Hauptsache gesund | 19.04.2012 | 21:00 Uhr : Wenn Schmerzen den Schlaf rauben
Chronische Schmerzen lassen die Nächte zur Qual werden. Schlafmangel wiederum verstärkt den Schmerz. Selbst gesunde Menschen sind nach einer Nacht, in der sie schlecht geschlafen haben, um rund 30 Prozent schmerzempfindlicher. Ein Teufelskreis!
Mit der Nacht kommt der Schmerz. Gisela S. verbindet mit ihrem Schlafzimmer Angst und Schrecken. "Ich bekomme so starke Schmerzen, dass ich nicht schlafen kann und nicht weiß, wie ich liegen soll. Das ist der Horror, das kann man nicht beschreiben", erzählt die Patientin. Ein Stechen und Ziehen im ganzen Körper. Die Ursache dafür bleibt jahrelang unklar. Schmerzmittel helfen ihr zwar am Tag, aber immer weniger in der Nacht. Die nächtlichen Ganzkörperschmerzen werden schließlich mit seelischen Ursachen erklärt. Eine Psychologin soll helfen. Gisela S. merkt selbst, dass Stress die Beschwerden verschlimmert.
Besonders schlimm wurde es, als ihr Sohn mit 18 Jahren an Krebs erkrankte. "Das war ganz schlimm. Wir mussten um sein Leben bangen. Ich habe dann nachts solche Bauchkrämpfe gehabt wie Koliken, dass ich überhaupt nicht schlafen konnte. Manchmal haben nicht mal mehr Schmerzmittel angeschlagen."
Ihr Sohn überlebt. Gisela S. ist maßlos erschöpft und macht eine Erholungskur. Doch auch danach geht es ihr nicht besser. Die Schmerzen haben sie weiterhin im Griff. Wieder sucht sie ihre Psychologin auf. "Die lehnte mich ab und sagte mir, dass sie nichts mehr für mich tun kann." Ein Schock, der ihre Schmerzen unerträglich steigert. Der Hausarzt sieht nur noch einen Ausweg: Einweisung in eine Klinik. Im DRK-Krankenhaus Rabenstein wird nach acht Jahren endlich die Diagnose gestellt: Fibromyalgie – ein Faser-Muskel-Schmerzleiden. Es ist nicht heilbar, aber schon die erste Therapie zeigt Wirkung. Es ist eine kombinierte Behandlung aus schulmedizinischen und naturheilkundlichen Anwendungen. Gisela S. atmet auf und kommt seither immer mehr zur Ruhe.
Kombinierte Therapien in Schmerzzentren
Wie Gisela S. geht es vielen chronischen Schmerzpatienten. Die Schmerzen rauben ihnen den Schlaf, Schlafmangel verstärkt die Schmerzen. Wer Schmerzen hat, verbringt weniger Zeit im Tiefschlaf, der als besonders wichtig für die Erholung gilt. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, braucht es Zeit und Geduld.
Wer länger als ein halbes Jahr durch Schmerzen um den Schlaf gebracht wird, sollte ein Schmerzzentrum aufsuchen. Solche Zentren gibt es heute in vielen Städten. Die Schmerzen werden zunächst ausreichend mit Medikamenten behandelt, damit der Patient die Nacht nicht als Folter erlebt und tagsüber völlig gerädert ist. Doch Medikamente sind nur ein Teil der Therapie. Im Schmerzzentrum des DRK-Krankenhauses in Chemnitz-Rabenstein stehen für die Patienten neben der schulmedizinischen Schmerztherapie auch naturheilkundliche Angebote zur Verfügung. Je nach den individuellen Bedürfnissen kann der Patient auch Therapien wie Schröpfen, Akupunktur oder Homöopathie wahrnehmen. "Schmerztherapie ist Teamarbeit", erklärt der ärztliche Leiter des Zentrums, Dr. Uwe Richter. "Es ist wichtig, den Schmerz von vielen Seiten anzupacken, um schneller dauerhafte Linderung zu erfahren." Wichtig sei es für die Patienten auch, sich eine andere Einstellung zum Schmerz zu erarbeiten. Denn nicht immer lassen sich Schmerzen vollständig ausschalten.
Dr. Volksmund sagt…
Geteilter Schmerz ist halber Schmerz. Und Recht hat er. Wer sich mit anderen austauscht und sich mitteilt, fühlt sich hinterher meistens besser. Das Sprichwort hat übrigens seinen Ursprung in einem Gedicht von Christoph Anton Tiedge. Der deutsche Dichter verfasste es 1801:
"Sei hoch beseligt oder leide,
das Herz bedarf ein zweites Herz.
Geteilte Freud ist doppelte Freude,
geteilter Schmerz ist halber Schmerz."
