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Berliner Großstadtflughafen : Platzeck kommt, Flughafenchef geht

In einem halben Jahr sollte der Großflughafen Berlin-Brandenburg endlich eröffnet werden, nachdem der Starttermin dreimal verschoben worden war. Doch Anfang Januar wurde die Hiobsbotschaft öffentlich: Auch dieser Termin ist nicht zu halten. Berlins Regierungschef Wowereit gab den Chefposten im Aufsichtsrat ab. Seit Mittwoch hat Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck das Amt inne. Ob damit frischer Wind einzieht, bezweifeln manche. Gehen muss hingegen der umstrittene Flughafenchef Rainer Schwarz.

Blick vom Infotower auf den zukünftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld

Wegen der dauerhaften Pannenserie am Berliner Großflughafen ist die Aufsichtsratsführung neu besetzt worden: Auf einer Sondersitzung wählte das Gremium Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck einstimmig zum neuen Chefkontrolleur. Vom Aufsichtsrat abberufen wurde hingegen Flughafenchef Rainer Schwarz, der den Posten seit Ende 2005 innehatte und zuletzt wegen der Baumängel immer stärker in die Kritik geraten war.

Platzeck erntet für Wahl gleich Kritik

Klaus Wowereit und Matthias Platzeck
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Alle schweigen über neuen Starttermin für Flughafen

16.01.2013, 16:12 Uhr | 01:05 min

Weil der zuletzt vorgesehene Eröffnungstermin im Oktober 2013 für den Flughafen nicht mehr zu halten war, war ein Wechsel in der Aufsichtsratsspitze ins Rollen gekommen. SPD-Politiker Platzeck tritt die Nachfolge von Klaus Wowereit an. Der Berliner Regierungschef war Anfang Januar als Chefkontrolleur des neuen Flughafens zurückgetreten. Platzeck war bislang sein Stellvertreter - ein Grund, weshalb die Brandenburger Grünen die Wahl als Farce kritisierten. Grünen-Landeschefin Annalena Baerbock verwies darauf, dass Platzeck in seiner bisherigen Funktion das Desaster mitzuverantworten habe: "Es wäre deutlich besser gewesen, jemanden von außen zu holen". Zugleich forderte sie Platzeck zu mehr Transparenz und eine Offenlegung der Daten auf. Außerdem müssten Fachleute hinzugezogen werden.

Baerbock steht mit ihrer Meinung nicht allein. Auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hatte einen externen Experten favorisiert. Zumal die Situation, wie er der "Rheinischen Post" sagte, völlig festgefahren sei. Man könne "von Fröschen nicht erwarten, dass sie den Sumpf trockenlegen".

Flughafenchef Schwarz muss gehen

Flughafen Berlin (BER)
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Was bringt der Wechsel in der Aufsichtsratsspitze?

16.01.2013, 21:45 Uhr | 01:25 min

Wer hingegen neuer Flughafenchef werden soll, ist noch nicht bekannt. Der Aufsichtsrat hatte am Mittwoch beschlossen, dass der bisherige Flughafenmanager, Rainer Schwarz, seinen Hut nehmen muss. Eigentlich läuft dessen Vertrag noch bis 2016. Medien hatten zuletzt berichtet, dass Schwarz bis dahin noch ein Gehalt von 1,8 Millionen Euro erhalten hätte. Ob er nun nach seiner Ablösung eine Abfindung erhält und in welcher Höhe, ist derzeit nicht bekannt. Schwarz sollte den Bau des neuen Flughafens kosteneffizient vorantreiben, doch das Gegenteil war der Fall. Zuletzt stand er wegen der enormen Bauverzögerungen immer stärker in der Kritik, Wowereit hatte aber lange stoisch an ihm festgehalten.

Auch der vierte Anlauf scheiterte

Anfang Januar war der Starttermin für den Berliner Großflughafen schon zum vierten Mal verschoben worden. Grund sind offenbar vor allem Probleme beim Brandschutz: Weil die Brandschutzanlage nicht funktioniert, kann der Flughafen in diesem Jahr nicht in Betrieb gehen. Ein neuer Eröffnungstermin wurde bislang nicht genannt. Beteiligte Baufirmen stellen wegen der mehrfachen Verzögerungen bereits Forderungen in Millionenhöhe. Auch um diese Kosten soll es auf der heutigen Sitzung gehen.

Pannenserie treibt Kosten in die Höhe

Die neuerliche Verschiebung treibt die Kosten für das Bauprojekt wiederholt in die Höhe. Ursprünglich waren für den Bau des Flughafens rund 2,8 Milliarden Euro veranschlagt. Inzwischen ist von mindestens 4,3 Milliarden Euro die Rede und auch das könnte nach Ansicht von Brandenburgs Regierungschef Platzeck noch nicht die schlussendliche Summe sein.

Der Bund ist mit 26 Prozent an der Betreibergesellschaft des Flughafens beteiligt, die Länder Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent. Berlin will mit dem Großstadtflughafen zu einem der wichtigsten Drehkreuze Deutschlands werden.


Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2013, 22:39 Uhr

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