Über Kreuz geklebte Wundpflaster
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Hauptsache Gesund | 23.02.2017 | 21:00 Uhr Wunden – Löcher im Schutzschild

Mit dem Frühling startet die Gartenarbeit. Beim Baumschnitt, dem Werkeln an Zaun und Laube oder der Arbeit am Beet kann man sich schnell mal verletzen. Was dann? Pflaster drauf und gut? Oft reicht das nicht aus. Denn werden Hautverletzungen nicht richtig versorgt, können sie im Extremfall zu Blutvergiftung, zu Amputationen und sogar zum Tod führen.

Über Kreuz geklebte Wundpflaster
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Für jede Wunde die richtige Versorgung

Verletzungen können auf verschiedene Arten und Weise entstehen. Entsprechend unterschiedlich sind die Wunden selbst und die Vorgehensweise bei ihrer Behandlung:

Platzwunden:Sie bluten mitunter stark. Meist klaffen sie mit ausgefransten Rändern auf. Solche Verletzungen muss man dem Arzt zeigen. Vor dem Weg dahin möglichst die Wunde reinigen und so gut es geht steril abdecken.

Ein Wundpflaster an dem erhobenem Daumen an einer Faust
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Schnittwunden: Keine Angst vorm Blut! Kleine Schnitte reinigen sich dadurch selbst. Desinfizieren Sie trotzdem nochmal und drücken Sie dann die glatten Schnittkanten fest zusammen. Wird alles mit einem Pflaster fixiert, heilt die Wunde in der Regel recht schnell.

Schürfwunden:Diese Wunden schmerzen oft sehr, weil  bei der Verletzung viele Nervenenden freigelegt werden. Glücklicherweise heilen Schürfwunden aber gut, da nur die oberste Hautschicht beschädigt ist. Da Schürfwunden häufig durch Stürze entstehen, sind sie zumeist verschmutzt oder es befinden sich sogar Steinchen darin. Deswegen Schürfwunden gut reinigen. Gegen den Schmerz hilft dann ein Pflaster.

Stichwunden: Der Klassiker ist der rostige Nagel, in man tritt. Bei diesen Verletzungen ist das tückische, dass sie von außen recht klein aussehen. Doch sie sind tief, weshalb Keime auf diese Weise in tiefe Gewebeschichten eintreten können. Unbedingt dem Arzt zeigen!

Tierbisse: Eine Bisswunde muss immer vom Arzt untersucht und professionell gereinigt werden. Hier besteht erhöhte Infektionsgefahr!

Brandwunden: Vermeintlich Hausmittel wie Honig, Mehl und ähnliches sind bei der Behandlung von Brandwunden absolut tabu! Kühlen Sie die Wunde mit lauwarmem Wasser, aber auf keinen Fall eiskalt. Später kann auch ein Gel für Brandverletzungen Linderung verschaffen. Blasen nicht selber aufstechen, sondern damit zum Arzt gehen.

Vorsicht! Wenn eine Wunde bedrohlich stark blutet, sollte noch vor den Erste-Hilfe-Maßnahmen der Notarzt gerufen werden! Danach empfiehlt es sich, einen Druckverband anzulegen bzw. die Wunde zu drücken, um den Blutfluss bis zum Eintreffen der Profis möglichst zu stoppen.

Finger in den Mund?

Eine Frau steckt sich nach einer Verletzung den Daumen in den Mund
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Wer sich am Finger schneidet, steckt ihn instinktiv in den Mund. Nicht verkehrt, denn Speichel reinigt die Wunde und enthält zudem allerlei antibakterielle Substanzen. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können Keime aus dem Mundraum in die Blutbahn gelangen und den Körper attackieren. Ein ähnliches Risiko gehen Eltern ein, die eine Fingerverletzung ihres Babys in den Mund nehmen. So kann das Kind zum Beispiel Herpesviren infiziert werden.

Vorsicht, Tetanus!

