Hauptsache gesund | 14.07.2011 | 21:00 Uhr : Gefährliche Überdosis
Die unkritische Einnahme von Vitaminen kann schädlich sein. Verbraucherschützer kritisieren deshalb die Anreicherung von Lebensmitteln mit diesen Stoffen. Bisher galt die Annahme, dass es nur bei den fettlöslichen Vitaminen A, E, D und K, die in der Leber gespeichert werden, zu gesundheitlichen Problemen kommen könnte. Aber auch die wasserlöslichen Vitamine werden bei einem Überangebot nicht einfach ausgeschieden. Neben Vitamin C werden auch bei anderen wasserlöslichen Vitaminen schädigende Wirkungen insbesondere der Nieren vermutet. Wie bereits bei Herz-Kreislauf-Kranken, zeigte sich auch bei Diabetikern mit Nierenerkrankung, dass das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung durch die Gabe hochdosierter B-Vitamine nicht sinkt. Im Gegenteil: Erstmals wurden negative Effekte der Behandlung auf Nieren- und Herz-Kreislauf-Funktion festgestellt.
Überdosierungen von Vitamin D führen zu gesteigerter Aktivierung der Knochen abbauenden Zellen und Knochenentkalkung. Dadurch kann es zur Entwicklung von Nierensteinen und zu Gefäß- und Organverkalkungen kommen. Das führt langfristig zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und Nierenschwäche.
Von der Selbstmedikation mit Vitamintabletten ist abzuraten. Vor allem Menschen, die Medikamente einnehmen, sollten hier vorsichtig sein, da es zu Wechselwirkungen kommen kann. Beispielsweise können Präparate, die Vitamin K enthalten, die Wirkung von Gerinnungshemmern (z.B. Marcumar) abschwächen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht auch die Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitaminen sehr kritisch, da bei manchen Personen ein Risiko für eine Überversorgung besteht. In einem Warentest wurden mehrere ACE-Vitamin-Säfte geprüft. Die Mehrzahl enthielt in einem Glas mehr als die empfohlene tägliche Menge von zwei Milligramm Beta-Carotin, der Vorstufe von Vitamin A. Zuviel Beta-Carotin erhöht das Risiko für Lungenkrebs und Herzinfarkte.
Eine Überversorgung mit Vitaminen ist ansonsten allerdings nur durch hoch dosierte Tabletten möglich, mit Obst und Gemüse könnte man sich nur bei der Aufnahme extremster Mengen gefährden.
Wie viel denn nun?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat eine einfache Formel zur ausreichenden Versorgung mit Vitaminen vorgegeben: fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag. Die Empfehlung gilt jedoch nur als grobe Richtlinie und sollte nicht zu dogmatisch gesehen werden. Wer an einem Tag nicht fünf, sondern einmal nur drei oder vier Portionen schafft, ist auch schon gut. Nüsse zählen übrigens auch dazu. Obstmuffel können auch mal ein Glas Fruchtsaft trinken.
