießen.

Für eine Ringelblumen-Wundsalbe: 25 Gramm Blüten im Topf mit 200 Milliliter Olivenöl etwa 20 Minuten  auf 70 Grad erhitzen und gleichmäßig umrühren. Anschließend durch ein Sieb in einen zweiten Topf gießen, 25 Gramm Bienenwachs (aus der Apotheke) einrühren und schmelzen lassen. Die flüssige Mischung in lichtdichte Gläser oder Dosen füllen und über Nacht abgedeckt abkühlen lassen. Gut verschlossen ist sie danach etwa ein Jahr haltbar.

Weiß und gelb blühende Schafgarbe
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Schafgarbe
Schafgarbe riecht herrlich nach ätherischen Ölen, wenn man die Blätter zwischen den Fingern zerreibt. Die Inhaltsstoffe der Pflanze wirken lindernd bei Magenbeschwerden, regen den Appetit an und senken den Blutdruck. Am einfachsten ist es, aus den Pflanzenteilen einen Tee aufzugießen. Schafgarbe enthält viel Bitterstoffe und Gerbsäuren, die sind gut für die Verdauungsorgane. Das Öl und die Tinktur können bei Akne, anderen entzündlichen Hauterkrankungen oder Bindegewebsschwächen aufgetragen werden. In der Duftlampe wirkt das ätherische Öl stimmungsaufhellend und hilft beim Stressabbau. Als Leberwickel hilft Schafgarbe gegen Krämpfe.

So wird ein Leberwickel zubereitet: Zwei Teelöffel Schafgarbe in 500 Milliliter Wasser aufkochen und zehn Minuten ziehen lassen. Ein Küchentuch in dem Sud einweichen, leicht ausdrücken und in ein zweites trockenes Handtuch einschlagen. Dann den Wickel im Liegen auf den rechten Oberbauch (die Leber) legen, mit Wärmflasche und Wolldecke zudecken. Das fördert die Durchblutung, regt den Stoffwechsel an und entspannt.

Vorsicht: Manche reagieren allergisch auf einige der Pflanzenstoffe, sogenannte Furanocumarine. Deshalb sollte man es vor einer Anwendung testen.

Brennnessel
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Brennnessel
Die Brennnessel ist bei vielen Gärtnern als Unkraut verschrien, doch auch sie besitzt ungeahnte Heilkräfte. Ob Blätter, Wurzel und Blüten: Von der Brennnessel sind alle Teile verwendbar. Zum Beispiel als Tee gegen Blasen- und Prostataleiden. Die harntreibende Wirkung ist pharmakologisch und klinisch belegt. Bei Blasenentzündungen wird der Tee zum Durchspülen verwendet, um die Ausscheidung von Bakterien zu begünstigen. Dazu getrocknetes Brennnessel-Kraut mit heißem Wasser aufgießen, sieben Minuten ziehen lassen und dann als Tee trinken. Bei Prostata-Beschwerden empfiehlt sich ein Sud aus Brennnessel-Wurzel. Der sollte wenigstens eine Stunde lang ziehen. Getrocknetes Brennnessel-Pulver ist gut gegen die Schmerzen bei Rheuma und Arthrose.  Hier greifen die Wirkstoffe der Brennnesselblätter hemmend ein. Vorsicht bei der Zubereitung von frischen Brennnesseln: Eine Berührung kann äußerst schmerzhaft sein. Die berüchtigten Brennhaare sollte man deshalb vorher abbrechen. Dafür die Blätter zwischen zwei Holzbrettern kräftig zerdrücken, so brechen die Nesseln ab und können uns nichts mehr anhaben. Ernten sollte man die Brennnessel am besten, wenn sie noch ganz jung ist. Sie enthalten dann besonders viel Vitamin C, Eisen und Calcium.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 17.08.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2017, 23:10 Uhr