Hauptsache gesund | 22.09.2011 | 21:00 Uhr : Schmerzen in Schulter und Nacken
Schmerzen in Schulter und Nacken sind äußerst lästig und machen alltägliche Bewegungen zur Qual. "Hauptsache gesund" zeigt, wie man die richtige Ursache findet. Ärzte und Physiotherapeuten geben Tipps zur Behandlung, zum richtigen Training und eventuell erforderlichen Operationen.
Jeden Tag machen wir unzählige verschiedene Bewegungen mit den Armen. Dass wir das können, liegt vor allem an unseren Schultern. So viel Bewegungsspielraum hat aber seinen Preis: Das komplizierte System Schulter ist anfällig für Verletzungen. Unfälle, Überanstrengung und Abnutzung können dazu führen, dass Schleimbeutel sich entzünden, Bänder ausleiern, Nerven und Sehnen gequetscht werden. Kritischer Punkt ist der Spalt zwischen Schultergelenk und Schulterdach. Vor allem im Alter kommt es hier durch Verschleiß zu einer Verengung. Sehnen können einklemmen und sogar reißen.
Das Zusammenspiel von Schulter und Nacken
Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk in unserem Körper. Es ist ein kompliziertes Geflecht von Muskeln, Sehnen, Fasern und Knochen. Diese Konstruktion sorgt für die nahezu uneingeschränkte Beweglichkeit der Schulter. Das Schulterskelett wird von drei Knochen gebildet: Schulterblatt, Oberarmknochen und Schlüsselbein. Letzteres stellt zum Brustkorb die einzige feste knöcherne Verbindung her. Dass wir unsere Arme in allen drei Ebenen und Achsen bewegen können, verdanken wir der besonderen Konstruktion des Schultergelenks. Der große kugelförmige Oberarmkopf sitzt in einer flachen, verhältnismäßig kleinen Pfanne. Damit er dort nicht herausspringt, umspannen Muskeln das Schultergelenk von allen Seiten. Im Zusammenspiel mit Bändern und Sehnen halten sie den Gelenkkopf an seinem Platz und steuern die Bewegungen.
Durch die verbundenen Muskelpartien können Verspannungen oder Zerrungen auch in andere Regionen des Oberkörpers ausstrahlen. Bei Nacken- und Schulterschmerzen muss zudem daher vom behandelnden Arzt abgeklärt werden, ob die Schmerzen auch tatsächlich durch diese Region verursacht werden und nicht zum Beispiel vom Halswirbel herrühren.
Immer diese Verspannungen!
Manchmal genügt es schon, am offenen Fenster zu sitzen und sich einen "Zug" zu holen, schon ist der Nacken schmerzhaft verkrampft. Bei solch einer Verspannung sind die Muskeln überreizt: "Die Muskulatur verhärtet, verklebt, die Anteile des Muskels verhaken sich ganz fest ineinander und können sich auch von alleine nicht mehr lösen", erklärt Grit Gellwitz, Physiotherapeutin aus Leipzig, das Phänomen.
Weitere Ursachen für die sogenannte muskuläre Dysfunktion: Vor allem Fehlhaltungen bei der Arbeit oder im Alltag, falsches Tragen, Zugluft oder seelischer Stress, oder Fehlbelastungen durch Sport. Grit Gellwitz rät in solchen Fällen: "Achten Sie darauf, dass Sie die betroffenen Stellen mit Wärme behandeln. Eine Rotlichtlampe oder Wärmekissen können hier kleine Wunder bewirken. Denn die Wärme sorgt dafür, dass die Durchblutung der gehärteten Muskeln gefördert wird und sie sich dadurch entspannen. "Auch durchblutungsfördernde Salben und Wärmepflaster befördern die Lockerung der Muskeln. Des Weiteren hilft die innere Entspannung. "Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst. Legen Sie sich auf den Rücken und versuchen Sie abzuschalten. Entspannungsmusik oder der eigene Herzschlag wirken beruhigend. Versuchen Sie sich dabei auf Ihren Atem zu konzentrieren und beim Einatmen die Schultern etwas hochzuziehen. Beim Ausatmen lockern Sie die Haltung wieder. Die Entspannung von Körper und Seele führt zur Lockerung der Haltung und der Muskulatur, was wiederum die Verspannung löst", so die Physiotherapeutin.Bei akuten Schmerzen sollten Sie den Arzt aufsuchen, um eine medikamentöse Behandlung zu besprechen. Beim Einsatz von Schmerzmitteln ist allerdings Vorsicht geboten.
Weitere Beiträge zum Thema:
Experte im Studio:
Prof. Dr. med. Géza Pap, Chefarzt des Orthopädisch
Traumatologischen Zentrums (OTZ) , Park-Krankenhaus Leipzig
Buchtipp:
Joachim Grifka. Die Schulterschule. rororo 2004
K. Kühlwetter, M. Lehmann, A. Gokeler. Aktiv gegen den Schulterschmerz. Steinkopff
2007
