Kleines Mädchen im Urlaubsstress bei der Abreise aus einem Hotel, 2007
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Hauptsache Gesund | 15.06.2017 | 21:00 Uhr Krank und gestresst im Urlaub?

Urlaub soll der Entspannung dienen. Doch für viele sind die Urlaubsvorbereitungen der pure Stress. Und einige werden sogar krank, sobald sie die Anspannung des Alltags hinter sich lassen. Wie kommt das?

von Beate Splett

Kleines Mädchen im Urlaubsstress bei der Abreise aus einem Hotel, 2007
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Leisure Sickness – Wenn Urlaub krank macht

Endlich Zeit um zu reisen, zu relaxen, Spaß zu haben. Aber leider auch oft Zeit, um endlich krank zu sein. Gerade im Urlaub angekommen und schon liegt man mit Fieber im Hotelbett. Ein seltsames Phänomen, das gar nicht so selten ist.

Der Gesundheitsforscher Professor Ad Vingerhoets aus den Niederlanden hat das Problem erstmals wissenschaftlich beschrieben. Seine Erklärung: „Wir haben es Leisure Sickness genannt, Freizeitkrankheit. Es gibt zwei Typen: zum einen Menschen, die sich schwach und krank fühlen, und zum anderen die, die tatsächlich krank werden, mit Schmerzen, Grippe, Erkältung und auch Fieber.“

Schilder auf Fuerteventura-Süd weisen auf deutschen Arzt hin
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Vor allem die ersten beiden Ferientage machen den meisten zu schaffen. Der Körper ist dann für Krankheiten anfälliger als sonst. Schuld ist vor allem ein Hormon, das wir im stressigen Alltag im Überfluss produzieren. „Wenn wir angestrengt arbeiten, egal ob körperliche Arbeit oder geistige Arbeit, produzieren wir das Stresshormon Adrenalin. Bei langanhaltendem Stress wird Adrenalin aber auch dann gebildet, wenn wir es eigentlich nicht benötigen: wenn wir ausruhen oder schlafen. Dieses hormonelle Ungleichgewicht schwächt das Immunsystem“, weiß Stressforscher Vingerhoets. Betroffen sind Perfektionisten, die immer und überall Volldampf geben: beim Sport, im Haushalt, mit der Familie oder bei der Arbeit. Laut der niederländischen Studie betrifft das 3,2 Prozent der Befragten. Abschalten fällt ihnen ganz besonders schwer.

Urlaubsreif? Einfach mal abschalten!

Fluggäste bei der Gepäckabgabe im Köln Bonn Airport, 2016
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Eine Auszeit kann nachweislich medizinische Beschwerden reduzieren, wenn sie erholsam ist. Doch egal, wie weit wir reisen: Der Chef und die Kollegen reisen in Gedanken oft mit. Eine Studie der gesetzlichen Unfallversicherung zeigte vor zwei Jahren, dass etwa ein Viertel der Berufstätigen im Urlaub „arbeitet“. Statt entspannt am Strand zu sitzen oder auf Berge zu wandern, dreht sich im Kopf alles um die Arbeit oder die Sorgen zu Hause. Es gelingt einfach nicht abzuschalten.

Doch der Körper braucht Erholungsphasen, in denen er sich ausruhen kann. Das hat inzwischen auch die Wissenschaft erkannt. Kommen die eigenen Bedürfnisse ständig zu kurz und stehen wir permanent unter Stress, kann das auf Dauer richtig krank machen. Laptop und dienstliche E-Mails auf dem Handy sollten deshalb in den Ferien tabu sein. Sagen Sie Ihren Kollegen rechtzeitig Bescheid, wenn Sie verreisen. Planen Sie eine Urlaubsvertretung und richten Sie in Ihrem elektronischen Postfach eine Abwesenheitsnachricht ein. Bitten Sie Kollegen, Sie im Urlaub nicht zu stören und gehen Sie nur bei wichtigen Anrufern ausnahmsweise ans Telefon.

So hält die Erholung länger an

Vorfreude, schönste Freude. Stimmen Sie sich schon in den Wochen davor auf den Urlaub ein: Lesen Sie einen Reiseführer, schauen Sie sich eine Dokumentation über Ihr Reiseziel an oder lernen Sie ein paar Worte der Fremdsprache. Erzählen Sie Freunden und Familie von ihren Reiseplänen. Allein an Berge und Meer zu denken, kann schon entspannen.

Frühstück
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Kaum ist der Urlaub dann da, ist er auch schon wieder vorbei. Meist ist zwei Wochen nach den Ferien schon nichts mehr davon zu spüren. Starten Sie deshalb nicht gleich von Null auf Hundert, sondern lassen Sie es langsam angehen. Damit das Urlaubsgefühl und die Erholung länger anhalten, sind mitgebrachte Urlaubsrituale besser geeignet als Souvenirs. Dazu sollte man gezielt Erholungsmomente einplanen. Versuchen Sie ein Stück Urlaubsfeeling in Ihren Alltag einzubauen: Ab und zu ein nettes Abendessen, eine regelmäßige Runde im Schwimmbad oder der Besuch einer Ausstellung sorgen auch zu Hause für Entspannung, die Stress abbauen kann. 


Checklisten für einen entspannten Urlaub

Checklisten helfen bei den Urlaubsvorbereitungen. Damit es nicht zu stressig wird, sollten sie allerdings nicht erst zwei Tage vor Abreise angefertigt werden, sondern schon ein paar Wochen vorher.  So lässt sie sich notfalls noch ergänzen und es bleibt noch genügend Zeit, um fehlende Dinge zu besorgen. Wir haben für Sie Urlaubs-Checklisten zusammengestellt, die Sie auch hier herunterladen können.

In einem Kästchen wird ein rotes Häkchen gemacht
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Vor dem Urlaub erledigen:
☼ Kopie von Ausweis anfertigen
☼ Blumen versorgen
☼ Unterlagen überprüfen
☼ Haustierbetreuung regeln
☼ Zeitung abbestellen
☼ Netzstecker ziehen
☼ Urlaubsadresse hinterlegen
☼ Post umleiten
☼ Kühlschrank leeren
☼ wichtige Rechnungen zahlen
☼ Autoinspektion
☼ Müll entleeren
☼ Krankenversicherung
☼ Wasser abdrehen

Reiseunterlagen/Handgepäck:
☼ Reisepass, Personalausweis
☼ Flug-, Bahntickets
☼ Bargeld, EC-, Kreditkarte
☼ Unterlagen Unterkunft/Hotel
☼ Sonnenbrille
☼ Bücher, Zeitschriften
☼ Reiseführer, Wanderkarten
☼ Fotoapparat
☼ Notfalltelefonnummern
☼ Wörterbuch

Koffer:
☼ Unterwäsche
☼ Socken/Strümpfe
☼ Hosen lang/kurz
☼ T-Shirts
☼ Hemden
☼ Pullover/Sweatshirt
☼ Jacken
☼ Schuhe
☼ Schlafanzug
☼ Regenbekleidung
☼ Kleider/Röcke
☼ Bluse
☼ Strickjacke
☼ Badesachen
☼ Hygieneartikel

Reiseapotheke:
☼ Schmerztabletten
☼ Fiebermedikamente
☼ Desinfektionsspray
☼ Übelkeitstabletten
☼ Pflaster
☼ Wundsalbe
☼ Durchfallmedikament
☼ Mückenspray
☼ Sonnencreme
☼ eigene Medikamente
☼ Taschentücher

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 15.06.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2017, 22:44 Uhr