Verschiedene Brotsorten
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Hauptsache Gesund | 02.11.2017 | 21:00 Uhr Geliebte Schnitte ade? – Wie gesund ist Brot?

Die Deutschen lieben ihr Brot. Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Sorten. Doch im Brot stecken vor allem Kohlenhydrate – und die gelten zunehmend als ungesund. Sollten wir also auf die geliebte Schnitte verzichten?

von Marlen Schernbeck

Verschiedene Brotsorten
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Mehr Fett essen und stattdessen auf Kohlenhydrate verzichten – so lautet das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten Studie, der sogenannten PURE (Prospective Urban Rural Epidemiology)-Studie. Kanadische Forscher haben die Ernährungsgewohnheiten von weltweit mehr als 135.000 Menschen analysiert. Dabei haben sie herausgefunden, dass eine tägliche Kohlenhydratzufuhr von mehr als 60 Prozent das Sterblichkeitsrisiko erhöht. Hingegen ist eine fettreiche Ernährung gesünder als gedacht: Wer täglich 35 Prozent der Nahrung in Form von Fetten – egal ob gesättigt oder ungesättigt – zu sich nimmt, hat ein niedrigeres Sterblichkeitsrisiko als jemand, der weniger Fett konsumiert. Sollten wir uns also kohlenhydratarm und stattdessen fettreich ernähren?

Die Qualität ist entscheidend

Ganz so einfach sei es nicht, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Entscheidend sei neben einer ausgewogenen Ernährung auch die Qualität der Kohlenhydrate. In der PURE-Studie wurde allerdings nicht zwischen den Kohlenhydraten differenziert. Wissenschaftler unterteilen Kohlenhydrate vor allem nach der Anzahl der Zuckermoleküle. Einfach- und Zweifachzucker finden sich zum Beispiel in Schokolade oder Limonade. Mehrfachzucker sind in Kartoffeln oder Reis enthalten und bestehen aus mindestens zehn Einfachzuckermolekülen. Sie erzeugen ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl, weil der Körper die Nahrung im Vergleich zu einfachen Zuckerformen langsamer verwertet.

Weißmehl im Vergleich zu Vollkornmehl

Brote in der Auslage eines Bäckers
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Wie sieht es beim Brot aus? Hier muss zwischen Weiß- und Vollkornbrot unterschieden werden. Vollkornprodukte werden aus dem ganzen Getreidekorn hergestellt, also Keim, Schale und Mehlkörper. Sie enthalten langkettige Kohlenhydrate. Diese werden im Magen nur sehr langsam verarbeitet. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel nicht so stark an. Weißmehl wird dagegen nur aus dem Mehlkörper hergestellt, also ohne Keim und Schale. Weißmehlprodukte enthalten kurzkettige Kohlenhydrate, die schnell zu Zucker verdaut werden und sofort ins Blut gelangen. Der Blutzuckerspiegel steigt, überschüssiger Zucker wird in Fett umgewandelt. Deshalb gilt der regelmäßige Konsum von Weißmehlprodukten als Dickmacher.

Vollkornbrot enthält viele Nährstoffe

Vollkornprodukte haben noch einen weiteren Vorteil. Sie enthalten wesentlich mehr Vitamine und Ballaststoffe als Weißmehlprodukte. Ballaststoffe senken das Risiko für Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Dickdarmkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Unter den verschiedenen Getreidesorten enthält Roggen die meisten Ballaststoffe und B-Vitamine.

Verbraucherfallen

Aber Achtung: Nicht jedes dunkle Brot ist ein Vollkornbrot. Manche Bäcker färben Weißmehl mit Malz oder Zuckerrübensirup einfach dunkel. Auch hinter Bezeichnungen wie Körnerbrot stecken meist Weißmehlprodukte. An der Kruste sichtbare Körner sollen den Anschein erwecken, es handele sich um ein Vollkornprodukt. Doch Vollkornmehl kann genauso fein gemahlen sein wie Weißmehl. Übrigens: Ein Vollkornbrot muss einen Vollkornanteil von mindestens 90 Prozent aufweisen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 02. November 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2017, 22:44 Uhr