mit roten und orangefarbenen Substanzen gefüllte Petrischalen auf einem DNA-Autoradiogramm
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Hauptsache Gesund | 27.04.2017 | 21:00 Uhr Stammzellenspende: Lebensretter für Karl gesucht

Stammzellen sind die Hoffnungsträger der Medizin. In Zukunft sollen sie Diabetes oder Multiple Sklerose heilen. Momentan werden sie gegen Leukämie und Erkrankungen des Knochenmarks eingesetzt. Doch die Suche nach einem passenden Spender gleicht der Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Es ist ein Albtraum für Betroffene wie die Eltern des zehn Monate alten Karl aus dem sächsischen Werda.

von Jana Olsen

mit roten und orangefarbenen Substanzen gefüllte Petrischalen auf einem DNA-Autoradiogramm
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Der kleine Karl hat schon viel mitgemacht in seinem kurzen Leben: drei Operationen,   Bluttransfusionen und unzählige Untersuchungen. Karl leidet an infantiler Osteopetrose, einer seltenen Knochenstoffwechselkrankheit. Er musste deswegen mehrfach am Kopf operiert werden, weil die Krankheit seine Schädelnähte verknöchern ließ und das Gehirn nicht mehr wachsen konnte. Doch Karl lässt sich nicht unterkriegen. "Wenn es ihm gut geht, ist er ein fröhliches und ausgeglichenes Kind", sagt seine Mutter Vanessa. Und ihr Mann Thomas ergänzt: "Er lacht viel. Er ist wirklich ein Kind, wie man es sich eigentlich wünscht – mit einer Krankheit, die man sich nicht wünscht."

Auf der Suche nach einem Spender

Doch für Karl gibt es nur einen Weg: Er muss einen Lebensretter finden, und zwar so schnell wie möglich. In der Kinderklinik in Ulm wartet die Familie aus dem sächsischen Werda auf die rettende Knochenmarktransplantation – die einzige mögliche Therapie. Für Karl zählt jeder Tag, um seinen aktuellen Gesundheitszustand und seine Sehkraft zu erhalten. Die Eltern sind selbst aktiv geworden und haben auf Facebook die Seite "Kämpfer Karl" eingerichtet. Dort rufen sie zu Typisierungsaktionen auf, bei denen nach Spendern gesucht wird. DAs Echo gibt Karls Vater Hoffnung: "Unvorstellbar, was für eine Resonanz da war im Freundes- und Bekanntenkreis, im ganzen Vogtland und ganz Sachsen. Am Ende ging es bis in die Schweiz und nach Österreich, wo wir Rückfragen zu solchen Typisierungen bekommen haben".

Gleichzeitig läuft beim zentralen Knochenmarkspender-Register in Ulm eine weltweite Suche unter insgesamt 30 Millionen registrierten Spendern. Doch auch wenn es Treffer gibt, müssen diese erst überprüft werden. "Der Datensatz ist im Computer, das ist einfach, eine Sache von Sekunden oder Minuten. Aber natürlich müssen sie im Rahmen der Bestätigung, dass dieser Spender tatsächlich verfügbar ist, alle Daten stimmen und er wirklich in Frage kommt, nochmal eine frische Blutprobe von dem Spender bekommen und untersuchen", erklärt Dr. Dr. Carlheinz Müller, der Leiter des Zentralen Knochenmarkspender-Registers. Der ganze Prozess dauert typischerweise zwischen zwei Wochen und einem Monat. Nach drei Monaten wird auf diesem Weg für 75 Prozent der Patienten ein passender Spender gefunden.

Bangen und hoffen

Nach Wochen des Bangens und Wartens kommt Ende April die erlösende Nachricht: Ein Spender für Karl ist gefunden. Mutter Vanessa bleibt noch vorsichtig: "Man wartet so sehnsüchtig drauf. Aber wenn man die Worte dann hört, dann kann man es in dem Moment gar nicht richtig glauben, dass es so ist. Aber man weiß ja, es könnte noch viel dazwischenkommen. Also, wir freuen uns, aber gemäßigt." Für Karl beginnt jetzt eine harte Zeit. Die Ärzte im Klinikum bereiten die Transplantation für Ende Mai vor. Die wird sehr anstrengend für den Kleinen. Doch aufgeben kommt nicht in Frage. Die Eltern hoffen, dass für ihren kleinen Kämpfer alles gut ausgeht.

Die wichtigsten Informationen zur Stammzellenspende

Wie kann man spenden?
Das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland wurde 1992 gegründet. Seitdem haben sich rund sieben Millionen Spender dort registrieren lassen. Damit ist es das größte Spender-Register in Europa. Dennoch ist es oft schwer und langwierig, einen passenden Spender für betroffene Patienten zu finden. Für sie ist eine Transplantation von Knochenmark oder Blutstammzellen oft die einzige Chance, zu überleben.

Im Rahmen einer Typisierungsaktion nimmt eine Ärztin in einer Schule von einem potentiellen Knochenmarkspender eine Blutprobe
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Wer kann spenden?
Jeder zwischen 18 und 55 Jahren kann Stammzellen spenden. Es werden insbesondere jüngere Spender gesucht, da sie seltener wegen gesundheitlicher Probleme ausgeschlossen werden müssen und die Transplantationen mit ihnen unproblematischer verlaufen. Spätestens an seinem 61. Geburtstag wird ein Spender aus dem Zentralregister genommen.

Wo kann man sich typisieren lassen?
Man kann zu einer der 26 sogenannten Spenderdateien gehen oder sich das Typisierungsset kostenlos per Post nach Hause schicken lassen. Die Adressen findet man auf der Website des Zentralen Knochenmarkspenderregisters.

Wie läuft eine Typisierung ab?
Die Typisierung erfolgt entweder in Form einer kleinen Blutprobe oder mittels einer Speichelprobe, die durch einen Abstrich an der Wangenschleimhaut gewonnen wird. Die Wahrscheinlichkeit zu weiteren Untersuchungen gebeten zu werden, liegt bei zehn Prozent. Nur etwa ein Prozent der registrierten Spender spenden tatsächlich Blutstammzellen.

Wie werden Stammzellen gespendet?
Es gibt zwei Möglichkeiten. Bei der Knochenmarkspende wird unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenknochen des Spenders entnommen. Die Entnahme dauert etwa eine Stunde. In der Regel kann der Spender einen Tag nach dem Eingriff das Krankenhaus wieder verlassen.

Bei der peripheren Blutstammzellspende wird dem Spender für fünf Tage ein Wachstumsfaktor verabreicht. Dieser bewirkt den Übergang von Blutstammzellen ins Blut. Diese werden dann dem Spender ähnlich wie bei einer Dialyse ambulant entnommen. Das dauert etwa drei bis vier Stunden.

Mit einer Spritze wird nach der Geburt eines Kindes Blut zur Gewinnung von Stammzellen aus einer Nabelschnur entnommen.
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Wofür ist Nabelschnurblut gut?
ImNabelschnurblut eines Kindes sind Millionen Stammzellen enthalten. Diese können nach der Geburt entnommen und eingelagert werden. Genau wie die Blutstammzellen von Erwachsenen können sie schwer kranken Patienten transplantiert werden. Mit der Entbindungsklinik kann man vor der Geburt die Möglichkeiten einer Nabelschnurblutspende und die Bedingungen der Einlagerung in einer Nabelschnurblutbank klären.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" in der Sendung vom 27.04.2017, 21:00 Uhr, im MDR FERNSEHEN.

Zuletzt aktualisiert: 28. April 2017, 10:02 Uhr