Haferpflanzen
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Hauptsache Gesund | 24.08.2017 | 21:00 Uhr Hafer: Vom Pferdefutter zum Superfood

Bei Hafer denken viele an Haferschleim aus Kindheitstagen – oder an Pferdefutter. Doch er gehört sowohl in den Alltag als auch in die Hausapotheke, denn Hafer ist Superfood und zugleich Arzneipflanze 2017.

von Barbara Legner-Meesmann

Haferpflanzen
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Hafer gehört wie Roggen und Gerste zu den Süßgräsern. Im Gegensatz zu den anderen Getreidearten trägt der Hafer seine Körner jedoch nicht in Ähren, sondern in den charakteristischen zarten Rispen. In Mitteleuropa wird Hafer – genauer der Saathafer – schon seit rund 5.000 Jahren angebaut. Ein großer Teil der Ernte dient als Tierfutter. "Dabei sollten lieber die Menschen den Hafer essen", sagt die Ernährungsberaterin und Hauptsache-Gesund-Expertin Nicole Lins. Denn Hafer enthält nicht nur viele B-Vitamine (B1, B2, B3, B5 und B6) sowie Folsäure und Vitamin E, sondern auch Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium oder Zink und wichtige Aminosäuren.

Besondere Ballaststoffe

Aus einem umgekippten Glas rieseln geschälte Haferkörner heraus.
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Hafer ist besonders reich an Ballaststoffen. Wiederum gut die Hälfte davon besteht aus langsam verdaulichen Kohlehydraten, den Beta-Glucanen. Sie haben eine ganze Reihe von positiven Effekten für den Verdauungstrakt und den Stoffwechsel, wie Forscher in den letzten Jahren herausgefunden haben. So können die Beta-Glucane unter anderem etwa Gallensäure binden. Das führt zur Ausscheidung von Cholesterin, was den Gesamtcholesterinspiegel und vor allem den Anteil des schädlichen LDL-Cholesterin senkt.

Hafer hilft bei Diabetes

Vor der Erfindung des künstlichen Insulins wurde in der Behandlung von Diabetes stark auf Haferkost gesetzt. Üblich war, dass Patienten eine mehrtägige Haferkur machten, in der sie nur Haferbrei und vor allem Gemüse aßen. Daraufhin ging der Blutzuckerspiegel für eine Weile nach unten. Zwischenzeitlich waren diese sogenannten Hafertage in Vergessenheit geraten. "Dabei sind sie vor allem bei Patienten mit einem Diabetes Typ II und einer Insulin-Resistenz sinnvoll", sagt Diabetes- und Ernährungsberaterin Mandy Uysal vom Ameos-Klinikum Halberstadt. Hier setzt man in diesen Fällen bereits seit den 1990-er Jahren wieder auf "Hafertage" und erzielt damit gute Erfolge.

Bei einer Wochenend-Kur gibt es zwei Tage lang nur in Gemüsesaft oder -brühe aufgelöste Haferflocken und rohes Gemüse. Scharfe Gewürze wie Pfeffer und Salz sind tabu. Das ist für viele gewöhnungsbedürftig, aber die Haferkost macht in jedem Fall satt wird. Diabetes-Patienten, die durchhalten, werden belohnt: Ihre Blutzuckerwerte gehen in der Regel deutlich nach unten. Auch dieser Effekt geht übrigens auf die Beta-Glucane zurück. Sie bilden im Magen und im Dünndarm eine zähflüssige Konsistenz. Dadurch werden die Nährstoffe langsamer vom Körper aufgenommen, wodurch wiederum der Blutzuckerspiegel schwächer und langsamer ansteigt.

"Eine solche Haferkur funktioniert bei der großen Mehrheit der Typ-II-Diabetiker und kann den Insulinbedarf um bis zu 50 Prozent senken", sagt Diabetesberaterin Mandy Uysal. Voraussetzung sei aber, dass die Hafertage regelmäßig – etwa einmal im Monat – durchgeführt werden. Theoretisch könne jeder eine Haferkur machen,  allerdings sollten Diabetiker sie nur nach Absprache mit ihrem behandelnden Arzt oder einer Diabetesberaterin machen.

Hafer gegen gereizte Haut

Hafer
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In der Naturheilkunde wird das Haferkraut schon seit langem zur Behandlung gereizter Haut eingesetzt. Dazu wird Hafer vor der Blüte geerntet. Dann ist sein Kraut besonders reich an Mineralstoffen und entzündungshemmenden Flavonoiden. Extrakte des Haferkrauts werden dann bei geröteter, gereizter und schuppender Haut eingesetzt. Auch Haferstroh wird eine ähnliche Wirkung nachgesagt. Bäder mit Haferstroh sollen bei Hautverletzungen helfen und Juckreiz stillen.

Wegen seiner positiven Auswirkungen auf die Gesundheit wurde der Saathafer von einer Arbeitsgruppe der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 ernannt.

Haferflocken: Grob oder fein?

Um Haferflocken zu erhalten, wird das Haferkorn platt gewalzt. Drei Varianten gibt es:

Auf einem Brett stehen drei Schälchen mit jeweils unterschiedlichen Arten von Haferflocken.
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  • Kernige Haferflocken: Sie werden aus den ganzen Kernen gewalzt.
  • Zarte Haferflocken: Hier werden die Haferflocken zunächst in kleine Stücke geschnitten und dann gewalzt.
  • Schmelzflocken: Sie werden aus Hafermehl hergestellt.

Hafer und Johannisbeere
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Wer sich partout nicht für ein Müsli oder Haferbrei begeistern kann, kann trotzdem die gesunden Hafer-Ballaststoffe in seine Ernährung einbauen: nämlich mit Haferkleie. Sie besteht größtenteils aus den Randschichten des Haferkorns und enthält daher besonders viel von den gesunden Hafer-Ballaststoffen. Die Kleie wird als Grieß oder als lösliche Flocken angeboten, die man auch einfach in Suppen oder Saucen mit einrühren kann.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 24. August 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2017, 12:31 Uhr

Superfood-Hafer
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Haferkur
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