Tennisspieler in der Halle.
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Hauptsache Gesund | 14.09.2017 | 21:00 Uhr Tennisarm: Wenn jeder Handgriff schmerzt

Ein Tennisarm quält längst nicht nur Tennisspieler. Auch Handwerker, Musiker oder Büroarbeiter kann es treffen. Die Sehnenreizung am Ellenbogen kann äußerst schmerzhaft werden und sich lange hinziehen.

von Jana Olsen

Tennisspieler in der Halle.
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Ob Unkraut zupfen, Schrauben drehen, stundenlanges Tippen und Klicken mit der Computermaus – oder eben Tennis spielen: All das kann Auslöser für einen Tennisarm sein. Zu den Beschwerden kommt es, wenn der Arm immer wieder auf die gleiche Art und Weise bewegt wird. Die Überlastung der Muskulatur führt zu einer schmerzhaften Entzündung des Sehnenansatzes im Ellenbogen. Auch einige Vorerkrankungen wie ein Ellenbogenbruch oder eine Arthrose können die Entstehung begünstigen. Aber wie lassen sich die die Schmerzen wieder los zu werden? Mit folgenden Methoden:

Schonen

Zunächst gilt es, unbedingt die einseitigen Belastungen zu vermeiden. Versuchen Sie, den Unterarm, so oft es geht, zu entlasten und zu schonen.  Spezielle Bandagen, sogenannte Epicondylitis-Bandagen, dämpfen Vibrationen am Ellenbogen und helfen, ihn ruhig zu stellen und Schmerzen zu lindern. Kühlpacks auf dem Ellenbogen lindern die Entzündung.

Medikamente und Spritzen

Eine Spritze liegt neben einem Tablettenblister.
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In der Akutphase helfen entzündungshemmende Medikamente. Sie können als Salbe auf die Haut aufgetragen, als Tablette eingenommen oder direkt ins Gelenk gespritzt werden. Wirkstoffe wie Ibuprofen, Paracetamol oder Diclofenac kommen bei leichten Beschwerden zum Einsatz. Kortison wird in der Regel nur bei starken Beschwerden eingesetzt. Der Langzeitnutzen dieser Therapie ist jedoch umstritten.

Physiotherapie

Kinesiotape auf einem Tennisarm.
In einigen Fällen kann auch tapen hilfreich sein. Bildrechte: IMAGO

Der Gang zur Physiotherapie kann sich mehr als lohnen. Zum einen kann der Physiotherapeut mit speziellen Massagegriffen die verspannten Sehnen und Muskeln um das Gelenk wieder lockeren.  Zum anderen kann er prüfen, ob die Ursache für den Tennisarm tatsächlich im Ellenbogen sitzt oder vielleicht schon mit einer Fehlhaltung in der Halswirbelsäule ihren Anfang genommen hat. Darüber hinaus kann er gute Tipps für wichtige Dehnungsübungen für zu Hause geben.

Stoßwellentherapie

Das Verfahren stammt eigentlich aus der Urologie, wo es eingesetzt wird, um kleine Nierensteine zu zertrümmern. Beim Tennisarm dient es dazu, die Durchblutung anzuregen und die Entzündung einzudämmen. Die Stoßwelle erzeugt dabei einen kurzen Druckimpuls. Das ist durchaus schmerzhaft. Innerhalb von zehn Minuten werden 3.000 solcher Impulse auf den Ellenbogen gegeben. Doch obwohl viele Patienten gute Erfahrungen mit der Stoßwellentherapie  gemacht haben, zahlen die Krankenkassen die Behandlung nicht, weil die Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist. Eine Sitzung kostet zwischen 80 und 90 Euro. Schon nach der zweiten Sitzung sollte sich der Schmerz im Ellenbogen deutlich reduziert haben. Meist sind drei bis fünf Behandlungen für ein optimales Ergebnis der Stoßwellentherapie notwendig.

Lasertherapie

Hand mit Maus am Laptop
Auch Computerarbeit kann zu einem Tennisarm führen. Bildrechte: colourbox.com

Hiermit soll das Gewebe am Ellenbogen angeregt werden,  Endorphine auszuschütten und so die Schmerzen zu reduzieren. Für die Behandlung müssen Schutzbrillen getragen werden. Von der Therapie selbst merkt man relativ wenig, manchmal ein kleines Kribbeln. Die Behandlung dauert 15 bis 20 Minuten. Nach sechs bis acht Sitzungen, die innerhalb von etwa vier Wochen erfolgen sollen, müsste eine spürbare Schmerzlinderung eingetreten sein. Auch diese Behandlung ist eine Selbstzahlerleistung und kostet zwischen 15 und 25 Euro. Bei Privatpatienten werden die Kosten der orthopädischen Lasertherapie in Einzelfällen übernommen.

Schockeisbehandlung

"Cryo and Stretch" heißt die Schockeisbehandlung im Original. Das bedeutet in etwa "Vereisen und Dehnen" und umschreibt das Verfahren aus den USA am besten. Entdeckt hat die Schockeistherapie die Leibärztin von John F. Kennedy. Bei der Behandlung wird ein bestimmter Schmerzpunkt, ein sogenannter Triggerpunkt, kurz vereist. Danach wird die Muskulatur des Arms stark gedehnt. Auch diese Therapie wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Pro Sitzung muss man mit etwa 22 Euro rechnen.

Operation

Skalpell
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Eine chirurgische Lösung sollte der letzte Schritt sein, wenn alle anderen Therapien über Monate nicht geholfen haben. Je nach OP-Methode werden dabei Sehnen oder Nerven im Ellbogenbereich eingekerbt beziehungsweise durchtrennt, um die Schmerzleitung zu unterbrechen. Der chirurgische Eingriff bringt in etwa 80 Prozent der Fälle Besserung. Eine Operation birgt aber immer auch Risiken wie Wundheilungsstörungen, Infektionen oder kurzzeitige Taubheitsgefühle.

Fazit

Die Therapie eines Tennisarms braucht oft viel Geduld. Meist hilft nur das Zusammenspiel aus Schonung, entzündungshemmenden Medikamenten, guter Physiotherapie, ergänzenden Therapien und fleißigen Übungen zu Hause.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. September 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2017, 06:55 Uhr