Nikita Marshunok, Erfinder des Festivals "KaZantip"
Bildrechte: Kazantip

Gespräch mit Nikita Marshunok alias Nikita I. "Wir sind die perfekteste Republik der Welt!"

"KaZantip" - das ist ein Festival, ein Kunstprojekt und eine selbsternannte Republik in einem Stück, in dem sich jährlich mehr als 100.000 Fans der elektronischen Musik tummeln. 2014 musste wegen der angespannten politischen Lage vom Westen der Krim nach Georgien umgezogen. 2015 ist das Festival wieder am angestammten Platz.

Nikita Marshunok, Erfinder des Festivals "KaZantip"
Bildrechte: Kazantip

Die winzige Republik "KaZantip", kaum größer als der Vatikan, besitzt eine Verfassung, eine Regierung, deren Minister für "Sound, gute Laune und Architektur" zuständig sind, sowie einen Präsidenten auf Lebenszeit, der sich nur einem Ziel verschrieben hat, dass seine Bürger "24 Stunden am Tag" glücklich sein mögen. Der Name des Präsidenten ist Nikita I. Und Nikitas Motto lautet: "Es ist schwer, die Welt zu verändern, aber man kann sich seine eigene kleine Welt erschaffen."

Damit begann Nikita I. 1992, als er noch Nikita Marshunok hieß. Damals veranstaltete der junge Mann einen Windsurf-Wettbewerb, der mit einem Konzert abgeschlossen wurde. Daraus entwickelte sich über die Jahre ein Festival für elektronische Musik, wobei Nikita I. lieber von einem "Kunstprojekt" spricht. Im Jahr 2000 gründete Marshunok dann die Republik "KaZantip" (so heißt ein im Schwarzen Meer gelegenes Kap) am Strand des Dorfes Popovka im Westen der Halbinsel Krim. Eine Republik, die es eigentlich nur fünf Wochen in jedem Jahr gibt: von der letzten Juliwoche bis Ende August. In dieser Zeit aber gilt "KaZantip" seinen Bürgern – und dies sind Jahr für Jahr mehr als 100.000 - als ein Paradies, umweht von den Klängen der namhaftesten DJs der Welt.

2014 verließ Nikita I. sein Refugium auf der Krim. Wegen der angespannten politischen Situation in der Ukraine verlagerte er seine Fantasie-Republik an einen Strand am Schwarzen Meer in Georgien. Doch dort wurden sie nicht nur mit offenen Armen empfangen: die christlich-orthodoxe Kirche rief zum Protest auf. 2015 ist das Festival nun wieder zurück auf der Krim.

Bargeld und Taschenlampe mitbringen

Tausende junge Menschen aus der ganzen Welt feiern gemeinsam auf der Krim? Es sieht so aus, als ob das 2015 wieder möglich wäre. Die Tipps zu Anreise und Aufenthalt versprechen bereits ein bisschen vom freiheitlichen, ungezwungenen Flair des Festivals: Reise selbst organisieren, weil das viel billiger sei und es keine autorisierten Reiseveranstalter gebe, Bargeld statt Kreditkarte dabei haben, ebenso werden eine Taschenlampe und Sonnenschutzmittel mit hohem Faktor empfohlen. Achja, und man braucht ein Visum für Russland und einen noch mehrere Monate gültigen Reisepass. So ganz ohne Formalitäten kommt der Festivalgast doch nicht in die bunte Republik ...