Hauptsache gesund | 01.09.2011 | 21:00 Uhr : Infektion der Schleimhäute
Während die klassischen Hautpilze fast überall an der Körperoberfläche siedeln, bevorzugen Hefepilze die Schleimhäute. Im Mund verursachen sie ein Leiden namens Soor, häufig bei Säuglingen anzutreffen. Außerdem sind sie verantwortlich für Scheidenpilzinfektionen bei der Frau.
Vaginalmykose
Viele Frauen kennen das Problem. Manche haben damit jahrelang und immer wieder zu tun. Hilfe verspricht oft erst ein Besuch in einer Spezialambulanz für chronische Pilzerkrankungen (Mykosen). Eine davon gibt es am Institut für Pilzkrankheiten in Berlin, an der der Mikrobiologe Prof. Dr. Hans-Jürgen Tietz arbeitet. "Die meisten Frauen, die zu uns kommen, sind völlig verzweifelt", berichtet der Professor. "Denn bei fünf, sechs oder sieben Infektionen pro Jahr leidet das Sexualleben und auch die Partnerschaft. Viele Patientinnen stehen kurz vor der Scheidung. Die Lebensqualität ist bei mancher Frau derart eingeschränkt, dass sie an Selbstmord denkt." Eine Spezialambulanz für Pilzerkrankungen ist oft der letzte Anlaufpunkt nach jahrelangen vergeblichen Therapieversuchen. In einem offenen Gespräch versucht der Arzt mehr über die Lebensumstände der Patientin zu erfahren, denn die machen den an sich harmlosen Pilz erst zum Krankheitserreger. Familiärer oder beruflicher Stress und Rauchen begünstigen eine Scheideninfektion.
Bei chronischen Pilzproblemen reicht die normale gynäkologische Untersuchung nicht aus. Es beginnt eine Spurensuche, wobei als erstes die Ursache der ständig wieder aufflammenden Infektionen geklärt werden muss. Es gilt als sicher, dass die betroffene Frau sich immer wieder mit ihrem eigenen Pilz ansteckt. Der kann sich zum Beispiel in der Mundhöhle verbergen: "Speziell kariöse Zähne oder Piercings sind ein Tummelplatz für diese Pilze, und wenn diese nicht behandelt sind, verschluckt man diese Keime. Über den Magen gelangt der Pilz in den Darm und über den Analbereich zur Scheide", sagt Prof. Tietz. Eine Neu-Ansteckung kann aber auch durch den Sexualpartner erfolgen, dessen Schleimhaut das Reservoir für den Pilz zwischen den Infektionen bildet. Deswegen sollten im Labor auch die Proben des Partners untersucht werden. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie liegt darin, den Erreger zu identifizieren und sein Versteck zu finden.
Gefahr Systemmykose
Von einer Systemmykose spricht man, wenn Pilze innere Organe befallen. Solche Infektionen treten fast ausschließlich bei Patienten mit einem durch Krankheit oder Medikamente stark geschwächten Immunsystem auf. Der Befall einzelner innerer Organe wie z.B. der Lunge kann sich durch entsprechende Funktionsstörungen wie Atemnot bemerkbar machen. Breitet sich der Pilz im gesamten Organismus aus, kommt es zu einer Blutvergiftung, eine lebensbedrohliche Situation, die mitunter tödlich endet. Für eine erfolgreiche Behandlung ist es notwendig, den genauen Erreger zu ermitteln. Das ist mitunter schwierig, da auch unser Organismus oft von Pilzen besiedelt ist, die keinerlei Krankheit verursachen. Dabei handelt es sich oft um Hefepilze aus dem Dickdarm. Das verleitet manche zu der Annahme, diese Keime lösten Krankheiten wie etwa chronische Müdigkeit aus. Doch dass im Stuhlgang Pilze sind, ist völlig normal und keine Krankheit. Allerdings können sich Hefepilze bei einem Überangebot an Weißmehl, poliertem Reis und Zucker übermäßig vermehren. Dennoch sind sie in den meisten Fällen nicht für ein Unwohlsein verantwortlich. Wer sich "stur" auf die Pilze als vermeintliche Erreger versteift, versäumt es, nach der wahren Ursache der Beschwerden zu suchen.
