Zahnärztin mit Gebissmodell
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Hauptsache Gesund | 09.03.2017 | 21:00 Uhr Zahnersatz: An der richtigen Stelle sparen

Die gute Nachricht: Die Zähne der Deutschen werden immer besser. Das belegt die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie. Heute braucht nur noch jeder Achte zwischen 65 und 74 Jahren eine Vollprothese, vor 20 Jahren war es noch jeder Vierte. Doch die schlechte Nachricht: Einfacher wird die Versorgung der Zahnlücken deswegen nicht. Und preiswerter schon gar nicht.

Zahnärztin mit Gebissmodell
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Noch nie gab es so viele Möglichkeiten wie heute, defekte oder verloren gegangene Zähne zu ersetzen. Und auf keinem anderen Gebiet der Medizin muss der Patient so viele Zuzahlungen leisten. Rechnungen über Tausende von Euro sind keine Seltenheit und ein Schock für die Patienten. Die Erstattung der Kosten durch die Krankenkasse orientiert sich immer an der Standardbehandlung, also der einfachsten Lösung. Wer bessere Lösungen will, muss aus eigener Tasche dazu zahlen. Doch es gibt einige Tricks, wie man sparen kann.

Spartipp 1: Vorsorge zahlt sich aus

Eine blaue Zahnbürste mit blauer Zahncreme liegt neben einem Bonusheft.
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Sind die Deutschen Putzmuffel? Einer Umfrage des Hamburger Instituts Mymarktforschung zufolge zählt immerhin für drei Viertel der Deutschen das Zähneputzen zu einer der ersten Amtshandlungen am Morgen. Andere Studien zeigen: Die meisten putzen zwar, aber viel kürzer als die empfohlenen drei Minuten. Und Zahnseide für die Zahnzwischenräume benutzt nur eine Minderheit. Dabei ist die Rechnung ganz einfach: Wer regelmäßig Prophylaxe betreibt, hat länger gesunde Zähne. Zahnärzte empfehlen zusätzlich eine professionelle Zahnreinigung mindestens einmal im Jahr. Die Kosten von etwa 80 Euro müssen zwar selbst getragen werden, mittlerweile erstatten aber viele Krankenkassen einen Teil der Kosten zurück. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach.

Spartipp 2: Bonusheft führen

Wer einmal jährlich zur Kontrolle zum Zahnarzt geht, bekommt einen Stempel in sein Bonusheft. Wer nach zehn Jahren ein lückenloses Bonusheft vorweisen kann, bei dem steigt der Festkostenzuschuss der Krankenkasse um 30 Prozent. Die Bonusregelung gilt auch für Menschen mit einer Vollprothese.

Spartipp 3: Zweite Meinung einholen

Etwa zwei Drittel der Zahnarztrechnung betreffen das Material und sind von Labor zu Labor sehr unterschiedlich. Auch der Zahnarzt selbst kann Angebote für unterschiedliche Zahnersatzlösungen machen. Man sollte sich einen Kostenvoranschlag – den sogenannten Heil- und Kostenplan – geben lassen und Vergleichsangebote einholen. Achten Sie darauf, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Das heißt, vergleichen sie nur gleiche Zahnersatzleistungen miteinander, ein Implantat wird immer teurer sein als eine Brücke. Die Patientenberatungsstellen der Landeszahnärztekammern bieten an Heil- und Kostenpläne zu prüfen. Zudem vermitteln sie in Streitfällen und bei Behandlungsfehlern. Ansprechpartner findet man über das Beratungsportal der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung unter www.zahnarzt-zweitmeinung.de.

Spartipp 4: Auktionsportale

Internetseiten wie 2te-zahnarztmeinung.de, zahnarzt-preisvergleich.com oder medikompass.de bieten die Möglichkeit, seinen Heil- und Kostenplan hochzuladen. Registrierte Zahnärzte machen dann im Rahmen einer Auktion ein Gegenangebot, das preiswerter ist. Während Verbraucherschützer und Krankenkassen diese Portale durchaus empfehlen, gibt es auch kritische Stimmen. Denn der mitsteigernde Zahnarzt gibt sein Angebot ab, ohne dass er den Patienten vorher untersucht hat oder seine Vorgeschichte kennt.

Spartipp 5: Zusatzversicherungen

Sie lohnen sich, so lange man noch keine größeren Lücken hat. Die Konditionen sind im Laufe der Zeit verbraucherfreundlicher geworden. Trotzdem sollte man das Kleingedruckte vor Abschluss sorgfältig studieren.

Spartipp 6: Zahnersatz im Ausland

Mann betrachtet beim Zahnarzt seine Zähne im Spiegel
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Für seine Zahnersatz-Behandlung kann man auch ins Ausland gehen. Die Krankenkassen bezuschussen den Zahnersatz sogar zu den gleichen Konditionen wie im Inland. Zahnärzte und Zahntechniker hierzulande sehen das jedoch kritisch. Sind Nachbehandlungen nötig, werden deutsche Zahnärzte keine Garantieleistungen übernehmen und sie sind auch nicht verpflichtet, den „fremden“ Zahnersatz zu korrigieren. Die erneute Reise ins Ausland kann den Kostenvorteil dann zunichte machen.

Spartipp 7: Zuschuss für Geringverdienende

Wer ein sehr geringes Einkommen hat, kann bei seiner Krankenkasse anfragen, ob für ihn die Härtefallregelung gilt. Dann sind höhere Zuschüsse möglich.

Spartipp 8: Steuerersparnis

Die Ausgaben für Zahnersatz, Kronen und zahnärztliche Behandlungen können auch als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden. Sie sollten also alle Belege sorgfältig aufbewahren. Die Höhe des absetzbaren Betrages richtet sich nach dem Einkommen und dem Familienstand.


Heil- und Kostenplan besser verstehen

Geldscheine und eine goldene Zahnkrone liegen auf einem Heil-und Kostenplan
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Das Formular zum Heil- und Kostenplan ist für den Laien nicht ganz einfach zu verstehen.

Die Initiative proDente e.V. hat einen Online-Ratgeber und eine Info-Broschüre zur besseren Verständlichkeit herausgegeben.


Kleines Zahnersatz-Einmaleins

Modell einer Zahnbrücke
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Brücken dienen dazu, einzelne Zähne zu ersetzen. Sie bestehen aus Metall oder Keramik und haben eine Haltbarkeit von etwa 15 bis 20 Jahren. Brücken können auch Lücken von mehreren Zähnen überspannen. Zwei Pfeiler sind immer erforderlich, die Lücke muss aber nicht unbedingt zwischen diesen liegen. Brücken können nicht nur auf Zähne, sondern auch auf Implantate montiert werden.

Prothesen kommen zum Einsatz, wenn nicht mehr ausreichend Zähne vorhanden sind, um Zahnersatz dauerhaft zu befestigen. Man unterscheidet Teil- und Vollprothesen. Sie können mit Klammern, Geschiebe oder Implantaten befestigt werden.

Modell eines Zahnimplantats
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Implantate sind künstliche Zahnwurzeln aus Titan. Sie können verwendet werden, um einzelne Lücken zu schließen. Der Vorteil: Die Nachbarzähne müssen nicht wie bei einer Brücke zur Befestigung beschliffen werden. Außerdem können Implantate als Brückenpfeiler und Prothesenbefestigung genutzt werden.

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2017, 22:02 Uhr

Experte im Studio

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Dr. med. Oliver Schierz,
Universitätsklinikum Leipzig, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde