Ein Golden Retriver zähnefletschend mit abstehenden ohren
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Hauptsache Gesund | 10.08.2017 | 21:00 Uhr Vorsicht bei Tierbissen!

Katzenbisse sehen oft harmlos aus, können aber zu einer schweren bakteriellen Infektion führen. Die kann dramatische Folgen haben, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Wir erklären, was bei Tierbissen zu tun ist.

von Beate Splett

Ein Golden Retriver zähnefletschend mit abstehenden ohren
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Katzenbiss oder Hundebiss?

Die häufigsten Tierbisse stammen von Katzen und Hunden. Doch die Tiere beißen nicht in gleicher Weise zu. Wir erklären die wichtigsten Unterschiede:

Eine Katze beißt in eine Hand
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Hundebisse zerstören oft großflächig Gewebe, da sie mit ihren Zähnen eher reißen. Dafür sind die Wunden in den meisten Fällen nicht so tief. Nur rund 20 Prozent aller Hundebisse infizieren sich.

Nach Katzenbissen bleiben oft kaum sichtbare Verletzungen. Dafür sind sie meist sehr tief. An den Zähnen haftende Keime dringen in diese tiefen Schichten der Haut ein und können sich dort ausbreiten. Deshalb liegt das Infektionsrisiko bei Katzenbissen mit rund 50 Prozent deutlich höher.

Bei diesen Symptomen sofort zum Arzt!

Wegweiser zur Notfallambulanz
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Das sind die wichtigsten Alarmsignale nach einem Tierbiss:

  • Schwellungen
  • Rötungen
  • Schmerzen
  • Pochen im Finger oder der ganzen Hand

Jetzt heißt es: Schnellstens zum Arzt! Oft muss infiziertes Gewebe chirurgisch entfernt werden. Da es sich dabei um einen chirurgischen Notfall handelt, sollte auf schnellstem Wege die Notfallambulanz eines Krankenhauses aufgesucht werden.

Erste-Hilfe-Maßnahmen zu Hause

Die Wunde sollte zuerst gründlich mit Wasser gereinigt werden und dann mit einem lokalen Antiseptikum, etwa einem alkoholfreien Desinfektionsspray aus der Apotheke, versorgt werden. Anschließend wird sie mit einem sterilen Verband aus dem Verbandskasten abgedeckt. Sie sollte aber nicht komplett luftdicht verschlossen werden. Tabu sind Hausmittel wie Zwiebeln, Alkohol oder Jod zum Desinfizieren!

Operiert nach Hundebiss

Frank Wege wollte seinem Hund nur helfen. Mischling Finn hatte sich bei einem Spaziergang einen Angelhaken in die Pfote getreten. Der muss bei der Tierärztin entfernt werden. Das Tier ist aufgeregt und hat Schmerzen – und beißt sein Herrchen, als es ihn festhalten will, in die Hand.

Die Wunde ist nicht groß und blutet auch nicht. Die Tierärztin empfiehlt Frank Wege dennoch, gleich zum Arzt zu gehen, falls die Hand dick wird. Noch am selben Abend fühlt sich der 61-Jährige unwohl. Seine linke Hand wird heiß und schwillt an. Er hört auf den Rat der Tierärztin und fährt ins nächstgelegene Krankenhaus nach Merseburg. Dort erkennt man den Ernst der Situation und schickt ihn zu den Handspezialisten am Berufsgenossenschaftlichen Klinikum Bergmannstrost in Halle.

Medizinische Verbandsutensilien
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Hier wird Frank Wege innerhalb von zwei Tagen gleich zweimal operiert. Die Keime der Hundezähne sind tief in die Haut eingedrungen und haben dort eine Infektion verursacht, die sich schnell ausbreitet. Zuerst wird die Wunde gereinigt und infiziertes Gewebe chirurgisch entfernt. Dann gibt es zunächst einen antiseptischen Verband. Zwei Tage später wird die Wunde mit einer Naht verschlossen. Über einen Tropf bekommt Frank Wege zusätzlich Antibiotika, anschließend Lymphdrainagen zum Abschwellen der Hand und Ergotherapie, um die Beweglichkeit wieder herzustellen. Drei Monate ist das inzwischen her. Frank Wege hatte Glück. Sowohl er als auch seine Ärzte haben alles richtig gemacht. Eine Narbe an der linken Hand wird er zwar behalten, aber die Infektion ist erfolgreich überstanden. Und auch Hund Finn hat er inzwischen längst verziehen.

Der Biss des Dornfingers

Dornfingerspinne (Cheiracanthium punctorium), am Gespinstsack an einem Blatt
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Die häufigste einheimische Giftspinnenart ist neben der meist harmlosen Kreuzspinne der Dornfinger, auch Ammen-Dornfinger genannt. Die aus dem Mittelmeerraum stammende Spinne breitet sich auch in Deutschland immer stärker aus und bewohnt Wiesen und Wegesränder. Der Biss des Dornfingers ist auf der Haut nur unter einer Lupe zu erkennen und mit einem Wespenstich vergleichbar. Selten treten Symptome wie Schmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Schwindel oder Übelkeit auf. Die Wunde sollte nicht aufgekratzt werden, damit sie sich nicht entzündet. Der Biss ist nicht lebensgefährlich, kann sich aber infizieren oder heftige allergische Hautreaktionen durch das Gift hervorrufen. Man sollte die Reaktion genau beobachten und bei starken Anzeichen sicherheitshalber zum Arzt gehen. Da die Spinne nur kleine Mengen Gift abgibt, bleibt es meist bei einer lokalen Ausbreitung im Gewebe. Ein Gegengift ist nicht notwendig.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 10.08.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2017, 22:49 Uhr

Experte im Studio

Experte im Studio

Prof. Dr. med. Frank Siemers,
Direktor der Klinik für Plastische und Handchirurgie und Brandverletztenzentrum am Brufsgenossenschaftlichen Klinikum Bergmannstrost Halle