Hauptsache Gesund | 02.02.2017 | 21:00 Uhr Tremor: Zittern als Krankheit

Es beginnt mit kleinen Missgeschicken und beeinträchtigt die Lebensqualität immer mehr. Man verliert einfach jede Kontrolle über seinen Körper. Zittern oder medizinisch korrekt, ein Tremor, kann viele Ursachen haben, die häufigste ist eine Schädigung der Nerven. Zum Glück gibt es heutzutage effektive Therapien, um mit der Krankheit zu leben.

Das Wort Tremor kommt vom Lateinischen "tremere", übersetzt "zittern".

Tasse mit verschüttetem Cappuccino
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Ärzte unterscheiden zwischen zwei Arten von Tremor: dem Ruhetremor und dem Aktionstremor. Der Ruhetremor tritt auf, wenn die entsprechende Körperpartie entspannt ist, während der Aktionstremor bei willkürlichen Bewegungen auftritt. Die häufigste Krankheit in Kombination mit einem Ruhetremor ist Morbus Parkinson: Beim Aktionstremor dagegen ist es der sogenannte essentielle Tremor, eine neurologische Bewegungsstörung, für die es keine andere Ursache ("essentiell") gibt.

Ein Schrittmacher gegen den Tremor

die zitternde Hand einer Frau
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Die sogenannte Tiefenhirnstimulation (THS) wird oft bei Patienten mit einem essentiellen Tremor durchgeführt. Dabei werden zwei Elektroden im Kopf und ein kleines Gerät unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Es hat die Größe einer Streichholzschachtel und sendet Stromimpulse an die beiden Elektroden im Gehirn.

Es gibt verschiedene Modelle. Bei einem muss der Stimulator nach sechs Jahren gewechselt werden, weil die Akkus alle sind, bei dem anderen Modell werden die Akkus alle zwei Wochen durch die Haut aufgeladen. Dieser Stimulator hält circa zehn Jahre. Neuere Modelle schaffen sogar 25 Jahre.

Hypnose bei der Schrittmacher-Operation

Normalerweise werden Tremor-Patienten unter lokaler Narkose operiert. Sie müssen ansprechbar bleiben. Neuerdings operieren Neurologen vom Universitätsklinikum in Jena manche Patienten unter Hypnose – eine kleine Sensation.

Ein Mann lässt ein Pendel schwingen
Hypnose statt Narkose Bildrechte: dpa

Dr. Rupert Reichart ist Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie und hat vor zwei Jahren eine Zusatzausbildung für medizinische Hypnose gemacht. Er weiß, dass "man vor der Operation schauen muss, wie tief der Patient in Trance fallen kann und auch, für wen so was geeignet ist." Dazu übt Dr. Reichart mit den Patienten. Denn er weiß, eine tiefe Entspannung wird bei jedem anders erreicht. Manche Patienten brauchen dazu Märchen oder die Landschaft ihrer Kindheit oder einen anderen Ort, an dem sie sich wohl fühlen.

Zwischen zwei und zehn Minuten braucht er in der Regel, bis der Patient in Trance versetzt ist. Der Bewusstseinszustand wird so verändert, dass der Patient alles wahrnimmt, aber keine Schmerzen hat. Auf bisherige narkotisierende Mittel kann damit verzichtet werden.

Wenn die Stimulationssonden in den Schädel eingeführt sind, wird die Hypnose beendet. Im Gegensatz zur bisherigen Operation ist der Patient nun hellwach. Er kann optimal mit dem Operateur kooperieren, damit die Elektroden exakt platziert werden können.

Dr. Rupert Reichart weiß: "Es geht da um wenige Millimeter oder um einen Millimeter. In dieser Phase spricht der Neurologe mit dem Patienten und gibt ihm verschiedene Aufgaben. Ich bitte Tremor-Patienten zum Beispiel einen Becher zu halten oder lasse sie die Finger spreizen, dabei muss der Patient gut mitmachen."

Bislang wurden in Jena erst drei Patienten mit medizinischer Hypnose bei Tremor operiert. Doch die Neurologen sehen darin eine völlig neue Alternative, Wach-Operationen angstfrei, ohne Schmerzen und ohne Nebenwirkungen zu überstehen.

Kontakt für Tremorpatienten Patienten, die unter einem essentiellen Tremor leiden und bei denen die Medikamente nicht ausreichend helfen, können sich in der Bewegungssprechstunde von Dr. Tino Prell in Jena melden:

Per Post:
Uniklinikum Jena,
Klinik für Neurologie,
Ambulanz für Bewegungsstörungen,
Am Klinikum 1,
07747 Jena

Per E-Mail: neuro_amb@med.uni-jena.de

Per Fax: 03641 9323452

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2017, 21:56 Uhr

Ein Arzt neben einer Patientin
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