Hauptsache gesund

Hauptsache gesund | 25.10.2012 | 21:00 Uhr : Zurück zur Steinzeiternährung?

Steinzeitmenschen starben an Verletzungen, Entzündungen oder Krankheiten, die die rauen Lebensbedingungen mit sich brachten. Diabetes, Übergewicht oder Fettleber gab es in der Steinzeit nicht. Liegt es möglicherweise an der Ernährung unserer Vorfahren? Es gibt Wissenschaftler, die darin zumindest einen interessanten Denkansatz sehen. Ihre These besagt: Wir tragen die Gene des Steinzeitmenschen noch heute in uns. Wir teilen dieselbe Vorliebe für fett-, protein- und kohlenhydratreiche Ernährung. Doch der Alltag hat sich radikal gewandelt. Auch der moderne Mensch sei Jäger und Sammler, nur seine Methodik habe sich leicht gewandelt, so die These. Demnach gehen wir nicht mehr mit Pfeil und Bogen auf die Jagd, sondern mit Einkaufswagen und elektronischen Helfern. Unsere Instinkte machen uns dabei zu Schnäppchenjägern und Kaloriensammlern im Supermarkt.

Urmensch bewegte sich mehr

War früher nun alles besser? Natürlich nicht. Hunger war oft Begleiter unserer Urahnen. Der moderne Mensch schwelgt dagegen im Überfluss. Heute bestimmen Lust und Laune, was in den Einkaufskorb kommt. Verführen lassen wir uns vom Aussehen der Verpackung oder dem Duft von reifem Obst oder frisch gemahlenem Kaffee. Aussehen und Geruch sind dabei zwei menschliche Urinstinkte. Auch unsere Vorfahren wählten so ihre Nahrung aus, da sind sich Evolutionsmediziner sicher.

Gab es in der Urzeit mal Fleisch, dann reichlich. Aber täglich stand es nicht auf dem Speiseplan. Und bevor es etwas Ordentliches zu essen gab, musste das Wild gejagt werden. Das war körperliche Schwerstarbeit. Tatsächlich hat sich unsere Ernährung erst durch den Ackerbau stark verändert. Das ist gerade einmal 12.000 Jahre her, zu den Jahrmillionen davor tatsächlich ein Klacks. Seit diesen wenigen tausend Jahren bereichern aber mehr und mehr Kohlenhydrate unseren Speisezette. Als Beispiel gilt der enorm gestiegene Zuckerkonsum. Damit hat unser Körper viele Probleme. Und noch ein Unterschied: So aktiv wie der Steinzeitmensch lebt heute fast niemand mehr.

Nährstoffe
Die Verteilung von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten in der Steinzeit (linker Kreis) und heute. In der Steinzeit ein ausgewogenes Verhältnis von jeweils einem Drittel der Makronährstoffe.

Schaut man sich die Verteilung der sogenannten Makronährstoffe, also Proteine, Fett und Kohlenhydrate an, stellt man einige Unterschiede in der Verteilung von Proteinen und Kohlenhydraten fest. Nicole Lins, Diätassistentin und Ernährungsfachfrau für Hauptsache Gesund, hat einen fiktiven Speisezettel für einen Tag für den heutigen Büromenschen zusammen gestellt:

Ernährungsplan heute Leichtarbeiter/Bürojob

* Früh: 6 EL Müsli oder 2 Scheiben Brot, 150 ml Milch, 1 Apfel, 2 Tassen Kaffee, 1 Obst als Zwischenmahlzeit

* Mittag: 200g Kartoffeln (3 Stück), 200g Gemüse gedünstet, 150g Fisch, 1 EL Öl, 150g Quark mit Früchten oder 150g Joghurt mit Früchten als Zwischenmahlzeit

* Abends: 2 Scheiben Vollkornbrot, 2 TL Butter, 2 Scheiben Wurst, 1 Scheibe Käse, 150g Rohkost od. Salat

Die Gesamtmenge entspricht: ca. 1500 kcal, 40g Fett, 225g Kohlenhydraten, 75g Eiweiß

Die Vor- und Nachteile der Steinzeitdiät
Seit einigen Jahren gibt es unter den Diätprogrammen auch eine sogenannte Steinzeitdiät, einer Ernährungsform des Menschen, die sich an der vermuteten Ernährung der Altsteinzeit orientiert. Die Befürworter der auch Paläo-Diät genannten Ernährung argumentieren, dass der Mensch nicht an die modernen industriell gefertigten Lebensmittel angepasst sei. Die heutige Ernährungsweise führe daher häufig zu Erkrankungen wie Bluthochdruck und zu hohem Cholesterinspiegel.

Eigentlich liefert die Paläo-Ernährungstheorie gute Ansätze. Dass man Fertiglebensmittel meiden und dafür mehr frisches Obst und Gemüse oder Nüsse essen sollte, ist weitgehend anerkannt. Umstritten ist dagegen, ob man Getreide- und Milchprodukte wirklich meiden sollte, während man verstärkt zu Fleisch greift. Bei der Steinzeitdiät würden nur 25 Prozent der Kalorien von Kohlenhydraten stammen, 45 bis 60 Prozent sind aber empfohlen. Stattdessen würden die Empfehlungen für Fette und Proteine durch Fleisch überschritten werden.

Das wichtigste Gegenargument für die Steinzeit - Diät ist die Tatsache, dass ein moderner Mensch viel weniger Energie benötigt, als sein Vorfahre aus der Steinzeit. Die Lebensweise in den modernen Zivilisationen mache hohe Energiezufuhren überflüssig – Ein Leichtarbeiter muss viel weniger Kalorien aufnehmen als ein Mammutjäger. Dies lässt die Steinzeit - Diät völlig außer Acht! Hinzu kommt, dass der hohe Eiweißanteil bei der Steinzeit - Diät zu Gicht, Nierensteinen und Arteriosklerose führen kann.

Wie so oft, gilt also auch hier: Die Dosis macht das Gift oder übersetzt: Die Verteilung von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen macht uns gesund oder krank.

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2012, 18:42 Uhr

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