Eine Tasse Tee mit Zitronenscheibe auf grünem Schal.
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Hauptsache Gesund | 10.11.2016 | 21:00 Uhr Tee: Fast vergessene Schätze

Tee aus Heilkräutern kann mehr als nur wärmen. Er kann Medizin sein und helfen, gesund über den Winter zu kommen. Allerdings entfaltet er seine Wirkung nur unter bestimmten Voraussetzungen. Die Qualität der Teekräuter ist dafür genauso wichtig wie die richtige Zubereitung. Nur wenige Menschen kennen heute noch die wunderbaren Wirkungen von Arzneipflanzen. Wir haben Ernährungsberaterin Nicole Lins gefragt, worauf wir achten sollten, damit ein Tee ein wertvolles Lebensmittel ist.

Eine Tasse Tee mit Zitronenscheibe auf grünem Schal.
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Welche wohltuenden und heilenden Tees empfehlen Sie für die kalte Jahreszeit?

Meine persönliche Empfehlung bei Erkältung ist eine Mischung aus Lindenblüten (fürs Schwitzen) gemischt mit Thymian, der desinfizierend wirkt und den Schleim in den oberen Atemwegen löst. Als Drittes dazu Mädesüß, ein Heilkraut, das weniger bekannt ist. Es wird auch "Kopfwehpflanze" genannt, weil sie sehr gut  gegen Kopfschmerzen, aber auch gegen Gliederschmerzen und Fieber wirkt. Salbei würde ich hier gern erwähnen, da er bei Halsschmerzen tolle Dienste leistet. Salbei legt sich wie ein Film auf die entzündeten Bereiche in Hals und Rachen. Man kann ihn auch lauwarm zum Gurgeln verwenden. Er hat Inhaltsstoffe, die antibakteriell und antiviral wirken, außerdem Gerbstoffe. Sie ziehen die Schleimhaut zusammen, sodass Erreger nicht mehr so gut angreifen können.

In Drogerien und Supermärkten kann man fertige Teemischungen kaufen. Was halten Sie davon?

Eine fertige Mischung zu kaufen ist natürlich einfach. Außerdem weisen Namen, wie "Erkältungstee" oder "Hals- und Rachentee" oft schon darauf hin, wofür ein Tee geeignet sein soll. Das Problem ist nur: Meist sind diese Tees in Teebeutel verpackt. Die Kräuter darin sind fein zerkleinert. Man nennt das auch "gebrochen". Aus jedem Bruch des Blattes treten Aromastoffe aus. Wenn Sie den Tee sofort nach dem Zerkleinern frisch aufbrühen, ist das vorteilhaft für das Aroma.

Aber leider haben die meisten Fertigtees lange Transport – und Lagerzeiten hinter sich. Bis Sie Ihren Tee zubereiten, sind die Aromastoffe verflogen und ein Teil der Wirkstoffe auch, derentwegen Sie den Tee ja eigentlich gekauft haben. Aus dem gleichen Grund verwendet man in der modernen Küche inzwischen gern frischen Pfeffer aus der Mühle. Der ist aromatischer als fertig gemahlener Pfeffer, der lange gelagert wird. Machen Sie mal das Experiment: Bereiten Sie zum Beispiel einen Pfefferminztee im Teebeutel zu und daneben einen aus losen Pfefferminzblättern oder sogar aus frischer Minze. So unterschiedlich wie der Geschmack ist auch die Wirkung für Ihre Gesundheit.

Sollte man eher frische Kräuter verwenden oder getrocknete?

Der Winter ist nicht die Jahreszeit für frische Kräuter. Für viele Heilpflanzen ist es ohnehin besser, wenn man sie trocknet. Ihre Wirkstoffe sind dann in konzentrierter Form vorhanden und lösen sich auch leichter. Ein weiterer Vorteil: Für einen Tee aus getrockneter Minze zum Beispiel benötigen Sie weniger Pfefferminzblätter, als wenn Sie den Tee aus frischen Blättern in der gleichen Stärke herstellen wollen. Faustregel ist: eine Hand voll frischer Blätter pro Liter. Faustregel für getrocknete Blätter: 1 bis maximal 3 Esslöffel pro Liter.

