Eine Zecke sitzt an einem Grashalm
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Hauptsache Gesund | 08.06.2017 | 21:00 Uhr Vorsicht, Zecken!

Zecken sind unheimliche Parasiten: Sie riechen mit den Beinen, ernähren sich von Blut – und können krank machen. Darum sollten sie schnell entfernt werden. Für die aktuelle Zeckensaison haben Forscher allerdings keine guten Nachrichten. Sie registrieren mehr Infektionen an FSME und Borreliose und haben auch neue Ansteckungsquellen entdeckt. Doch es gibt Möglichkeiten, sich zu schützen.

von Jana Olsen

Eine Zecke sitzt an einem Grashalm
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Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, ist eine gefährliche Erkrankung. Durch einen Zeckenstich wird dabei ein Erreger übertragen, der grippeähnlichen Symptome bis hin zu einer schweren Hirnhautentzündung verursachen kann. Im letzten Jahr wurden beim Robert-Koch-Institut deutlich mehr FSME-Fälle registriert als in den Vorjahren. Etwa 80 Prozent aller Erkrankten kamen aus Bayern und Baden-Württemberg. In Mitteldeutschland wurden vereinzelte Fälle registriert. Laut der aktuellen Statistik steigt das Erkrankungsrisiko ab einem Alter von 40 Jahren deutlich an.

Neue Ansteckungsquellen

Erstmals ist 2016 auch eine FSME-Erkrankung nach dem Verzehr von unbehandelter Ziegenmilch von einem Biohof in Baden-Württemberg aufgetreten. Bei pasteurisierter Milch besteht dagegen keine Ansteckungsgefahr. In Sachsen wurde zudem zum ersten Mal das FSME-Virus auch in Auwaldzecken nachgewiesen. Sie sind auch schon bei niedrigen Temperaturen aktiv und galten bisher nicht als Überträger des Erregers.

Impfung schützt vor FSME

Ein Mann joggt durch einen Wald.
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Nach gegenwärtigem Kenntnisstand schützt eine FSME-Impfung auch vor einer Ansteckung über infizierte Nahrungsmittel. Impfungen werden insbesondere für Menschen empfohlen, die in FSME-Risikogebieten leben beziehungsweise dort Urlaub machen. In Mitteldeutschland sind das der sächsische Vogtlandkreis und das südöstliche Thüringen. In der Regel sind für einen vollen Impfschutz drei Impfungen notwendig. Nach den ersten beiden Impfungen, die im Abstand von etwa einem Monat erfolgen, ist ein 98-prozentiger Impfschutz erreicht.

Heimtückische Borreliose

Die Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Europa. Ein charakteristisches Anzeichen dafür ist die sogenannte Wanderröte. Das ist ein roter Fleck, der sich um die Einstichstelle bildet und mit der Zeit immer größer und innen blasser wird. In diesem frühen Stadium bestehen gute Heilungschancen mit Antibiotika. Allerdings kann es auch sein, dass die Wanderröte gar nicht auftritt. Dann treten bei Betroffenen unspezifische Symptome auf wie beispielsweise Rücken- und Gelenkschmerzen. Das macht es oft sehr schwer, die Erkrankung zu diagnostizieren und zu behandeln.

Zecken sofort entfernen

eine Zecke in einer Zeckenzange
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Es gibt mehrere Möglichkeiten, Zecken zu entfernen, zum Beispiel mit Pinzetten, flachen Zeckenzangen oder -karten. Damit wird der Blutsauger möglichst weit unten am Hals gepackt. Das ist wichtig, weil Druck auf den Bauch der Zecke eventuell dazu führt, Blut und Krankheitserreger in die Wunde zu spülen. Also am Hals fassen und dann mit langsamem Ziehen entfernen. Der Tipp, dabei zu drehen, ist unsinnig, denn die Saugwerkzeuge der Zecken haben kein Gewinde. Wichtig ist es, die Zecke so früh wie möglich zu entfernen, denn Krankheitserreger wie Borrelien werden in der Regel erst nach 24 Stunden von der Zecke übertragen.

Wehrt Kokosöl Zecken ab?

Deutsche Forscher haben 2008 in einer Studie gezeigt, dass die in Kokosöl enthaltene Laurinsäure tatsächlich gegen Zecken hilft. Der Studie zufolge wurden bis zu 80 Prozent der Zecken durch die Laurinsäure abgeschreckt. Sie ist deshalb auch in einigen Anti-Zecken-Mitteln enthalten. Andere Untersuchungen zeigen aber auch, dass die Mittel nicht bei allen Menschen gleich wirken. Zeckenmittel bieten nie einen vollumfänglichen Schutz, da sie nur für die Körperregionen helfen, die damit behandelt wurden. So ist etwa der Kopf meist ungeschützt, weil er nicht eingecremt wird.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 08.06.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2017, 22:35 Uhr

Ein Paar Beine mit Socken vor einer Wiese.
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Karola Jessing, Borreliose-Patientin
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