KPC – Gefährliche Darmbakterien am Leipziger Uniklinikum : KPC – Gefährliche Darmbakterien am Leipziger Uniklinikum
Infektionen mit Keimen können mitunter dramatische Verläufe nehmen. Das weiß man nicht erst seit der EHEC-Epidemie 2011. In diesem Jahr bereitet am Uniklinikum Leipzig der sogenannte KPC-Keim Sorgen. Rund 60 Patienten waren bisher betroffen, die Hälfte ist verstorben. Noch ist der Übertragungsweg nicht gefunden, doch die Gefahr scheint eingedämmt. Seit Mai wird am Uniklinikum Leipzig jeder Neuzugang auf den KPC-Keim getestet. Werden die Laboranten fündig, muss der Patient sofort auf die Isolierstation!
Immung gegen Antibiotika
KPC - diese drei Buchstaben stehen für den Erreger Klebsiella Pneumoniae Carbapenemase. Klebsiella Pneumoniae hat jeder von uns im Darm. Gefährlich wird der Erreger erst durch Carbapenemase. Das ist ein Enzym, das einige Stämme der Darmbakterien bilden, um ihrer Vernichtung durch Antibiotika zu entgehen, erklärt Professor Dr. Arne Rodloff vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie der Universität Leipzig: "Der Darmkeim hat durch das 'C' einen sogenannten Resistenzmechanismus erworben. Das ist ein Mechanismus, der es ihm erlaubt, Antibiotika wirkungslos werden zu lassen. Und diesen Mechanismus können Bakterien miteinander austauschen. Das bedeutet, dass dann eine Therapie ins Leere läuft, weil das Antibiotikum nicht mehr zur Wirkung gelangt". Gelangt der Keim in den Blutkreislauf, kann er schwere Lungenentzündungen auslösen und Wunden eitern lassen. Im Krankenhaus trifft er häufig auf schwerkranke und alte Menschen, deren Immunabwehr stark geschwächt ist. "Erstmals ist der Keim durch einen Patienten in die Klinik gekommen, den wir aus Griechenland aus einem dortigen Krankenhaus übernommen haben. Dieser Patient hat den Erreger mitgebracht. Und bedauerlicherweise ist dieser Erreger dann auch übertragen worden auf andere Patienten", berichtet Professor Rodloff. Mit einer speziellen Antibiotika-Visite versuchen die Leipziger Ärzte und Mikrobiologen das Problem an der Wurzel zu packen. Auf dem gemeinsamen Rundgang wird für jeden Patienten die Therapie kritisch hinterfragt: Welches Antibiotikum ist nötig - und wie viel davon muss wirklich sein? Trotzdem bleibt das Problem, dass man sich vor solchen Erregern nur schwer schützen kann. "Hygienemaßnahmen sind natürlich hilfreich", erklärt Prof. Rodloff. "Das fängt bei der Küchenhygiene an, wo wir sauber arbeiten müssen, um beispielsweise die Keime nicht vom Hühnchen auf den Salat zu übertragen. Und das hört natürlich im Krankenhaus nicht auf. Dort müssen wir durch Desinfektion und Sterilisationsmaßnahmen die Keimübertragung vermeiden."