Ingver
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Was man jetzt aber sehr gut machen kann, ist ein Tee aus frischem Ingwer. Viele Ältere wissen nicht, was man mit diesen merkwürdigen Knollen anfangen kann. Ingwer wächst in Südostasien, ist vermutlich deshalb ein beliebtes Gewürz in der asiatischen Küche. Er schmeckt leicht scharf, ein bisschen wie Pfeffer und er hat auch heilende Wirkung: Er lindert Schmerzen, hilft bei Reiseübelkeit und regt die Verdauung an. Der Energiefluss im Körper wird gefördert und der Stoffwechsel dabei angeregt. Man findet ihn heute in fast jeder Gemüseabteilung der Supermärkte.

Die Zubereitung ist einfach: Wer die typische Schärfe des Ingwers weniger mag, schneidet die Knolle in dünne Scheiben, ohne sie vorher zu schälen, übergießt sie mit sprudelnd heißem Wasser und lässt sie mindestens 10 Minuten ziehen. Wer die gesundheitsfördernde Wirkung steigern möchte, kann die Knolle auf einer Küchenreibe zerkleinern und dann etwa 10 Minuten leicht köcheln. Ich verfeinere den Sud gern mit einer Zimtrinde oder einer frischen Orange. Oder auch mit Honig.

Warum wird empfohlen, etwas Honig in den Tee zu geben?

Er wirkt antibakteriell. Man vermutet, dass die von Bienen produzierten Enzyme diese Wirkung haben. Diese positive Eigenschaft hat der Honig aber nur, wenn er nicht wärmebehandelt ist und nicht in sehr heißen Tee gegeben wird. Honig sollte man nur hinzugeben, wenn der Tee schon etwas abgekühlt ist.

Was ist bei der Zubereitung zu beachten?

Will man die Wirkstoffe optimal herauslösen, sollte man nicht einfach jedes Kraut mit heißem Wasser übergießen. Es gibt Inhaltsstoffe, die werden bei großer Hitze zerstört. Andere lösen sich erst nach längerer Zeit. Grundsätzlich gibt es drei Arten der Zubereitung, je nachdem ob es sich um Wurzeln, Samen, Blüten oder Blätter handelt.

Alle Blätter werden mit sprudelnd heißem Wasser übergossen. So werden eventuell darin befindliche Mikroorganismen abgetötet, die sich in Naturprodukten immer befinden können. Anschließend 5 bis 8 Minuten ziehen lassen. Loser Tee sollte zwischendurch umgerührt werden.

Samen wie den Fenchel lässt man köcheln. Fenchelsamen lindern – als Tee – Blähungen und Völlegefühl, helfen aber auch bei Husten und Erkältung. Das Überbrühen allein würde die ätherischen Öle nicht lösen. Dieser Vorgang braucht einige Zeit, etwa 10 Minuten. Wichtig: Topfdeckel drauf, damit die sehr flüchtigen ätherischen Öle nicht gleich wieder mit dem Dampf entweichen. Man will sie ja nachher im Sud haben.

Die meisten Wurzeln werden kalt angesetzt. Das Köcheln würde die Wirkstoffe zerstören. Ein Beispiel: Eibischwurzel unterdrückt den lästigen Hustenreiz. Am Abend mit kaltem Leitungswasser übergießen, über Nacht stehen lassen. Am nächsten Morgen dann auf Trinktemperatur erwärmen. Nicht kochen! In der Thermoskanne kann ich das Ganze warm halten und über den Tag verteilt trinken.

Soll man Kräutertee täglich trinken?

Eine Tasse Kräutertee mit Thymianstengeln
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Heilkräuter werden unter dem Oberbegriff "Drogen" gehandelt. Daher auch das Wort "Drogerie". Man weiß von sogenannten "harten Drogen", dass der Körper sich daran gewöhnt, sodass man nach einer gewissen Zeit immer mehr davon braucht, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Ähnlich ist das auch mit Heilkräutern. Man kann durchaus eine Teekur machen und den Tee täglich trinken. Aber nach etwa drei Wochen sollte eine Pause gemacht werden oder zu einem anderen Tee gewechselt werden. So gewöhnt sich der Körper nicht daran und die Wirkung bleibt erhalten.

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2016, 13:39 Uhr