Osteuropa

Anna Politkowskaja Ein Mord "ohne" Auftraggeber

Gedenktafel am Wohnhaus von Anna Politkowskaja
7. Oktober 2006. Russlands Präsident Putin feiert seinen 54. Geburtstag. Am Nachmittag gegen 16 Uhr betritt die russische Journalistin Anna Politkowskaja in Moskau das Haus, in dem sie wohnt. Kurze Zeit später ist sie tot. Man findet ihre Leiche im Fahrstuhl. Politkowskaja wurde aus nächster Nähe mit vier Schüssen aus einer Pistole ermordet. Bildrechte: IMAGO
Gedenktafel am Wohnhaus von Anna Politkowskaja
7. Oktober 2006. Russlands Präsident Putin feiert seinen 54. Geburtstag. Am Nachmittag gegen 16 Uhr betritt die russische Journalistin Anna Politkowskaja in Moskau das Haus, in dem sie wohnt. Kurze Zeit später ist sie tot. Man findet ihre Leiche im Fahrstuhl. Politkowskaja wurde aus nächster Nähe mit vier Schüssen aus einer Pistole ermordet. Bildrechte: IMAGO
Journalistin Anna Politkowskaja anlässlich der Leipziger Buchmesse, 2005 in Leipzig.
Anna Politkowskaja, Mitarbeiterin der Moskauer Zeitung "Nowaja Gaseta", war geschätzt und gehasst. Im westlichen Ausland als kritische Journalistin bejubelt, wurde sie im eigenen Lande von nationalistisch gesinnten Landsleuten als Nestbeschmutzerin verachtet. Bildrechte: IMAGO
Trauernde legen am Wohnhaus Anna Politkovskaja von Blumen nieder
Trauer und Betroffenheit. Tausende Menschen "pilgern" zum Wohnhaus von Politkowskaja und legen Blumen ab. Bildrechte: IMAGO
Eduard Sagalaev und Boris Nemtsov am Sarg von Anna Politkowskaja
Zur Beisetzung kommt auch der liberale Politiker Boris Nemzow (vorne re). Einige Jahre später, am 27. Februar 2015, wird auch er in Moskau auf offener Straße erschossen. Bildrechte: IMAGO
Anna Politkowskaja
Anna Politkowskaja hatte sehr kritisch über die Zustände in Russland berichtet, vor ihrem Tod vor allem über Verbrechen russischer Truppen im Zweiten Tschetschenien-Krieg (1999 – 2009). Bildrechte: IMAGO
Generalstaatsanwalt Juri Tschaika
Ende August 2007 verkündet Generalstaatsanwalt Jurij Tschaika die Festnahme von zehn Tatverdächtigen. Es sind Tschetschenen und Offiziere des Inlandgeheimdienstes FSB – ehemalige und aktive. Fünf der Männer kommen schon nach wenigen Tagen wieder frei. Bildrechte: IMAGO
Dzhabrail und Ibragim Machmudov
Im November 2008 beginnt vor dem Moskauer Militärgericht der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter. Angeklagt sind u.a. die beiden tschetschenischen Brüder Dschabaril und Ibrahim Machmudow. Ihr Bruder Rustan soll der Todesschütze sein. Er hat sich ins Ausland abgesetzt. Bildrechte: IMAGO
Der ehemalige Polizist Sergei Khadzhikurbanov
Ebenfalls angeklagt: Sergej Chadschikurbanow, ein ehemaliger Offizier des Ministeriums des Innern. Der Prozess endet im Februar 2009 mit einem Freispruch für alle Angeklagten. Bildrechte: IMAGO
Tagung des Obersten Gerichtshofes Russlands
Der Oberste Gerichtshof macht jedoch Verfahrensfehler geltend und hebt den Freispruch auf. Der Prozess muss neu aufgerollt werden. Bildrechte: IMAGO
Demonstranten halten Bilder der ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja in Händen
Bei vielen ihrer Landsleute bleibt Anna Politkowskaja unvergessen. Sie erinnern jedes Jahr an ihrem Todestag an die unerschrockene Journalistin und fordern weitere Ermittlungen. Bildrechte: IMAGO
Ilya Politkovskiy, Sohn der ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja
Der Sohn von Anna Politkowskaja, Ilja, und Reporter der "Nowaja Gaseta" ermitteln auf eigene Faust. Die Zeitung setzt für Hinweise, die zur Verhaftung der Täter führen, umgerechnet mehr als 500.000 Euro Belohnung aus. Die "Nowaja Gaseta" macht die Staatsanwaltschaft auf einen Mann aufmerksam, der im ersten Prozess noch als Zeuge gehört worden war … Bildrechte: IMAGO
Der ehemalige Polizist Dmitry Pavlyuchenkov
Dimitri Pawlutschenkow, ehemaliger Kriminalpolizist im Range eines Oberstleutnants. Er macht einen Deal mit der Staatsanwaltschaft. Pawlutschenkow gesteht, die Mordwaffe gekauft und an den Mörder übergeben zu haben und sagt gegen die anderen Angeklagten aus. Er wird im Dezember 2012 zu elf Jahren Straflager und zur Zahlung von 3 Millionen Rubel (rund 14.000 Euro) Schmerzensgeld an die Hinterbliebenen verurteilt. Über den oder die Auftraggeber des Mordes macht er nur vage Andeutungen. Er bringt den verstorbenen Oligarchen Boris Beresowski und den tschetschenischen Terroristen Achmed Sakajew ins Gespräch … Bildrechte: IMAGO
Rustam Machmudov, Lom-Ali Gaitukaev, Sergei Khadzhikurbanov, Dzhabrail Machmudov and Ibragim Machmudov
Am 9. Juni 2014, acht Jahre nach dem Mord an Anna Politkowskaja, werden schließlich fünf weitere Beteiligte zu hohen Haftstrafen verurteilt. Todesschütze Rustam Machmudow (h.l.) muss lebenslänglich in ein Straflager, ebenso der Strippenzieher Lom Ali Gaitukajew (h.m.). Den ehemaligen Polizeioffizier Sergej Chadschikurbanow (h.r.) erwarten 20 Jahre Straflager. Dschabrail (v.l.) und Ibrahim Machmudow (v.r.) müssen 14 bzw. zwölf Jahre hinter Gitter. Bildrechte: IMAGO
Arbeitsplatz der ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja
Was bleibt, sind Wut und Ratlosigkeit. Und ein leerer Schreibtisch. Wer hinter dem Mord an Anna Politkowskaja steckt, ist bis heute ungeklärt. Die Familie der russischen Journalistin und die "Nowaja Gaseta" suchen weiter nach den Hintermännern des Verbrechens.
(Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im TV: 06.10.2016 | 17:45 Uhr)
Bildrechte: IMAGO
Alle (14) Bilder anzeigen