Draufsicht auf ein Stück Würfelzucker, das auf einem Teelöffel liegt, der sich über einer Tasse Kaffee befindet.
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Hauptsache Gesund | 02.02.2017 | 21:00 Uhr Warum wir zu viel Zucker zu uns nehmen

Können wir wirklich noch etwas über Zucker lernen? Fast täglich lesen oder hören wir etwas über "guten" oder "bösen" Zucker, über Zuckermangel oder die Zuckerkrankheit. Wer online danach sucht, erhält Millionen von Treffern. Doch trotz der Unmenge an Informationen scheint bei vielen noch immer nicht angekommen zu sein: Zucker ist nicht nur das kristalline Pulver, das sich manche in den Kaffee tun. Zucker befindet sich auch dort, wo wir ihn am wenigsten erwarten.

Draufsicht auf ein Stück Würfelzucker, das auf einem Teelöffel liegt, der sich über einer Tasse Kaffee befindet.
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Er trägt einen Namen, der zu seinem Erscheinungsbild so gar nicht passt: Johannes Hunger. Ein gut gelaunter, junger Mann, voller Energie – und von Beruf Ernährungsberater. Auf die Frage, was man heutzutage noch über Zucker lernen kann, lächelt er:

Ernährungsberater Johannes Hunger
Ernährungsberater Johannes Hunger Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Es fängt beim klassischen deutschen Frühstück an: Weißmehlbrötchen mit Butter und Marmelade, dazu ein Glas Orangensaft und gesüßter Kaffee. Wenn ich das 30 oder 40 Jahre lang, jeden Morgen zu mir nehme, brauche ich mich nicht wundern, wenn ich irgendwann, spätestens so ab dem 50. Lebensjahr, aus dem Leim gehe." Den Zusammenhang erläutert er so: "Schauen Sie sich einmal genau die Etiketten, hinten auf den Marmeladengläsern an! Das machen sowieso die wenigsten. Auf vielen Etiketten finden Sie gleich nach dem Inhaltsstoff 'Zucker' einen, der heißt: 'Glucose-Fructose Sirup'. Das ist eine Zuckerart, die aus Mais hergestellt und von der Industrie gern und häufig verwendet wird. Diese Zuckerart kann der Körper nur in Fett umwandeln. Eine andere Möglichkeit hat er nicht, es sei denn, Sie wären Leistungssportler und würden die Energie in Bewegung umsetzen. Der Fruchtzucker aus dem Orangensaft schießt sofort ins Blut, das Brötchen enthält auch Zucker und die Butter ist sowieso schon reines Fett".

Ein Tipp zum Frühstück: Ein frischer Obstsalat! Obst enthält auch viel Fruktose. Aber sie ist mit Ballaststoffen verbunden, wird daher vom Körper langsam aufgenommen und verarbeitet. Oder frühstücken, wie die Asiaten: Ein herzhaftes kalorienarmes Gericht. Was glauben Sie, warum die meisten Asiaten schlank sind? Man kann auch das Frühstück einfach ausfallen lassen: "Frühstücken wie ein König", war nach dem Krieg sicher ein sinnvoller Rat. Heutzutage ist das nicht mehr nötig.

Wo ist der Zucker versteckt?

Silhouette eines Mannes, der sich vor einem blauen Hintergrund einen Löffel mit Würfelzuckerstücken zum Munde führt.
Oft nehmen wir Zucker nicht wissentlich zu uns. Bildrechte: IMAGO

Dass Schokolade und andere Süßigkeiten Zucker enthalten und dick machen, weiß jedes Kind.  Aber viele Lebensmittel scheinen unverdächtig, obwohl auch in ihnen Zucker steckt. Die Verbraucherzentralen fanden bei einer Stichprobe einen Saucenbinder, der zu einem Drittel aus Zucker besteht, obwohl "Zucker" auf der Zutatenliste fehlt. Wie ist das möglich? Es gibt inzwischen ca. 70 verschiedene Bezeichnungen für Zuckerarten, die in der Lebensmittelindustrie verwendet werden. Manche sind inzwischen geläufig, wie Maltodextrin. Andere dürften selten als Zucker erkannt werden, zum Beispiel Magermilchpulver. Die Industrie setzt häufig mehrere Zuckerarten zu. Jede einzelne ist nur in geringer Menge vorhanden und erscheint daher auch weit hinten in der Zutatenliste. Zusammengenommen aber machen sie einen erheblichen Zuckeranteil aus.

Warum wir uns geradezu mästen!

