Hauptsache gesund

Hauptsache gesund | 23.08.2012 | 21:00 Uhr : Milchunverträglichkeit oder Milchallergie?

Es gibt Menschen, die keine Milch vertragen. Milchunverträglichkeit, auch Laktoseintoleranz genannt, ist ganz natürlich. Dass Erwachsene Milch verdauen können, haben sie einer Genmutation zu verdanken, die sich vor etwa 7.500 Jahren in Südosteuropa entwickelt hat. Von dort hat sich diese dann nach Mittel- und Nordeuropa weitervererbt und ausgebreitet. Heute vertragen 60 Prozent der Erwachsenen in Mitteleuropa und 90 Prozent der erwachsenen Nordeuropäer Milch. Doch im Vergleich mit der Weltbevölkerung sind das nur 25 Prozent. Milchverträglichkeit ist also der evolutionäre Vorteil einer weltweiten Minderheit.

Das fehlende Enzym

Eine Frau trinkt ein Glas Milch.
Nicht jeder verträgt Milch.

Laktoseintoleranten Menschen fehlt das Enzym Laktase. Es spaltet den Milchzucker Laktose im Dünndarm in kleinere Einheiten, Galaktose und Glukose, die dann aufgenommen werden können. Fehlt das Enzym, gelangt Laktose unverdaut in den Dickdarm. Die dort ansässigen Bakterien vergären den Zucker, sodass Kohlenstoffdioxid, kurzkettige Fettsäuren, Wasserstoff und Methan gebildet werden. Diese machen sich dann durch Völlegefühl, Bauchschmerzen und Blähungen bemerkbar. In vielen Fällen kommt es auch zu Durchfall, da die Zuckermoleküle Wasser in den Darm ziehen.

Primäre oder sekundäre Laktoseintoleranz

Unterschieden wird eine primäre Laktoseintoleranz, die eine genetische Ursache hat, und eine sekundäre Laktoseintoleranz, die aufgrund von anderen Erkrankungen hervorgerufen wird.

Ein Arzt kann eine Unverträglichkeit durch eine Blutzuckermessung, einen Wasserstoff-Atemtest oder einen Gentest feststellen. Sollte sich dabei herausstellen, dass keine genetische Ursache vorliegt, muss die Grunderkrankung bestimmt werden. Wird diese behandelt, bildet sich meist auch die Intoleranz zurück. Häufige Grunderkrankungen sind entzündliche Darmerkrankungen, Mangel am Histamin-Abbauenzym Diaminooxidase oder eine Allergie auf Milch und Milchprodukte.

Menschen mit einer Laktoseintoleranz sollten ihre Nahrung darauf abstimmen. Im Notfall können sie zu Laktasetabletten greifen. Die sollte man aber nicht dauerhaft einnehmen.

Tipps von Ökotest

  • Wie bei normalen Milchprodukten sollte man auch bei lactosefreier Ware auf die Deklaration schauen: Wieviel Zucker steckt im Produkt? Sind Aromen zugesetzt? Eine gentechnikfreie Fütterung der Milchkühe ist nur bei Bio-Produkten vorgeschrieben. Nur dort können Sie sicher sein, dass keine Gen-Technik zum Einsatz kam.
  • Ob man wirklich teurere lactosefreie Produkte braucht, klärt alleine ein Test beim Arzt, zum Beispiel bei einem Internisten oder Gastroenterologen. In aller Regel zahlt das auch die Krankenkasse.
  • Wer beim Familienfest oder bei der Verabredung im Eiscafé auf Produkte mit herkömmlicher Milch nicht verzichten kann, sollte vor dem Verzehr eine Laktasekapsel schlucken, die es in Apotheken und Drogeriemärkten gibt.

Wenn der Körper Milchproteine als Feinde behandelt

Bei einer Milchallergie bilden betroffene Menschen Antikörper gegen die als körperfremd erkannten Milchproteine. Bei 50 bis 90 Prozent der Kinder, die allergische Reaktionen zeigen, gehen die Symptome bis zum sechsten Lebensjahr komplett zurück.

Anzeichen für eine Kuhmilchallergie können Ekzeme oder Ödeme der Haut sein, Verdauungsprobleme wie Erbrechen und Durchfall, sowie Husten und Asthmaanfälle. Im schlimmsten Falle kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Bei betroffenen Kindern ist häufig auch eine Verzögerung der Entwicklung zu beobachten.

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2012, 13:15 Uhr

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