Impfdosis wird aufgezogen
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Eine Wundreinigung ist in jedem Fall wichtig, vor allem wegen der Tetanus-Gefahr. Jedes Jahr treten in Deutschland etwa 15 Fälle von Tetanus (Wundstarrkrampf) auf. Die Krankheitserreger, Sporen des Bakteriums Clostridium tetani, kommen quasi überall in unserer Umwelt vor. Durch Wunden, Kratzer uns selbst kleinste Stiche gelangen sie in den Körper. Dort erzeugen sie Gifte, die die typischen Muskelkrämpfe auslösen. Die Betroffenen sind meist über 45 Jahre alt, woran sich zeigt, dass man auch mit zunehmendem Alter seinen Impfschutz im Blick behalten sollte. Alle zehn Jahre muss die Tetanusimpfung erneuert werden, damit der Schutz erhalten bleibt.


Innovation gegen chronische Wunden

Plasmaheilung
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Allein in Deutschland leiden fünf Millionen Menschen unter chronischen Wunden. Um ihnen endlich schneller und vor allem erfolgreich zu helfen, wird eine ganz neue Therapie erprobt. Sie hat nichts mehr mit Salben und Pflastern zu tun. Es ist eine Behandlung mit sogenanntem kaltem Plasma. Dr. Carsten Mahrenholz arbeitet mit seiner Firma Coldplasmatech in Greifswald an der Methode: "Wir alle kennen aus der Schule die Aggregatzustände fest, flüssig, gasförmig. Wenn ich nun mehr Energie in ein Gas einleite, kann ich es in einen neuen Zustand heben, den Plasmazustand." Plasma ist für gewöhnlich sehr heiß: Die Sonnenoberfläche besteht aus Plasma oder auch ein Blitz.

In den letzten 20 Jahren hat sich die Technologie aber weiterentwickelt, so dass man jetzt auch hautverträgliches Plasma entwickeln kann. Seine Temperatur liegt unterhalb  40°C, also ungefähr bei der Körpertemperatur des Menschen. Das haben sich die Wissenschaftler und Ingenieure zu Nutze gemacht, um ein neues Medizinprodukt zu entwickeln, das helfen soll, Wunden besser heilen zu lassen, wie Plasmamediziner Professor Thomas von Woedtke erklärt: "Das Plasma schaltet Mikroorganismen aus, die die Wundheilung stören. Wie wir mittlerweile wissen, regt es zusätzlich die Regenerierung des geschädigten Gewebes an."

Wundauflage mit kaltem Plasma
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Erste Geräte wie der sogenannte Plasmastift  wurden bereits erfolgreich an Patienten mit chronischen Wunden getestet. Dr. Carsten Gutgesell, Facharzt für Dermatologie, sieht diese Versuche positiv: "Bei solchen Patienten haben wir gesehen, dass im Schnitt bei 80 Prozent doch eine signifikante Besserung erzielt werden konnte." Bisher hat der Plasma-Pen nur eine kleine Fläche wie eine Bleistiftspitze. Weil dadurch eine Behandlung der Wunden noch sehr lang dauert, konnten sich die Geräte bislang noch nicht durchsetzen. Das will das junge Greifswalder Unternehmen jetzt ändern. Sie entwickeln eine Wundauflage, durch die das Plasma großflächiger auf die Haut aufgebracht werden kann. Mit ihrer Hilfe sollen das erste Mal auch größere Wunden in einem Schritt behandelt werden können. Das Team hat lange mit verschiedenen Materialien experimentiert. Ziel war es auch, dass die Erfindung für Ärzte und Patienten leicht anwendbar ist. Dr. Carsten Mahrenholz erklärt das Ergebnis: "Unsere Wundauflagen bestehen aus Silikon, passen sich allen Körperoberflächen an und sind selbstklebend. Wir haben sie mit einem atraumatischen Silikon beschichtet. Atraumatisch bedeutet, dass man beim Abziehen der Wundauflage keine neuen Schäden an der Haut erzeugt. Die Behandlung ist relativ einfach. Sie haben einen offenen Wundbereich, da legen Sie unsere Wundauflage einfach drauf. Sie klebt selbst. Und nach der zweiminütigen Behandlung ziehen sie die Wundauflage wieder ab und entsorgen sie." Im Moment befindet sich das System, bestehend aus Spannungsversorger und angeschlossener Wundauflage, in der letzten Zulassungsphase. Doch für die Entwicklung ist das junge Team bereits mehrfach preisgekrönt worden. Mitte 2017 sollen die ersten Studien mit Patienten beginnen.

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2017, 22:10 Uhr