eine 3-D-Grafik der Nieren
Bildrechte: colourbox

Hauptsache Gesund | 08.12.2016 | 21:00 Uhr Unerkannt Nierenkrank

Bei zwei Millionen Menschen in Deutschland arbeiten die Nieren nicht richtig. Laut einer aktuellen Studie unter Leitung des Uniklinikums Halle kommt es sogar noch dicker: Etwa zwei Drittel wissen davon gar nichts! Das Problem: Eine Nierenschwäche verläuft lange ohne Symptome

eine 3-D-Grafik der Nieren
Bildrechte: colourbox

Die Nieren sind die Kläranlage unseres Körpers. Unglaubliche 1.800 Liter Blut fließen täglich durch die kleinen Organe. Die Nieren wirken dabei wie ein Filter und reinigen unser Blut. Dabei sind sie nur etwa neun bis zwölf Zentimeter lang und wiegen zusammen nur rund 300 Gramm.

Nieren leiden stumm

Während Nierensteine oder Nierenbeckenentzündungen teils heftige Schmerzen machen, verursacht eine der häufigsten Nierenerkrankungen, die chronische Nierenschwäche, anfangs gar keine Beschwerden. Die Leistung der Niere nimmt dann kontinuierlich ab, ohne dass sich Symptome zeigen. "Erst neulich hatten wir wieder einen Patienten, der kam vormittags zum Blut-Abnehmen in die Praxis und abends hing er an der Dialyse, weil seine Werte so schlecht waren", berichtet Nierenspezialist Dr. Thomas Dietz. Erst kurz vor einem Nierenversagen zeigen sich unspezifische Symptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Antriebsschwäche oder Schwindel. Wenn beide Nieren komplett versagen, lagert sich Wasser in den Beinen und der Lunge ein. Bekommt der Patient dann keine Dialyse, verläuft ein Nierenversagen tödlich. Rund 80.000 Menschen in Deutschland sind derzeit dauerhaft dialysepflichtig. Etwa 23.000 leben mit einer Spenderniere.

Medikamente Gefahr für die Nieren

Doch viele Faktoren, die zu einem lebensbedrohlichen Nierenversagen führen, sind vermeidbar. "Ein häufiger Grund für schlechte Nierenwerte ist die Einnahme von Schmerzmitteln. Die weit verbreitete Meinung, dass frei verkäufliche Medikamente aus der Apotheke ungefährlich sind, ist leider falsch", warnt Dr. Dietz. Problematisch sind vor allem sogenannte NSAR-Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen. "Die Einnahme sollte ohne ärztliche Rücksprache nicht mehr als zwei Wochen betragen", empfiehlt Dr. Dietz. Außerdem schaden ein hoher Blutdruck und schlecht eingestellte Blutzuckerwerte den Nieren. So haben Diabetiker und Bluthochdruckpatienten ein dreifach höheres Risiko für eine chronische Nierenschwäche. Doch beide Erkrankungen lassen sich heute gut behandeln, sodass negative Folgen für die Nieren abgewendet werden können.

Vorsorge schützt die Nieren

Alle zwei Jahre hat jeder gesetzlich Versicherte über 35 Anspruch auf den von den Krankenkassen bezahlten Gesundheitscheck. Dabei wird auch die Gesundheit der Nieren überprüft. Ein Urinschnelltest gibt

Aufschluss über den Eiweißgehalt im Urin. Ist der Wert erhöht, kann das auf eine Nierenschädigung hinweisen. Bei der Kontrolle der Blutwerte kann festgestellt werden, ob sich Kreatinin im Blut angereichert hat. Je höher der Wert ist, desto schlechter ist die Filterfunktion der Nieren. Und schließlich kann mittels einer Ultraschalluntersuchung die Nierengröße und die Beschaffenheit des Nierengewebes bestimmt werden. All diese Maßnahmen helfen, eine Nierenschwäche frühzeitig zu erkennen und langfristige Schäden zu vermeiden.

Nierentransplantation mit OP-Roboter

Bei Nierenversagen hilft im schlimmsten Fall nur eine Transplantation. Eine Nierentransplantation mit einem OP-Roboter gelang in Mitteldeutschland zum ersten Mal am Uniklinikum in Halle. Eine medizinische Revolution.

Der Operateur sitzt gut drei Meter vom Patienten entfernt und ist doch viel näher dran. Wie an einer Spielkonsole steuert er sein OP-Werkzeug über Joysticks. Auf seinem Monitor sieht er kleinste Gefäße und Nerven bis zu zehnfach vergrößert. Die Patienten können so viel schonender operiert werden, sind schneller wieder fit und haben weniger Schmerzen sowie kleinere Narben.

"Das ist ein Quantensprung in der operativen Medizin", freut sich Professor Paolo Fornara, Direktor der Klinik für Urologie am Uniklinikum Halle. "In Europa wurden erst etwa 30 dieser roboterassistierten Eingriffe durchgeführt." Halle ist neben Homburg/Saar der zweite Standort in Deutschland, an dem diese minimal-invasive Technik zum Einsatz kommt.

Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation.
Bildrechte: IMAGO

Der Operations-Roboter "Da Vinci" wurde bisher vorwiegend bei Prostata-Operationen eingesetzt. Bei den ersten nierentransplantierten Patienten handelte es sich um eine 32-jährige Frau und einen 37-jährigen Mann. Sowohl Spender als auch Empfänger haben die Eingriffe erfolgreich überstanden. "Wir sind stolz darauf, dass wir europaweit zu den ersten Operateuren gehören, die diese neue Technik einsetzen und sogar noch weiter entwickeln konnten. Wir glauben, sie wird in Zukunft unaufhaltsam sämtliche Bereiche der Medizin revolutionieren", urteilt Professor Fornara.

Doch was, wenn der OP-Roboter mal ausfällt – wie der Computer zu Hause? "Das System wurde ursprünglich für das Militär entwickelt. Hier sind doppelte Sicherungen integriert. Wenn der Super-GAU einträte und er gar nicht mehr ginge, dann müsste man abdocken und würde weiter klassisch operieren", beruhigt Dr. Karl Weigand, der Leiter des Nierentransplantationsprogramms.

Weitere Infos

Selbsthilfegruppen
Viele Informationen zu Nierenerkrankungen und Kontakt zu anderen Betroffenen bietet der Bundesverband Niere e.V. unter: www.bundesverband-niere.de

Informationsfilme
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie zeigt auf ihrer Website anschauliche Informationsfilme für Patienten: www.dgfn.eu

Deutsche Nierenstiftung
Umfangreiches Informationsmaterial und neue Forschungsergebnisse zu Nierenerkrankungen unter: www.nierenstiftung.de

Nierentelefon: 0800 248 48 48
Das gebührenfreie Beratungstelefon ist eine Gemeinschaftsaktion des Verbandes Deutsche Nierenzentren e.V. und des Bundesverbandes Niere. Immer mittwochs von 16 bis 18 Uhr beantworten Experten medizinische und sozialrechtliche Fragen (Reha-Bewilligungen, Fahrtkosten, Zuzahlungen).

Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2016, 07:51 Uhr