Currywurst
Zuckerfalle Currywurst Bildrechte: Colourbox

"Hauptsache Gesund" hat einige Produkte unter die Lupe genommen, zum Beispiel ein Currywurst-Fertiggericht. Zucker steht hier relativ weit hinten in der Zutatenliste. Noch weiter hinten stehen andere Zuckerarten, wie Dextrose und zuckerhaltige Fruchtbestandteile, wie Apfelmark. So addiert sich der Zuckeranteil dieser 400 Gramm-Packung auf insgesamt fast 50 Gramm. Zum Vergleich: Die WHO empfiehlt, pro Tag etwa 25 Gramm Zucker zu konsumieren: "Wer dieses Currywurst-Gericht isst, hat bereits mit einer Mahlzeit, mehr als das Doppelte der empfohlenen Zuckermenge zu sich genommen.", warnt Ernährungsberaterin Nicole Lins und ergänzt: "Wer jetzt noch einen sogenannten Softdrink, also Limonade, Cola oder aromatisiertes Wasser aus dem Supermarkt dazu trinkt, der beginnt sich zu mästen." Sie zeigt uns eine Flasche aromatisiertes Wasser mit Apfelgeschmack. 24 Gramm Zucker, steht in der Nährwerttabelle: "Man darf nicht vergessen, dass die meisten Menschen keine 100 Milliliter davon trinken, sondern eine halbe Flasche oder mehr. Man soll ja auch ausreichend trinken. Aber auf diese Weise decke ich schon meinen gesamten Tagesbedarf an Zucker allein über die Flüssigkeit. Hinzu kommt, dass die Bauchspeicheldrüse von früh bis spät drangsaliert wird, weil sie ständig auf den Zucker reagieren muss und Insulin produziert."

Ein Tipp zum Trinken:

Trinken Sie am besten Wasser! Das mögen Sie nicht? Probieren sie das: Geben sie einige Gurkenscheiben in eine Karaffe mit  Leitungswasser und lassen Sie das Ganze etwas stehen. Auf diese Weise erhalten Sie ein leckeres aromatisches Kaltgetränk. Das lässt sich wahlweise auch mit Orangenscheiben, Minze oder Zitronengras machen. Vielleicht haben Sie selbst noch weitere Ideen?

Honig statt Zucker?

Honig
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Wenn es echter Honig vom Imker ist, dann hat er tatsächlich viele natürliche Begleitstoffe, die ihn im Vergleich mit weißem Zucker, wertvoller machen. Aber Vorsicht: Den Honig nicht in sehr heiße Getränke geben. Dann verlieren die Begleitstoffe ihre Wirkung. Der Honig aus dem Discounter ist industriell verarbeitet und hat meist einen Teil seiner wertvollen Inhaltsstoffe verloren.

Agavendicksaft statt Zucker?

Johannes Hunger hält ihn einfach für eine Modeerscheinung, ähnlich dem Ahornsirup, der vor einigen Jahren modern war: "Vermutlich ist die Agave bei den Landwirten gerade eine beliebte Pflanze." Der Sirup enthält auch Fruchtzucker, der bei unzureichender Bewegung, von Körper in Fett verwandelt wird.

Aspartam statt Zucker?

Es gibt inzwischen viele Stimmen in der Wissenschaft, die diesen Süßstoff, wegen möglicher unerwünschter Wirkungen, stark in Frage stellen.

Stevia statt Zucker?

Stevia
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Es gilt als "natürliche" Alternative, ist tatsächlich aber genauso industriell verarbeitet, wie zum Beispiel Soja. Es wird empfohlen, täglich nicht mehr als vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht davon zu sich zu nehmen. Das Problem: Wie kann man das sicher ausrechnen? Außerdem schmeckt es vielen Menschen einfach nicht.

Machen Sie ein Ernährungsprotokoll!

Wie jeder Ladeninhaber einmal im Jahr seine Warenbestände prüft, so muss jeder, der abnehmen möchte, einmal ehrlich und präzise aufschreiben, wie viele Kalorien er täglich zu sich nimmt. "Die Mühe lohnt sich", erinnert sich Dr. Carsten Lekutat an seinen eigenen Entschluss, abzuspecken: "Mir ist erst dadurch klar geworden, wie viel ich zum Beispiel durch Snacks zwischendurch oder durch süße Getränke in mich hinein gestopft hatte." Man nennt eine solche Auflistung ein Ernährungsprotokoll: "Eine wirkliche Chance zum Abspecken haben wir nur, wenn wir uns das Verlangen abtrainieren, dass alles süß schmecken muss."

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2017, 22:19 Uhr

Eine Frau hält ein Schälchen mit Zuckerwürfeln
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Ein Junge trinkt aus einer Flasche
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